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Vorbildliches Agrar-Foodmarketing im Wallis

Das Wallis war am internationalen Agrarjournalisten-Kongress Vorzeige-Region für Agrarprodukte-Marketing unter erschwerten Produktionsbedingungen.

von Foodaktuell Importer

Wie das Wallis sich den Anforderungen des Marktes stellt, davon konnten sich Agrarjournalisten auf einer Fachexkursion im Rahmen des 49. Kongresses des Verbandes Internationaler Agrarjournalisten (IFAJ) überzeugen. Keine Massenprodukte, sondern Spezialitäten haben dort ihren Ursprung.


Die Walliser Landwirte produzieren unter schwierigen natürlichen Bedingungen. Die Gesamtfläche des Wallis beträgt 522.456 ha, davon sind 106.028 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Davon wiederum 66.719 ha Alpen und Weiden. Kein Wunder also, dass sich die Landwirte auf Spezialitäten besinnen, um ihr Überleben zu sichern.


Raclettekäse von Kampfkühen


Zu allererst Raclettekäse, der – geht es nach dem Willen der Walliser Bauern – nur im Wallis hergestellt und Raclette genannt werden darf. Die Milch stammt zum Beispiel von Eringer Kühen, die weder milch- noch fleischbetont sind aber hervorragend an die Bedingungen der Hochalpen angepasst.


Darüber hinaus zeichnet sich die genügsame und robuste Rasse durch eine ausgeprägte “Kampfbereitschaft” aus. Dieses “Rassemerkmal” wird sogar züchterisch bearbeitet. So finden im Frühjahr im Wallis traditionell Kuhkämpfe statt, bei denen in mehreren Klassen die “Königin der Eringer Kühe” ermittelt wird.


Durchschnittlich drei bis vier Kühe werden von den überwiegend im Nebenerwerb wirtschaftenden Landwirten gehalten und im Sommer auf die Alpen getrieben. Mit 40 Eringer-Kühen ist der Vorsitzende des Zuchtverbandes Jacques Pranlong einer der Grossen in diesem Geschäft. Er setzt auf die Direktvermarktung von Milch und Käse, verdient daneben aber noch sein Geld als Viehhändler.


Obst und Wein


Neben Milch und Käse gehören zum Wallis Obst und Wein. Mit 5.000 ha wächst hier ein Drittel aller Reben der Schweiz. Die gesamte Rebfläche ist auf 22.636 Eigentümer verteilt. Neben den vier Hauptsorten, Chasselas Fendant, Johannisberg, Gamay und Pinot, gibt es weitere 40 Rebsorten, die hier angebaut werden. Spezialitäten im Obstbau sind vor allem Aprikosen und Williams Birnen, daneben noch Äpfel wie die neue Sorte Mairac.


Einige Produkte haben inzwischen die Qualitätszeichen AOC und/oder IGP erhalten, damit sind ihre Herkunft und die Verarbeitungsverfahren geschützt. Dazu gehören Abricotine (Fruchtbrand aus Walliser Aprikosen der Sorte Luizet), ferner ein Fruchtbrand aus Walliser Williams-Birnen, Safran aus Mund, Walliser Roggenbrot sowie Walliser Trockenfleisch.


Warum AOC?


Das Qualitätszeichen AOC garantiert, dass ein Produkt vom Rohstoff bis zur Fertigstellung aus der Region stammt und auch nur dort nach bestimmten traditionellen Verfahren hergestellt wird. Dabei bestimmen die natürlichen Gegebenheiten und die Erfahrung und das Wissen der Landwirte die Qualität. Das Zeichen IGP garantiert, dass ein Produkt aus einer bestimmten geographischen Region stammt, wobei die Verarbeitung nicht notwendigerweise in der Region erfolgen muss. Die Anerkennung als AOC oder IGP-Produkte ist von grösster Bedeutung für die Landwirtschaft im Kanton Wallis, um sich mit hochpreisigen Spezialitäten auf dem (Welt-)Markt behaupten zu können. (Quelle: aid)