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Rinder-Schlachtung

von Foodaktuell Importer

Rinder werden meistens mittels Bolzenschuss betäubt. Richtig durchgeführt ist dies eine sichere und unmittelbar wirkende Methode. Allerdings muss man mit dem Schussapparat gezielt am Kopf des Tieres ansetzen können. Zu langes Fixieren und zu spätes oder schlechtes Stechen sind häufige Missstände.

Welches sind die Grundzüge der tierschutzgerechten Fixierung und Tötung von Rindern, und welche Fehler können auftreten? Die Tagung des «Schweizer Tierschutzes» Ende April lieferte Antworten.

Für den Bolzenschuss muss die Bewegungsfreiheit der Rinder eingeschränkt werden, was in Betäubungsfallen möglich ist, wenn die Tiere den Umgang mit dem Menschen kennen. Weil die sofortige Tötung durch den Bolzenschuss nicht sicher gewährleistet ist, ist jedes durch Bolzenschuss betäubte Tier unverzüglich zu entbluten. Die Tötung eines Tieres, das nicht zur Lebensmittelerzeugung verwendet werden soll, kann auch durch Zerstören des Rückenmarks erfolgen.

Durch die Fixierung vor der Betäubung soll erreicht werden, dass ein gezielter Ansatz des Bolzenschussgerätes möglich ist. Bei unfixierten und durch den Zutrieb erregten Tieren kommen Fehlbetäubungen vor – je nach Geschick der Betäuber mehr oder weniger häufig. Nachteile einer Fixierung ergeben sich, wenn die Tiere durch die Fixierungseinrichtung übermässig belastet werden.

Folgende Anforderungen bestehen an eine Fixierung zur Betäubung:

ruhiger Eintrieb
möglichst kurze Fixierung (Minimierung von Belastungen)
optimaler Ansatz der Betäubungsgeräte möglich
Nachbetäubung muss möglich sein
kein Verletzungsrisiko
schnelles Stechen und Auswerfen muss möglich sein
angepasst an Tiergrösse und „-form“
Anforderungen betreffend Kosten und Vermeiden von Schäden

Nach dem Schuss können die Tiere wieder aufwachen! Daher muss man möglichst schnell, d.h. in der ‘starren Phase’ stechen, damit der sichere Tod eintritt. Sonst können Gliedmassenbewegungen das richtige Stechen erschweren und die Arbeitssicherheit beeinträchtigen. Beide Halsschlagadern oder die entsprechenden Hauptblutgefässe müssen beim Rind spätestens nach 60 Sekunden so eröffnet werden, dass sofort ein starker Blutverlust eintritt. Bei Zweifeln an der Wirkung muss schnell nachgestochen werden!

Das Verbot des Rückenmarkszerstörens (durch BSE-Risiken) führte neben einer verminderten Arbeitssicherheit auch zu einer verminderten Sicherheit der Bolzenschussbetäubung. Fehler wie ein nicht ganz korrekter Ansatz oder zu spätes Stechen haben Fehlbetäubungen zur Folge.

Die alternativ angewendete Elektroimmobilisierung darf nur am sicher betäubten Tier angewendet werden, da sie Fehlbetäubungen kaschieren kann und die Durchströmung selbst schmerzhaft ist. Sie darf in keinem Fall das Stechen unnötig hinauszögern. Da das schnelle Stechen die Arbeitssicherheit steigert, sollte die liegende Entblutung nach dem Bolzenschuss wieder Erwägung finden. Weitere Schlachtarbeiten wie das Absetzten der Füsse dürfen erst nach Ende der Ausblutung erfolgen, d.h. frühestens nach 3 Minuten.

Fehlerquellen

Fehlschüsse entstehen durch plötzliche Kopfbewegungen bei ungenügend fixierten Tieren, wenn der Schussapparat nicht fest aufgesetzt wird oder durch Probleme beim Eindringen in den Schädel (unscharfe Bolzen, behaarte Köpfe, falsche Stärke der Ladungen). Häufig werden die Geräte nicht nach jedem Benutzungstag gereinigt und nicht richtig gewartet, oder Verschleissteile werden nicht ausgewechselt.

Verschlissene Gummipufferringe führen z.B. dazu, dass der Schussapparat mit dem Tier zu Boden geht und der Apparat nachhaltig beschädigt wird. Fehlende Kenntnisse und Fähigkeiten des Personals äussern sich auch, wenn an der falschen Stelle oder verkantet angesetzt wird oder wenn Ladungen feucht gelagert werden und so ihre Wirkung verlieren.

Fazit

Bei sorgfältiger Durchführung ist die Bolzenschussbetäubung beim Rind eine sichere und unmittelbar wirkende Betäubungsmethode, bei der den Tieren keine Schmerzen oder Leiden entstehen.

Seit dem Verbot der Rückenmarkszerstörung muss jedoch verstärkt Wert auf die korrekte Durchführung gelegt werden.

Fehler entstehen bei Aufregung im Zutrieb, mangelhafter Ruhigstellung, unzureichender Reinigung und Wartung der Geräte und spätem oder schlechtem Stechen.

Die Sachkunde des Personals, der Tierschutzverantwortlichen im Betrieb sowie der überwachenden Behörden sind dabei von besonderer Bedeutung.

Weiterer Forschungsbedarf besteht z.B. bei Spezialfällen (Wasserbüffeln) oder hinsichtlich der Wirkung unterschiedlich langer Bolzen.

Auszüge aus dem Vortrag von Dr. Karen von Holleben, Beratungs- und Schulungsinstitut für schonenden Umgang mit Zucht- und Schlachttieren «bsi» Schwarzenbek, anlässlich der Tagung „Betäuben und Töten von Nutztieren“ des Schweizer Tierschutz STS vom 28. April 2005.

Bild: Tierschutz Oesterreich