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Interview: Michael Schai über HiCoPain

Neue Fabriken sind selten. HiCoPain, das Hiestand-Coop-Joint Venture, ist eine Ausnahme. Hiestand-Marketingleiter Michael Schai beantwortet «foodaktuell.ch» einige Fragen.

von Foodaktuell Importer

Heutzutage werden selten Fabriken auf der grünen Wiese neu gebaut. HiCoPain AG ist eine Ausnahme: Das Joint Venture-Unternehmen von HIESTAND und COOP hat kürzlich in Dagmersellen LU die modernste Bäckerei Europas in Betrieb genommen.

HiCoPain verbraucht dreissig bis fünfzig Tonnen Mehl pro Tag und beliefert die COOP-eigenen Bäckereien und Laden-Backstationen mit Tiefkühl-Teiglingen und –Halbbackwaren (85% vorgebacken). Auf fünf Produktionslinien werden im Dreischichtbetrieb Gipfel, Zöpfe, Baguettes, Klein- und Spezialbrote hergestellt, die vorher vom Hiestand-Werk in Lupfig oder Coopbäckereien geliefert wurden.

Das Knowhow stammt sowohl von Hiestand wie auch von Coop. Die Rezepte sind modern: Viele Backwaren werden mit Flüssigvorteigen und langer Teigruhe hergestellt. Einige Fragen dazu an Hiestand-Marketingleiter Michael Schai (Bild).


foodaktuell: Welche Herstellprozesse sind stärker automatisiert als üblich und wie wirkt sich dies auf Produktqualität und Herstellkosten aus?

Michael Schai: Bei allen Produktionslinien handelt es sich um Onlineproduktion, d.h. es gibt im ganzen Prozess keine Unterbrüche. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Effizienz der Anlagen. Automatisiert wurde auch das Brot-Einschneiden – mit einem Roboter. Dieser arbeitet gut wie man ihn richtig einstellt. Bis die Linie eingefahren ist und stabil läuft, ist der Mensch sicherlich noch “flexibler”, aber nachher kann das Schneiden sehr gut vom Robotor ausgeführt werden.


foodaktuell: Gibt es weitere technologische Modernisierungen?


Michael Schai: Die Anlagetechnik ist auf dem neuesten Stand. Ein Beispiel: Ein Vakuumkneter wirkt sich auf die Produktionsprozesse optimal aus und verbessert die Produktqualität. Grundsätzlich wurden dank den kontrollierten Prozessen alle Produkte besser und gleichmässiger. Ein Grossteil der Produkte sind Ablösungen von bestehenden Coop-Produkten, d.h. Nachbau mit Rezepturverbesserungen.


foodaktuell: Welche Arbeiten werden noch manuell durchgeführt?


Michael Schai: Zöpfeflechten, zum Teil Verpacken und Teigherstellen. Gerade bei der Teigherstellung ist noch immer das fachspezifische Wissen eines Profi-Bäckers gefragt. Zudem laufen die Anlagen natürlich nur so gut, wie die Leute sie bedienen und einsetzen. Und da kommt uns die über 30 jährige Erfahrung natürlich zu gute.


foodaktuell: Was meinen die ZopfflechterInnen zu Ihrer monotonen Arbeit?


Michael Schai: Sie erfordert Fingerspitzengefühl und Routine, aber sonst ist sie recht einfach, und körperlich strengt sie nicht an. Sicherlich ist eine Eingewöhnungsphase notwendig bis zum nötigen Tempo. Ausserdem sind es ergonomische Arbeitsplätze und sie liegen direkt am Fenster.


foodaktuell: Bei Hicopain arbeiten wesentlich mehr Techniker als Bäcker verglichen mit andern Grossbäckereien. In welchen Funktion arbeiten noch Bäcker?


Michael Schai: Produktionsmitarbeiter, Teiger, Anlageleiter, Schichtleiter, Produktionsleiter, Betriebsleiter je nach Fähigkeiten. Es braucht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen erfahrenen Bäckern und technisch versierten Mitarbeitern.


Facts zu HiCoPain AG

HiCoPain AG ist ein Joint Venture von HIESTAND und COOP, die eine strategische Partnerschaft bis 2015 eingingen.
Die Partner sind zu 60% (Hiestand) bzw. zu 40% (Coop) am Unternehmen beteiligt.
Die gesamten Investitionen betrugen CHF 50 Mio.
Der voraussichtliche Jahresumsatz liegt bei rund CHF 40 Mio.
HiCoPain hat rund 140 Mitarbeitende. Es wurden 124 neue Stellen geschaffen.
Jährlich werden rund 21000 Tonnen Backwaren hergestellt.
Vier Linien sind kontinuierliche Anlagen mit Durchlauföfen, und eine klimatisch abgetrennte Anlage ist für Teiglinge ausgerüstet.
Zehn Mehlsorten sind im Einsatz, davon 20% Bio und 20% IP-SUISSE.