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Miss Schweiz gegen Bratwürste

Die neue Miss Schweiz Lauriane Gilliéron ist nicht nur schön und charmant sondern auch überzeugte Vegetarierin. Mit einem öffentlichen Statement gegen Bratwürste hat sie die Fleischbranche geärgert. Der Sturm im Wasserglas wird sich legen, wenn sich die Metzger besonnener verhalten als die junge Schönheit. Kommentar.

von Foodaktuell Importer

Kaum einige Tage im Amt sorgt die charmante neue Miss Schweiz Lauriane Gilliéron aus dem Waadtland für Wirbel mit einer wohl nicht destruktiv gemeinten aber doch ein wenig unbesonnenen Äusserung: «Ich werde nie eine Bratwurst essen».

Als überzeugte Vegetarierin verlangt dies zwar niemand von ihr. Aber es hätte ja gereicht, wenn sie sachlich gesagt hätte: «Ich esse kein Fleisch, weil ich Sorge zu den Tieren trage». Doch das emotionale Wort «nie» hat einen provokativen Unterton. Und warum spricht sie von Bratwürsten, dem Aushängeschild der Ostschweizer Metzger? Sie hätte ebenso gut Saucisson Vaudois sagen können.

Rösti- mit Bratwurst-Graben

Man möge ihr den Kommunikations-Lapsus verzeihen angesichts ihrer Unerfahrenheit und des jugendlichen Alters. Immerhin versprach sie, den Röstigraben zuzuschütten, also wird sie wohl nicht mit Absicht einen Wurstgraben öffnen.

Aber ein Graben zwischen ihr als prominenter Vegetarierin und der Fleischbranche war unvermeidlich. Die ohnehin von Publikumsmedien gebeutelten Metzger blicken neidisch auf die Gratis-PR des amtierenden Mister Schweiz als Biobergbauer für bio, Berggebiet und Bauern-Stand. Positive Botschaften kommen immer besser an. Aber solange die Jus-Studentin Lauriane Gilliéron nicht behauptet, ihre Schönheit sei durch den Fleischverzicht bedingt, sollten sich die Metzger und Wurster des Landes nicht unnötig provoziert fühlen.

Zum Einen ist es keine neue Erkenntniss, dass sich heute viele junge Frauen und Mädchen vegetarisch ernähren. Zum andern verlieren die Metzgereien dadurch kaum Umsatz, wenn sie geschickt reagieren und z.B Bio-Fleisch und Vegi-Produkte ins Sortiment aufnehmen. Viele «Teilzeit-Vegetarier» akzeptieren eher Fleisch von glücklichen Tieren, zu denen natürlich auch Wild gehört, als von gemästeten und eingepferchten.

Die Vegi-Herausforderung kreativ nutzen

Für emotionale Argumente zeigt ein guter Verkäufer Verständnis, denn der Kunde hat ja immer recht. Und wenn der Kunde ein Vegi-Schnitzel wünscht, sollte er dieses auch in einer Metzgerei finden. Sogar Bell Convenience sowie der Pouletspezialist Fredag produzieren solche. Auch die Gastronomen stellen sich auf den Vegi-Trend ein und offerieren heute oft kreative und schmackhafte Vegi-Tagesteller.

Statt der 21-jährigen Studentin zu drohen, könnten ihr die Bratwurst-Hersteller einen Gutschein für eine Biometzgerei schicken mit dem Hinweis, dass es durchaus glückliche Tiere gibt und sie dort auch Gemüsemedaillons kaufen könne. Vielleicht lobt sie dann öffentlich die Flexibilität der Fleischbranche und stiftet damit mehr Goodwill als ein bezahlter TV-Spot. So oder so besteht immer noch die Möglichkeit, dass zur ausgleichenden Gerechtigkeit eines Tages eine Olympiasiegerin ihre Spitzenleistung mit fleischlicher Ernährung begründet.

Die Vorgeschichte:
Metzger fühlen sich provoziert
Bild: aus der Website Missschweiz.ch