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Problembewusstsein und Reformwille

Nicht nur im Inland sondern auch auf europäischer Ebene und in der Welthandelsorganisation laufen Projekte, welche die Rahmenbedingungen in der Schweiz nachhaltig verändern. Die Fleisch-Fachtagung 2005 war daher geprägt von vielen unterschiedlichen Einschätzungen der Entwicklungsperspektiven. Wo steht die Fleischbranche und in welche Richtung soll sie sich entwickeln?

von Foodaktuell Importer

Rolf Büttiker, Präsident der Schweizer Fleisch-Fachverbände SFF, fasste die 12. Schweizerische Fleisch-Fachtagung zusammen und stellte politische Forderungen.

Die Fleischbranche operiert in einem gesättigten Markt. Den Fleischanteil „im Magen der Konsumenten“ zu vergrössern, wird daher schwierig sein. Mehr Mengen absetzen zu können, ist eher unwahrscheinlich. Erfolg versprechender erscheint, die Wertschöpfung zu erhöhen, indem man auf neue Bedürfnisse der Verbraucher eingeht.



Bild: Beispiele für Wertschöpfungsprodukte: Schinkenrolle der Zürcher Metzgerei Hornecker (gefüllt, verzehrsfertig, vorverpackt) und Highland-Bauerschüblig der Turbenthaler «Highland Beef AG» (fettarm, rare Rinderrasse, wildähnlicher Geschmack)


Steigende Mengen und höherer Preisdruck

Die wahrscheinliche Entwicklung bei der Primärproduktion von Fleisch besteht in stabilen, eher leicht steigenden Mengen. Dies ist tröstlich: Gibt es Schlachtvieh, braucht es Metzger. Aber: Verarbeiten kann man auch im Ausland. Die meisten Referenten betonten zudem, dass sich die Grenzen öffnen werden, die Importe steigen und für Produktion, Schlachtung, Verarbeitung und Detailhandel ein wachsender Preisdruck zu erwarten ist.

Die Empfehlungen, die sich aus diesen Einschätzungen ergeben, sind einfacher gesagt als getan. Auf zwei Punkte reduziert sollte man erstens Kosten senken und zweitens neue Märkte erschliessen. Das ist tatsächlich ein ehrgeiziges Programm. Vor allem auch deshalb, weil die Rahmenbedingungen weder kostenfreundlich sind noch es erleichtern, jenseits der Grenzen tätig zu sein. Die Übernahme des EU-Hygienerechtes ist zwar eine wichtige, aber keine hinreichende Voraussetzung dafür, in neue Märkte vorzustossen.

Als Fazit der Tagung stellte Büttiker Forderungen aus Sicht der Fleischwirtschaft:

Als Anhang zur Agrarpolitik 2011 wurde eine Revision des Lebensmittelgesetzes vorgeschlagen. Zwar wies BVET-Direktor Wyss auf den unveränderten Gebührenrahmen für die Schlachttier- und Fleischkontrolle hin. Die Revision des Lebensmittelgesetzes will aber mit neuen Kategorien von Gebühren jene Kosten der EU-Harmonisierung, die den Behörden anfallen, einfach auf die Unternehmen der Fleischwirtschaft überwälzen. Dieser Kostentreiberei durch den Staat wurde der Kampf angesagt.

Mit Ausnahme der Revision des Lebensmittelgesetzes wurde grundsätzlich die „Agrarpolitik 2011“ unterstützt. Sie geht in die richtige Richtung. Die Fleischwirtschaft akzeptiert die Reduktion der für die Vieh- und Fleischwirtschaft eingesetzten Bundesmittel. Die bäuerlichen Schlachtviehproduzenten leiden aber an einer viel zu langsamen und viel zu bescheidenen Reduktion der Futtermittelkosten.

Gefordert wird, dass die Reduktion der Grenzbelastung für Futtermittel doppelt so hoch ist wie geplant und mindestens in einem ersten Schritt bereits 2007 erfolgt. Wird diese Forderung erfüllt, sind die Kosten der schweizerischen Bauern für Futtermittel immer noch doppelt so hoch wie in Deutschland.

Die Fleischwirtschaft fordert schon lange, dass ernsthaft geprüft wird, wie man vom System der Zollkontingente und ihrer Versteigerung wegkommt. Beharrt wird auf der Forderung, dass die Versteigerung der Importzollkontingente nur eine Übergangslösung ist. Der Ersatz der Zollkontingente durch einen einheitlichen Zoll, der anschliessend stufenweise abgebaut wird, erlaubt der ganzen Wertschöpfungskette, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Wo ein Wille, ist auch ein Weg

Büttiker schloss optimistisch: Der Standort Schweiz hat für die Fleischverarbeitung mit Sicherheit eine positive Zukunft. Dafür wurden bereits wichtige Voraussetzungen geschaffen: Die Probleme sind erkannt, sie werden analysiert und offen diskutiert. Die Branche und ihre Unternehmen sind reformwillig trotz den Umsetzungs-Schwierigkeiten. Wenn Problembewusstsein und Reformwille gegeben sind, werden sich auch Lösungen finden lassen.


Aus dem Referat von Rolf Büttiker, Präsident der Schweizer Fleisch-Fachverbände SFF und FDP-Natonalrat.