Datum:

Kritik am Raclette-Entscheid der REKO

Die Schweizerische Vereinigung zur Förderung der AOC und IGP kritisiert den Raclette-Entscheid der Rekurskommission (Reko) des Volkswirtschaftsdepartementes.

von Foodaktuell Importer

Der Entscheid der Reko, Raclette sei eine Zubereitungsart, und keine Ursprungsbezeichnung, hat für die
Schweizer Milchwirtschaft weit reichende Folgen. Ab 2007 werden sich die Raclette-Hersteller mit noch
billigerer, gleichnamiger Konkurrenz aus der EU herumschlagen müssen. Und die Konsumenten werden
im Laden gut hinschauen müssen, um sicher zu sein, dass der Käse für das traditionellste aller
Schweizer Gerichte auch wirklich aus der Schweiz kommt.

Kurzfristig scheint der Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission Reko wenigstens den Herstellern vom
Bratkäse „Raclette Suisse“ – sowohl industriell aus Pastmilch, aber auch ausserhalb des Wallis von kleinen
Käsereien aus Rohmilch hergestellt zu nützen. Langfristig können die Raclette Suisse-Hersteller jedoch auf
keinerlei Schutz vor der gleichnamigen Konkurrenz aus dem Ausland hoffen.

Infolge des Freihandelsabkommens mit der EU wird EU-Raclette ab 2007 zollfrei die Schweizer Käseregale
überfluten. Weder die „grossen“ Raclette Suisse-Hersteller, und noch weniger die kleinen Käsereien werden es
schaffen, in der Schweiz so billig zu produzieren, wie die ausländischen Industrie-Käsereien. Dementsprechend
erhöht sich auch der ökonomische Druck auf die ganze Branche, und die Einsprachen von Raclette Suisse
könnten sich als Eigen-Goal entpuppen.

Obwohl der Walliser Milchverband den Entscheid der Reko anfechten kann, wird sein neustes Projekt, nämlich
die industrielle Produktion von Raclette Suisse im Wallis zu intensivieren, seine Argumente zugunsten eines
Raclette AOC fadenscheinig erscheinen lassen.

Die Vereinigung zur Förderung der AOC-IGP bedauert den Entscheid der Reko. Nach diesem Rückschlag im
Bestreben, einen traditionellen Käse mit einem eindeutigen geografischen Bezug in seine Heimat und die
Wertschöpfung zugunsten der Produzenten im traditionellen Ursprungsgebiet zurückzuholen, hofft die
Vereinigung, dass wenigstens der Emmentaler bald den Erfolg des Feta in der EU wiederholen kann.

Die EU hat
im letzten Jahr diesem Käse zugunsten seiner nach traditioneller Art herstellenden griechischen Produzenten die
AOC bestätigt und dem gleichnamigen EU-weit produzierten Industriekäse aus Kuhmilch eine Abfuhr erteilt. (Medienmitteilung Schweizerische Vereinigung zur Förderung der AOC und IGP)