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«Guter» Schimmel verdrängt «bösen» Schimmel

Ungiftiger Schimmelpilz bewährt sich als Pflanzenschutzmittel: Fünfzigfach geringere Aflatoxinbelastung.

von Foodaktuell Importer

Eine geniale Idee des US-Forschers Peter J. Cotty scheint sich zu bewähren: US-Wissenschaftler “impfen” Felder mit einer Aspergillus-Schimmel-Variante, die kein Aflatoxin produziert, und hofften, dass der “gute” Schimmel den “bösen” verdrängt. “Es gibt neben den gefährlichen Aspergillus flavus-Stämmen auch solche, die gar kein Gift produzieren können”, erläutert der Bonner Pflanzenpathologe Dr. Sebastian Kiewnick. «Cotty hat einen solchen ungiftigen Aspergillus-Stamm auf Getreidekörnern vermehrt und die pilzdurchwucherten Körner auf Baumwollfeldern verteilt».

Der ungefährliche Stamm war dadurch erheblich in der Überzahl und konnte so die toxische Variante fast vollständig verdrängen. Der Erfolg war durchschlagend. Die Aflatoxin-Belastung der Baumwolle ging von durchschnittlich 1.000 ppb (parts per billion) auf unter 20 ppb zurück und lag damit unter dem US-Grenzwert für Futtermittel – wichtig, weil Baumwollsamen in der Tierernährung eingesetzt werden.

Nun geht das mit 1,2 Millionen Euro geförderte Projekt an die ersten Feldversuche. Sollten diese erfolgreich verlaufen, wollen die Forscher in einem Folgeprojekt eine schnelle und einfache Methode zu entwickeln, den ungiftigen Schimmelpilz für den Masseneinsatz zu vermehren.

Stark krebserzeugend

Bis heute gilt Aflatoxin als einer der stärksten krebsauslösenden Naturstoffe. Anfang der 1960er Jahre starben in England mehr als 100.000 Truthähne an Leberkrebs. Als Auslöser der mysteriösen “Turkey-X”-Krankheit identifizierten die Forscher verschimmeltes Erdnussmehl aus Brasilien, das grosse Mengen Aflatoxin enthielt.

Gebildet wird das geschmacklose Toxin vom Schimmelpilz Aspergillus flavus. “Unsere Kollegen vom IITA [Agrarinstitut in Nigeria] konnten kürzlich bei 99 von 100 Kindern aus Benin und Togo Aflatoxin im Blut nachweisen”, erklärt Professor Richard Sikora vom Bonner Institut für Pflanzenkrankheiten. “Folge sind drastische Wachstums- und andere Entwicklungsstörungen.” (Medienmitteilung aid)