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Export-Chancen und -Risiken (1)

von Foodaktuell Importer


Teil 1: Swissness ist wichtig


Der abgeschottete Binnenmarkt schützt Land- und Fleischwirtschaft vor Importen im grossen Stil einerseits, und andererseits verhindert er die Erschliessung der erfolgversprechenden Export-Märkte. Grenzen kann man nicht von heute auf morgen öffnen, hat Hans Reutegger, Geschäftsleiter der Berner Grossmetzgerei Meinen kürzlich an der Medienkonferenz des Metzgermeister-Verbandes betont: Ein grosser Teil der Land- und der Fleischwirtschaft würde dies nicht verkraften.

Aber sich auf die Öffnung vorzubereiten, so Reutegger weiter, ist aus meiner Sicht ein Muss für alle Beteiligten. Damit meine ich Landwirte, Metzger, Behörden und letztendlich das ganze Volk. Ich gehe davon aus, dass bei einer möglichen Öffnung der Grenzen das Risiko besteht, dass 30 % der Fleisch- und Wurstwaren als Spezialitäten oder Billigprodukte eingeführt werden.

Trifft das ein, so müssen wir heute dafür sorgen, dass wir die Schweizer Produkte im europäischen Markt etablieren. Ein solcher Marktaufbau dauert mindestens fünf Jahre. Somit sollten wir alles daran setzen, auch unter schwierigen Umständen das Thema zusammen mit der Landwirtschaft und den Behörden anzugehen.

Was es bedeutet unvorbereitet eine Marktöffnung durchzustehen, das wissen unsere Kollegen in Österreich, die das vor zehn Jahren erlebten. Die österreichischen Agrar- und Fleischfachleute raten den Schweizer Kollegen, sich viel schneller auf den Europäischen Märkten zu etablieren, um die Probleme bei einer möglichen Öffnung zu reduzieren.


Finstere Persepktive

Meinen hat in den letzten eineinhalb Jahren eine beträchtliche Summe in den Export investiert. Leider ist es, bedingt durch das geltende Landwirtschaftsgesetz, nicht möglich den Rohmaterialausgleich aus den laufenden Fleischimporten zu finanzieren. Somit müssen wir zusammen mit Behörden und Landwirtschaft, andere Wege finden.

Gelingt das nicht, dann sind mittelfristig von den 25’000 Arbeitsplätzen in der Fleischwirtschaft bis zu 5’000 Arbeitsplätze gefährdet. Nochmals so viele dürften in der Landwirtschaft und in den Zulieferbereichen verloren gehen. Das kann nicht im Interesse unseres Landes sein, insbesondere, wenn wir vor Augen führen, dass Fleisch wertmässig den grössten Anteil am landwirtschaftlichen Ertrag ausmacht.


«Swiss made» Charcuterie hat Export-Potenzial

Marktabklärungen belegen, dass Schweizer Wurst- und Charcuterieprodukte eine gute Chance bei den Europäischen Konsumenten besitzen. Die Wegbereiter für das Image von guten Schweizer Lebensmitteln waren Schokolade und Käse. Es gibt gute Gründe, dass auch Wurstwaren erfolgreich vermarktet werden, die wichtigsten sind: Die spezielle Qualität von Schweizer Schinken- und Wurstspezialitäten, die den Ursprung in der Tradition und den daraus hervorgegangenen Rezepturen haben. Beispiele: Kalbsbratwurst, Servela und Käsewürste – letztere wie sie Meinen unter dem Namen «Berner Würstchen» herstellt.

Die Landwirtschaft produziert in einem Bilderbuch-Umfeld, saftige Alpwiesen, frisches Wasser, überschaubare Familien-Betriebe verbunden mit Tradition und Brauchtum geben den Schweizer Produkten ein besonderes Image. Der hohe touristische Bekanntheitsgrad des Landes ist ein Garant für den Absatz von Schweizer Schinken- und Wurstspezialitäten. Dies bestätigt auch die repräsentative Umfrage, welche anlässlich der Grünen Woche in Berlin durchgeführt wurde.

Referat von Hans Reutegger, Geschäftsleiter der Grossmetzgerei Meinen AG in Bern an der VSM-SFF Medienkonferenz vom 1. Juni 2005. Teil 1.

Weiterlesen: Teil 2 des Referates