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Verschärfen «Neulinge» das Kaffee-Überangebot?

Die Krise auf dem Weltkaffeemarkt ist vor allem eine Folge der Überschussproduktion. Die meisten Neulinge unter den kaffeeproduzierenden Staaten werden zwar kaum viel zu einer Verschärfung beitragen. Aber Laos besitzt Potenzial, ähnlich wie Vietnam: Dort wird heute hundermal mehr Kaffee angebaut als vor dreissig Jahren.

von Foodaktuell Importer

Die Internationale Kaffee-Organisation (ICO) hat das Produktionspotenzial in 25 Ländern untersucht, die nicht ICO-Mitglied sind. Diese trugen früher nur marginal zur Weltkaffee-Ernte bei, aber mittlerweile entwickelten einige ihre Kaffeeinteressen weiter.

Laut ICO erzeugten diese Staaten im Erntejahr 2003/04 2,32 Millionen Sack. 1990/91 betrug diese Menge nur 876.000 Sack. Nur asiatische Staaten sind für diese Steigerung verantwortlich. Keine grosse Rolle spielen afrikanische Länder wie die Komoren, Mosambik sowie Sao Tomé mit einer Produktion von nur 12.000 Sack (im 2003/04) und sinkenden Erntemengen. Auch der amerikanische Kontinent mit den ICO-Nichtmitgliedern Belize, Dominique, Puerto Rico, Hawaii wird keine grösseren Steigerungen bringen.

Einzig Asien/Ozeanien mit Malaysia, Laos, China und Myanmar lässt Dynamik erwarten. Rund 2,02 Millionen Sack Kaffee stammen aus dieser Region, auch altbekannte Herkünfte wie Jemen und Osttimor: Malaysia hat zwar seine Ernte von 1990/91 bis heute um über 400 Prozent gesteigert. Aber es benötigt die 653.000 Sack vollständig für den Eigenverbrauch.

Laos

Laos dagegen verdient Aufmerksamkeit. So erzeugt das Land heute 537.000 Sack Kaffee, 500 Prozent mehr als 1990/91. 44.000 ha Land werden für den Kaffeeanbau genutzt. Da 30 Prozent der Exporterlöse über Kaffee erwirtschaftet werden, ist die Regierung stark am Ausbau interessiert. Ausserdem hat sich das Leben in den Kaffeezonen besser entwickelt als in den restlichen Landesteilen. Mehr als 50.000 ha weiteres Land sind für den Kaffeeanbau geeignet. Die Weltbank stellte 1991 ein 17 Millionen US-Dollar-Projekt zur Steigerung der Kaffeeproduktion zur Verfügung, und Laos profitiert auch heute noch von der technischen Hilfe Frankreichs und Australiens bei der Kaffeeproduktion. 2010 will das Land 1,7 Millionen Sack Kaffee erzeugen und besitzt ein nennenswertes Potenzial als Kaffee-Exportland der Zukunft.

China

Chinas Kaffee-Erzeugung stieg in den letzten Jahren spektakulär. In
den vier Provinzen Yunnan, Heinan, Guangxi und Fujian werden auf
rund 24.000 ha 350.000 Sack Kaffee geerntet. Investitionen in die
Erhöhung der Produktivität und in neue Farmen sowie Kaffeeanbauflächen
werden getätigt.

Zwar liegt der Pro-Kopf-Verbrauch der
Chinesen noch bei drei Gramm Kaffee pro Jahr, doch das rasante Wirtschaftswachstum
Chinas und die Entwicklung der eigenen Kaffeeindustrie
werden für Nachfrage sorgen. Anbauflächen
sind in China jedoch nur begrenzt vorhanden. Bemerkenswert ist die Produktion von
hochwertigem Arabica-Kaffee in der Provinz Yunnan, die allerdings
fast vollständig von einer bedeutenden internationalen Firma
in ihrer dortigen Fabrik verarbeitet wird.

Myanmar

Auch Myanmar versucht, den Kaffee-Anbau aus den Hinterhöfen
der Landbevölkerung zu wirtschaftlichen Grössenordnungen
zu entwickeln. 43.000 Sack Jahresproduktion werden derzeit erzielt, und
Programme zur Landerschliessung für den Kaffeeanbau sind am Laufen. Die Regierung arbeitet mit Südkorea und der FAO
(Food and Agricultural Organisation) zusammen, um den Anbau
und das Know how bei Tropenfrüchten, Kaffee und Tee zu entwickeln.

Jemen

Jemen, die Mocca-Herkunft schlechthin, erzeugt heute 124.000 Sack
Kaffee. Da die landwirtschaftliche Nutzfläche nur 2,6 Prozent des Landes
ausmacht und davon knapp 10 Prozent für den Anbau von mehrjährigen
Nutzpflanzen benötigt wird, wird kein Produktionszuwachs beim
Kaffee in den nächsten Jahren erwartet.

Ost-Timor

In Ost-Timor lebt ein Viertel der Bevölkerung vom Kaffee. Auf
60.000 ha werden 230.000 Sack Kaffee erzeugt, 80 Prozent Arabicas und
20 Prozent Robustas. Früher waren es 700.000 Sack. Viele der
Farmen sind sehr alt und stammen noch aus den portugiesischen
Kolonialzeiten, entsprechend gering sind die Erträge.

Fazit

Mit Überraschungen wird die Mehrzahl dieser Kaffeeproduzenten nicht aufwarten können.
Das Kaffeeangebot aus diesen
Ländern ist instabil und die Qualität schwankend. Die
dominierenden Kräfte im Weltmarkt werden für viele Jahre noch in
anderen Regionen sein als bei diesen «Neulingen». Nur Laos besitzt das Potenzial, als Kaffee-Exportland zukünftig mitzureden.

Quellen und Fotos: Deutscher Kaffee-Verband, ICO

www.kaffeeverband.de

www.ico.org