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Tierfreundliche Schweine-Haltung

Tierhaltungs-Programme verbessern laut Bundesamt für Veterinärwesen BVET nachweislich das Wohlergehen der Tiere. Damit lassen sich sowohl erstklassige wie auch wirtschaftliche Produkte erzeugen. Diese erfüllen damit wichtige Anliegen breiter Bevölkerungskreise.

von Foodaktuell Importer

Das Wohlergehen von Mastschweinen ist besser in tierfreundlichen Haltungen mit regelmässigem Auslauf ins Freie. Die Tiere weisen weniger Problem-Merkmale auf und sie müssen seltener behandelt werden. Die Medikamenten-Reduktion verringert auch das Rückstands- und Resistenzübertragungs-Risiko. Dies hat kürzlich Jürg Danuser vom BVET an einer Tagung der Schweiz. Vereinigung für Tierproduktion berichtet.

Bei Krankheits-Erregern fand das BVET keinen signifikanten Unterschied zwischen Produktion mit und ohne Tierhaltungs-Programm. Dies bestätigt, dass man unter tierfreundlichen Bedingungen einwandfreies Schweinefleisch produzieren kann.

Vorteile tierfreundlicher Haltung

Mehrere Gründe sprechen für die tierfreundliche Haltung: Festliegende Schweine kamen in tierfreundlichen Haltungen um 0,4 Prozent weniger häufig vor als in konventionellen Haltungen. Seltener anzutreffen waren auch Schwanzbeissen (um 7 %), Hautwunden am Karpalgelenk (um 61 %) und Hautwunden am Tarsalgelenk (um 71 %), Hautveränderungen an der Rüsselscheibe (um 5 %). Es wurden zudem seltener Schweine im sogenannten Hundesitz angetroffen und es bestand ein Trend zu einem reduzierten Einsatz von Antibiotika.

Gutes Schweinefleisch lässt sich problemlos mit tierfreundlichen Haltungssystemen erzeugen. Der Konsument kann also davon ausgehen, dass ihm aus heimischer Produktion gesunde und qualitativ hoch stehende Schweizer Produkte angeboten werden. Damit sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fleisch-Vermarktung gegeben.

Die Auswirkungen der Tierhaltungsprogramme auf das Wohlergehen der Mastschweine wurden in einer zufälligen Auswahl von 37 konventionellen Mastbetrieben ohne Tierhaltungsprogramm und in 47 Betrieben mit BTS und RAUS untersucht. Die Betriebe wurden während zwei Mastdurchgängen jeweils zweimal besucht.

Untersucht wurden jeweils Indikatoren für das Verhalten allgemein (Tiere im Hundesitz, Veränderungen an der Rüsselscheibe), für das Aggressionsverhalten (Zustand des Schwanzes, Ohrbeissen, Kratzer auf der Körperoberfläche) und für den Liege- und Bodenkomfort (Verletzungen oder Verdickungen der Gelenke und des Kronsaumes, Sauberkeit der Tiere).

Weiter wurde bei der ganzen Mastgruppe das Vorkommen von sichtbaren Symptomen beobachtet. Zusätzliche Gesundheits-Informationen waren Angaben zur Behandlung von Mastgruppen (Medizinalfutter) und von Einzeltieren, Anzahl und Gründe für Tierabgänge sowie die Organbefunde bei der Schlachtung. Schliesslich wurden Kotproben für den Nachweis von Parasiteneiern im Labor entnommen.

Auch wirtschaftlich vorteilhaft

Ferner kommt das BVET zum Schluss, es sei wirtschaftlicher, Mastschweine in tierfreundlichen Systemen zu halten. Seit der Durchführung der Studie sanken zwar die Preise für Schweine und die Labelzuschläge. Die wirtschaftlichen Vorteile von Mehrflächensystemen bei Schweinen würden somit heute weniger deutlich ausfallen. Trotzdem sind tierfreundliche Haltungssysteme immer noch wirtschaftlicher.

Ob diese Produktionsformen weiterleben oder sich gar ausbreiten, entscheiden die Betriebsleiter wohl vor allem nach ökonomischen Gesichtspunkten. Und die Wirtschaftlichkeit wiederum wird durch die Politik und die Nachfrage nach entsprechend produzierten Produkten gleichermassen beeinflusst. Jede und jeder einzelne kann die Zukunft tierfreundlicher Haltungsformen fördern, sei es mit dem Stimmzettel oder mit Einkaufszettel.

Quelle Text: BVET