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Trends an der Anuga 2005

Internationale Food-Messe «Anuga»: 8.-12. 10. 2005 in Köln. Für die Schweizer Food- & Beverage-Branche ein Muss.

von Foodaktuell Importer

Die Food-Branche in Europa sieht in der Anuga den bedeutendsten, internationalen Messemarktplatz für Lebensmittelhandel, Gastronomie und Industrie. Hier werden Produktneuheiten dem Fachpublikum vorgestellt, neue Trends aufgespürt und erfolgreiche Geschäfte für das In- und Ausland abgeschlossen.

Alle zwei Jahre stellt die Anuga ihre Leitfunktion als universale Spezialmesse mit über 6.000 Anbietern und über 160.000 Fachbesuchern aus rund 160 Ländern unter Beweis. Von der Anuga 2005 erwartet die deutsche Lebensmittelindustrie vor allem entscheidende Impulse für das immer wichtiger werdende Auslandsgeschäft.

Die anhaltende generelle, nicht auf Lebensmittel begrenzte Konsumzurückhaltung der deutschen Verbraucher wird auch 2005 wieder die Auslandsmärkte in den Fokus rücken. Gute Absatzchancen bestehen neben den Märkten in den Ländern der EU – die traditionell Hauptabnehmer deutscher Produkte sind – in Mittel- und Osteuropa und in Nord- und Südamerika. Daneben stellt auch der Wirtschaftsraum Südostasien einen attraktiven Zielmarkt für deutsche Exporte dar.

Trends im deutschen Lebensmittelmarkt

Lebensmittelhersteller aus der Schweiz, die ihre Produkte in Deutschland anbieten wollen, müssen sich wie ihre deutschen Partner auf einen wettbewerbsintensiven Markt mit einem niedrigen Preisniveau einstellen. Der mengenmässige Verbrauch von Lebensmitteln sinkt, denn die Bevölkerungszahl in Deutschland fällt bis zum Jahr 2020 voraussichtlich von heute 82 Mio. auf ca. 80 Millionen.

Schon jetzt geht der Anteil der Verbraucherausgaben für Lebensmittel an den gesamten Konsumausgaben seit Jahren kontinuierlich zurück. Er liegt nach Eurostat-Angaben nur noch bei 12% und wird damit im EU-Vergleich nur noch von den Niederlanden, Irland und Grossbritannien unterschritten.

Änderungen der Lebens- und Konsumgewohnheiten der Verbraucher wirken sich markant auf die Struktur der Lebensmittelnachfrage aus. Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte und die Frauenerwerbstätigkeit nehmen zu, gleichzeitig sinkt die Kinderzahl pro Familie. Familiäre Mahlzeitenrituale lösen sich auf. Viele Konsumenten können oder wollen nicht mehr ausgiebig kochen. Entsprechend fragen sie Lebensmittel nach, die schnell und einfach zuzubereiten sind.

Convenience

Die Bedeutung von „Convenience“-Produkten lässt sich exemplarisch an der seit Jahrzehnten wachsenden Beliebtheit von Tiefkühlkost ablesen: In den letzten 30 Jahren stieg der Pro-Kopf-Verbrauch tiefgekühlter Lebensmittel (ohne Geflügel und Speiseeis) um 22,7 kg auf 34,6 kg (2003) mit weiter steigender Tendenz.

Auch das Segment der Frische-Convenience (z.B. Chilled Food) erfreut sich bei den Verbrauchern zunehmender Beliebtheit. Hier sind wichtige Kaufmotive die unkomplizierte Zubereitung und die hochwertige Qualität der Produkte. In vielen deutschen Haushalten finden sich zwar die modernsten und teuersten Küchengeräte in den Küchen, jedoch deckt sich der technische Standard nicht mit den Küchenfähigkeiten der meisten Verbraucher.

Der Convenience-Trend ist auch Auslöser einer Verschiebung der Marktanteile weg vom klassischen Lebensmitteleinzelhandel hin zur Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Im Ausser-Haus-Markt wurden 2003 rd. 41 Mrd. Euro ausgegeben. 6, 8 Mrd. Besuche verzeichneten Gastronomie und Arbeitsplatzverpflegung insgesamt im Jahr 2003.

Snacking

Ferner gibt es im Alltag, in der Freizeit oder auf Reisen einen deutlichen Trend zu häufigeren kleinen Zwischenmahlzeiten. Lebensmittel sollen überall schnell und einfach verfügbar sein und zur jeweiligen Tagesgestaltung passen. Entsprechend wächst der Anteil der Ausgaben für Essen „ausser Haus“ weiter. Grosser Beliebtheit erfreuen sich ausländische gastronomische Angebote, etwa die türkischen Döner-Imbissstände oder Take-away-Angebote asiatischer Restaurants.

Viele Verbraucher legen beim Einkauf grossen Wert auf Genuss und gesunde Lebensmittel. Premiumprodukte, regionale Spezialitäten und auch ausländische Lebensmittelspitzenprodukte haben in diesem Marktsegment gute Chancen. Die Inszenierung des Kochens und Essens mit Freunden ist für viele Verbraucher Teil ihrer Freizeitgestaltung und ihres Lifestyles geworden. Marktforscher sehen bei 25% der Verbraucher Potenzial für die Aufnahme von Premiumprodukten.

Gesundheit, Fitness, Wellness

Auch die Aspekte Gesundheit, Fitness und Wellness werden von den Verbrauchern bei der Kaufentscheidung von Lebensmitteln zunehmend mit berücksichtigt. Kalorienreduzierte oder funktionelle Lebensmittel, d.h. Nahrungsmittel mit Zusatznutzen für Gesundheit, Wohlbefinden und/ oder zur Reduzierung eines Krankheitsrisikos, erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit.

Der Gesamtumsatz mit funktionellen Lebensmitteln wird in Deutschland auf eine Milliarde Euro geschätzt und zeigt eine rasante Aufwärtsbewegung. Wie in anderen Ländern ist auch in Deutschland die politische Diskussion um das zunehmende Übergewicht vor allem bei Kindern in vollem Gang. Obwohl das Problem nichts mit dem einzelnen Lebensmittel zu tun hat, sondern im gesamten Lebensstil begründet ist, wird verbreitet nach „angepassten“ Lebensmitteln und nach kleineren Portionsgrössen gerufen; auch hier liegen Chancen für die Lebensmittelindustrie.

Preisniveau

Charakteristisch für den deutschen Markt ist aber vor allem das niedrige Preisniveau für Lebensmittel. Dies geht auf eine hohe Konzentration im Lebensmittelhandel – 86% des Gesamtumsatzes der Branche werden von 10 Unternehmen erzielt – und einen intensiven Preiswettbewerb im Lebensmittelhandel zurück. In Deutschland werden rd. 40% des Umsatzes mit Lebensmitteln im Discount erzielt. Zufriedenstellende Geschäftsergebnisse lassen sich daher vielfach nur mit gut eingeführten Markenprodukten, Innovationen oder Spezialitäten erzielen.

Aussenhandel zwischen Schweiz und Deutschland

2004 wurden Lebensmittel aus der Schweiz im Wert von 649,0 Mio. Euro in die Bundesrepublik exportiert. Die wichtigsten Warengruppen waren Molkereiprodukte (108,4 Mio. Euro) – darunter Käse im Wert von 78,3 Mio. Euro – Backwaren (90,9 Mio. Euro) und Kakao und Kakaoerzeugnisse (81,9 Mio. Euro). Lebensmittel aus der Schweiz geniessen bei deutschen Verbrauchern ein hervorragendes Image und stehen für hohen Genuss und Lebensart.

Die Importe in die Schweiz aus Deutschland beliefen sich auf 578,9 Mio. Euro. Besonders Backwaren (70,3 Mio. Euro), alkoholische Getränke (47,9 Mio. Euro) und Fleisch und Fleischwaren (44,5 Mio. Euro) fanden ihren Weg in schweizer Regale.

Auf der Anuga 2005 wird die internationale Lebensmittelwirtschaft Gelegenheit haben, über wirtschaftspolitische Entwicklungen und aktuelle Marktthemen miteinander ins Gespräch zu kommen. Eine Vielzahl von Fachveranstaltungen wird dazu Gelegenheit geben. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie BVE (das deutsche Pendant zur Schweizer FIAL) bietet an ihrem Stand mehrmals täglich Interviewrunden, in denen „Unternehmer im Gespräch“ über ihre Einschätzung der Lebensmittelmärkte berichten.

Aber vor allem wird es für die Schweizer Aussteller und Besucher interessant sein, das internationale Angebot von Lebensmitteln und die neuen Trends auf dem Lebensmittelmarkt kennen zu lernen. Dabei werden sie sowohl leistungsfähige Lieferanten für den heimischen Markt als auch interessante Abnehmer ihrer Produkte auf der ganzen Welt finden. (Quelle: BVE)


Informationen:

Anuga: www.anuga.com

OSEC: 8035 Zürich, www.osec.ch

Kölnmesse: Handelskammer Deutschland – Schweiz, Zürich,
www.koelnmesse.ch