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Sparen und zwei Prozent Preisaufschlag für 2005

von Foodaktuell Importer

Auf starke Preiserhöhungen reagieren die Kunden sensibel. Sie schränken den Ausserhauskonsum nicht nur ein oder verzichten ganz darauf, sondern weichen oft auf Take-aways, Bäckereien oder den Detailhandel aus. Den resultierenden Gästeschwund kann man durch die Preiserhöhung nicht kompensieren. Der Schweizer Cafetier Verband SCV rät daher zur Doppelstrategie: Johanna Bartholdi, Geschäftsleiterin des SCV empfiehlt, die Preise sanft zu erhöhen und alle Sparpotenziale auszuschöpfen.

Moderate Preiserhöhungen von rund zwei Prozent findet der SCV sinnvoll, um die ohnehin bescheidenen Gewinne zu halten. Können die Preise nicht steigen, sinkt der durchschnittliche Reingewinn von 1,9 % (2003) auf 0,4 %. Dies sind 40 Rappen pro Hundert Franken Umsatz. In vielen Fällen rutscht er in die roten Zahlen ab.

Harte Sparmassnahmen

«Gleichzeitig sind Sparübungen ein Muss», so Bartholdi. «Vor allem bei den Finanz-, Anlage- und Lohnkosten: Alle Betriebe, deren Finanz- und Anlagekosten mehr als 15 % betragen, müssen Sparpotenziale suchen». Obwohl sich der SCV seiner sozialen Verantwortung bewusst ist, sieht er derzeit keinen anderen Ausweg als folgende teilweise harte Massnahmen:

Das Angebot straffen oder zeitlich reduzieren

Die Öffnungszeiten kürzen (z.B. Randzeiten abzubauen)

Den Beschäftigungsgrad aller Mitarbeiter reduzieren

Die Mitarbeiter besser auslasten, z.B. durch mehr Leerstunden (Zimmerstunden)

Per 1.1.2005 nur punktuelle Lohnerhöhungen gewähren und/oder im schlimmsten Fall Mitarbeiter entlassen

Diskussionen mit dem Vermieter oder den Banken.

Der SCV hält die Kreditvergabe-Politik der Banken an das Gastgewerbe für unangemessen: durch das schlechte Rating muten sie vielen Betrieben einen bedeutend höheren Zinsaufwand zu als bei einem besseren Rating. Der Verband fordert daher von den Banken, bei langfristig zuverlässig zinsenden Betrieben das Rating zu verbessern.

Sachliche Presseberichte

«Schlechte Nachrichten für Kaffeegeniesser», titelte der Tagesanzeiger nach der Jahresmedienkonferenz des SCV am 7.12.: «Die Schweizer werden auch 2005 für einen Café crème tiefer in die Tasche greifen müssen. Andernfalls drohen vielen Cafés laut dem Cafetier-Verband rote Zahlen. Aus Angst vor Umsatzeinbussen stellt sich der Verband zudem gegen ein Rauchverbot in Cafés».

Und die NZZ kommentierte: «Die Konsumflaute der letzten Jahre hat die wirtschaftliche Situation vieler Schweizer Restaurants und Cafés weiter verschlimmert. Zwar kamen typische Café-Betreiber nach den Angaben des Cafetier Verbands dieses Jahr besser über die Runden als Durchschnittsbetriebe im Gastgewerbe. Ihnen sagt die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich für 2004 einen Umsatzrückgang von 3 % auf rund 14,1 Mrd. Fr. voraus. Aber das Geschäft der Cafetiers sei noch unberechenbarer
geworden, hiess es am Dienstag an der Jahrespressekonferenz des Cafetiers Verbands (SCV).

Gemäss der Wirtschaftsauskunftei Creditreform gingen bis Ende September dieses Jahres 499 Gastrobetriebe pleite. Gleichzeitig kamen jedoch 547 neue dazu, und dies bei einem ohnehin schon übersättigten Markt. Vielen Betrieben fehlen damit die Perspektiven, weshalb SCV-Geschäftsführerin Johanna Bartholdi jetzt Alarm schlägt. Einerseits stiegen die Betriebskosten weiter, andererseits hätten die Betrieb nur sehr wenig Spielraum für Preiserhöhungen. Deshalb rät Bartholdi den Cafetiers zum Befreiungsschlag».

Siehe auch Preistrend von Café crème