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Pasta-Konsum steigt

Der Teigwaren-Konsum hat letztes Jahr um 2,6 % auf 73'001 Tonnen zugenommen. Davon profitierten aber in erster Linie die Importe, vor allem aus Italien. Machen die Italiener bessere Pasta? Oder tiefere Preise?

von Foodaktuell Importer

Die acht Trockenteigwaren-Hersteller des Branchenverbandes “SwissPasta” haben im Jahr 2004 einen durchzogenen Geschäftsverlauf verzeichnet. Die Gesamtproduktion lag nur geringfügig über dem tiefen Vorjahresniveau von 50’942 Tonnen (+ 0,7 %). Der Inlandkonsum nahm dagegen nach einem Rückgang im Vorjahr um 2,6 % auf 73’001 Tonnen zu. Davon profitierten allerdings in erster Linie die Importe mit einem Zuwachs von 3,8 % auf 27’242 Tonnen. Die schweizerischen Teigwarenfabriken konnten im Inland 45’759 Tonnen oder 1,9 % mehr als im Vorjahr absetzen. Der Marktanteil der Importe erhöhte sich auf 37,3 %. Anfangs der 90er Jahre lag er noch unter 20 %.

Der Pro-Kopf-Verbrauch beträgt nun 9,80 kg gegenüber 9,59 kg im Vorjahr. Erneut stark rückläufig waren die Exporte. Sie gingen um 490 Tonnen oder 8,6 % auf 5’183 Tonnen zurück. Damit machen sie noch knapp 10 % der Gesamtverkäufe aus. Vor 10 Jahren betrug dieser Anteil 15 %.
Quelle: Swiss Pasta

Drängen uns die Italiener aus dem Markt?

Schweizer essen seit Jahren konstant zehn Kilo Trockenteigwaren pro Jahr. Dies ist fast ein Rekord: In Europa essen nur die Italiener mehr davon. Aber allmählich verschiebt sich der Konsum zu importierten Pasta, vor allem aus Italien. Machen die Italiener bessere Pasta oder tiefere Preise? Oder profitieren sie schlicht vom Italianità-Trend? Der Hauptgrund ist die massive Werbung der ausländischen Marken. Konkret: der Vormarsch von Barilla im Detailhandel. Auch die Schweizer Convenience-Industrie kauft Pasta in Italien ein. Zum Beispiel Nestlé von ihrer Tochter Buitoni.

Und bei den Preisen muss man Gleiches mit Gleichem vergleichen: Italienische Pasta sind normalerweise «Napoli-Rezepte» ohne Ei, bei den Hiesigen ist es gerade umgekehrt. Ei ist aber eine teure Zutat, besonders Freiland-Ei. Doch wer gar kein Ei verwendet, hat psychologisch einen wirksamen Preisvorteil, denn der Spardruck bei den Kunden ist hoch. Hero beispielsweise verkauft stetig mehr preisgünstige «Tipo Napoli» von ihrer Fabrik in Frauenfeld, aber konstante Mengen Eierteigwaren. Denselben Trend stellt Pasta Röthlin AG fest, welche im Obwaldischen Kerns die «Kernser» produziert.


Sind italienische Napolipasta besser?

Wir verwenden den besten Hartweizen aus USA und Kanada (der ausserdem noch preiswert ist). Italienische Hersteller dagegen verwenden EU-Hartweizen und mischen bei Billigware auch mal Weichweizen dazu, vermutet man beim Gourmetpasta-Hersteller Novena. Die dünklere Farbe sei ein Indiz dafür. Und der Gehalt am knappen Spurenelement Selen ist im amerikanischen Hartweizen rund dreissig mal höher als im europäischen. Ausserdem «sind italienische Pasta bei höherer Temperatur getrocknet als hiesige», weiss Hans Fluri, Marketing-&Verkaufsleiter bei Pasta Röthlin AG.

Die Trocknung bei tiefer Temperatur ist schonender: Der Eigengeschmack bleibt besser erhalten. Ausserdem formen die italienischen Fabriken ihre industrielle Pasta mit einer Formpresse. Schweizer Hersteller wie «Pasta Röthlin AG» produzieren aber wie anno dazumal mit einer Walze, die den Teig zur gewünschten Dicke ausrollt. «Dadurch nehmen sie die Sauce besser an», betont Fluri. Unsere Strategie ist also die Qualität. Dafür punkten die südlichen Nachbarn mit innovativen Formen, Farben und Saucenkombinationen. Und vor allem mit einem beispiellosen Markenauftritt.

Übrigens:

Erfunden wurden die Teigwaren nicht in Italien sondern in China, glaubt man unseren Geschichtsbüchern. Marco Polo brachte das Rezept Ende des 13. Jh nach Italien. Aber Italienische Historiker behaupten, der Handel sei umgekehrt gelaufen. Wie dem auch sei, die Italiener machen Pasta nachweislich seit dem 13. Jahrhundert.