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Warum Zucker glücklich macht

von Foodaktuell Importer

Süssigkeiten haben die Fähigkeit, unser Wohlbefinden zu steigern.
Die Kombination von Kohlenhydraten und Fetten
stimuliert das Hormonsystem, welches für das seelische Wohlbefinden verantwortlich ist,
und wirkt damit leicht antidepressiv. Ausserdem verbessern kleinere Mengen an
Kohlenhydraten als Zwischenmahlzeiten das Reaktionsvermögen sowie die
Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit.

Mit Zuckerkonsum zum richtigen
Zeitpunkt werden körperliche Anstrengungen weniger unangenehm empfunden.

Auch der deutsche Lebensmittelchemiker Udo Pollmer beschrieb in seinem wissenschaftlich fundierten Buch «Prost Mahlzeit» einige pharmakologische Wirkungen der «Droge» Zucker:

Zucker liefert nicht nur leere Kalorien für den Körper, sondern beeinflußt
nachhaltig unsere Psyche. Zucker beruhigt. Säuglinge schreien weniger mit Zucker im Fläschchen. Sobald ihr Mund Süßes wahrnimmt,
verstummen sie. Mit Zucker schlafen viele Menschen besser
durch und ertragen leichter Schmerzen. Zucker hebt die Stimmung
und macht abhängig, weil er in den Stoffwechsel einer bestimmten
Substanz im Gehirn eingreift: des Serotonins.

Serotonin ist ein Bote im Gehirn, der uns Wohlbefinden vermittelt. Im übertragenen
Sinne meldet Serotonin die guten Nachrichten.
Wieviel Serotonin sich im Gehirn befindet, hängt unter anderem davon ab, was wir essen. Wenn wir Zucker naschen, so schüttet der Körper Insulin aus. Das lnsulin sorgt dafür, dass im Gehirn Serotonin entsteht. Depressive leiden an einem Mangel an Serotonin, und fast alle Psychopharmaka manipulieren den Serotoninstoffwechsel. Auch
im Labor funktioniert das: die Serotoninvorstufe Tryptophan, in Verbindung mit Zucker verabreicht, löst eine milde Euphorie aus.

Die Chemie der Lebenslust

Serotonin ist ein sogenannter Neurotransmitter. Neurotransmitter sind Boten, die im Gehirn Informationen von
Zelle zu Zelle übertragen. Eine ganze Reihe solcher chemischer Botenstoffe sind schon bekannt. Serotonin beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus, unser Sexualverhalten,
die Aggressionen, Impulsivität, Gedächtnis, Selbstmordneigung, Appetit, Angst und natürlich unser Lebensgefühl.

Serotonin wird nicht aus Zucker gebildet, sondern – so paradox es klingen mag – aus einem Eiweissbaustein, der Aminosäure Tryptophan. Doch bevor daraus Serotonin entstehen
kann, muss das Tryptophan erst einmal ins Gehirn gelangen,
und das ist gar nicht so einfach. Denn es benötigt an der
»Grenze«, der Blut-Hirn-Schranke, erst einmal eine Transporthilfe, ein »Taxi«, das es ins Gehirn befördert. Und dieses
»Taxi« transportiert nun nicht nur Tryptophan, sondern
auch noch andere Aminosäuren. Gewöhnlich ist Tryptophan ein selten gesehener Fahrgast, weil unser Nahrungseiweiss davon nur anderthalb Prozent enthält.

Das ändert sich, wenn wir Süsses naschen. Dann stellt unser Körper Insulin bereit, um den rasch ins Blut strömenden Zucker zu verarbeiten. Das Insulin entfernt nicht nur
den Zucker aus dem Blut, sondern versorgt auch die Muskeln mit Aminosäuren. Dadurch sinkt deren Gehalt im
Blut, und es drängeln sich nicht mehr so viele an der Blut-Hirn-Schranke ins Taxi. Eine Ausnahme bildet das Tryptophan. Es wird im Blut zurückgehalten, so dass seine
Konzentration gleich bleibt. Deshalb kann nun das Tryptophan mehr Sitzplätze im »Taxi« ergattern. In der Folge gelangt mehr Tryptophan ins Gehirn, und dadurch wird
mehr Serotonin gebildet.

Essen wir nun statt Kohlenhydraten viel Eiweiss, so tritt genau der gegenteilige Effekt ein. Dann erhöht sich die Masse
an Aminosäuren. Das seltene Tryptophan hat nur noch wenig Chancen, ins Gehirn zu gelangen.