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Schweizer Fleischproduktion

Masttiere werden heute in der Schweiz zunehmend artgerechter gehalten. Trotzdem entsteht ein Dilemma zwischen Fleischkonsum und Interessen der Landwirtschaft.

von Foodaktuell Importer

Die Statistik zeigt, dass seit dem Jahr 2000 bereits über die Hälfte der Tierbestände regelmässigen Auslauf ins Freie und «besonders tierfreundliche Ställe» haben. Dies entspricht nicht nur der heutigen Konsumentenerwartung sondern verbessert auch die Fleischqualität. Aber die Fleischproduktion soll «auch umweltverträglich geschehen», mahnt Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft. «Sonst wird sie ihre Imageprobleme nie los».

Vor allem den Schweinemästern wird vorgeworfen, sie würden Böden überdüngen und Seen verschmuzen. Ausserdem appelliert Bötsch an die Bauern, «sich an der Nachfrage zu orientieren und die Importprodukte qualitativ zu übertreffen». Denn im reinen Preiswettbewerb hat die Schweiz schlechte Karten, sie muss sich mit Qualität, Innovation und Spezialitäten profilieren.

Zielkonflikte entstehen auch zwischen dem Fleischkonsum und den Interessen der Landwirtschaft. Die Schweine-, Rind- und Kalbfleisch-Konsumraten stagnieren seit Jahren, nur der Geflügelkonsum steigt. Auch der Gesamtfleischkonsum stagniert. Leidtragende sind unsere Bauern, die achzig Prozent ihres Einkommens aus tierischen Produkten schöpfen (inklusive Milch).

Diese Entwicklung begann schon vor BSE: Der Gesundheitstrend und die (mittlerweile relativierten) Cholesterin-Warnungen bewirkten Zurückhaltung beim Fleischkonsum. Die Beliebtheit verschob sich zum fettarmen Geflügel, wo die Importprodukte sechzig Prozent ausmachen und billiger sind als Schweizer Produkte.

Gesundheit kontra Agrolobby?

Vor allem diese Verlagerung schmerzt die einheimische Landwirtschaft, aber Schweizer Poulet kann ein sinnvoller Kompromiss darstellen. Bötsch respektiert die Regeln gesunder Ernährung, auch wenn sie den Interessen der Bauern zuwiderlaufen. «Die Landwirtschaft besitzt noch Spielraum», so Bötsch, «aber die Empfehlung «je weniger Fleisch desto besser» wäre falsch. Unhaltbar ist aber, den sinkenden Fleischkonsum tatenlos hinzunehmen, wenn er durch ein verzerrtes Image bedingt ist».

Verkleinern der Tierbestände böte indes auch Chancen: Die Voraussetzungen für eine hochstehende Qualität werden besser, wenn man die Viehwirtschaft räumlich besser verteilt und extensiver produziert. Tendenziell wird das Fleisch dann etwas teurer, aber nicht linear zum Mehraufwand. «Doch es würde nichts bringen, wenn wir gesamthaft weniger produzieren aber dies weiterhin hoch intensiv», so Bötsch.