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ETH entwickelt eisenhaltige Reismischung

An der ETH wurde ein Verfahren entwickelt, um Reis mit Eisen anzureichern. Damit soll der Eisenmangel, die meist verbreitete Ernährungskrankheit der Welt bekämpft werden.

von Foodaktuell Importer




Normaler Reis (links) im Vergleich zu Eisen-angereichertem (rechts). Diesen entwickelten ETH-Ernährungswissenschafter.

In den Entwicklungsländern leiden die Menschen zunehmend unter der Umweltverschmutzung. Vor allem Kinder nehmen zu viel Blei in ihren Körper auf. Rund drei Viertel aller Kinder in den Entwicklungsländern, so schätzt man, leiden an zu hohem Bleigehalt in ihrem Körper und laufen Gefahr, neurokognitive Schäden davon zu tragen.

Jetzt wurde ein Mittel dagegen entdeckt: Der mit Eisen angereicherte Reis, der an der ETH entwickelt wurde, hilft nicht nur bei Eisenmangel. Er senkt auch signifikant den Bleigehalt im Blut. Michael Zimmermann vom Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften der ETH (ILW) hat letztes Jahr in einem dieser Gebiete eine kürzlich publizierten Studie durchgeführt.

An einer Primarschule in Bangalore testete er an 134 Kindern mit Eisen angereicherten Reis. Ziel war es zu ermitteln, ob und in welchem Umfang sich der Bleigehalt durch das zugeführte Eisen verringern würde. Blei und Eisen werden nämlich von demselben Molekül durch den Verdauungsapparat transportiert – ein Stoff, der sich bei Eisenmangel im Körper verringert. Eine Behandlung gegen Eisenmangel müsste deshalb helfen, das Blei abzuführen.

Zwei Drittel weniger Bleigeschädigte

Während 16 Wochen wurde einem Teil der Kinder ein Mittagessen mit eisenverstärktem Reis verabreicht. Eine Kontrollgruppe erhielt dieselbe Mahlzeit mit regulärem Reis. Die Kinder waren zwischen fünf und neun Jahre alt. Sie litten alle unter Eisenmangel, einige davon auch unter dadurch verursachte Blutarmut. Die Reismahlzeit entsprach den traditionellen Menüs der Region, die Kinder konnten wählen zwischen Tomaten-, Zitronen- oder Gemüsereis.

Das Resultat: Die Prävalenz (Anzahl der an hohem Bleigehalt leidenden Kinder) sank von 65% auf 29%, und anstelle von 78% litten ebenfalls nur noch 29% der Kinder an Eisenmangel. In der Kontrollgruppe dagegen sank die Anzahl an Kindern mit zu hohen Bleigehalt und Eisenmangel durch den normalen Reis nur wenig.

Mit Eisen angereicherter Reis könnte die Bemühungen um eine Verringerung der Bleibelastung also nachhaltig unterstützen, schliesst Zimmermann daraus. „Dies ist allerdings nur ein Nebeneffekt unserer Forschung“, erklärt der Forscher. Primär ging es ihm und seinem Team darum, überhaupt mit Eisen angereicherten Reis herstellen zu können. Denn Reis ist nicht nur Grundnahrungsmitttel von schätzungsweise einem Drittel bis der Hälfte der Erdbevölkerung. Es war bislang das einzige Getreide, das sich nicht anreichern liess.

Indische Kinder machen begeistert an der ETH-Studie mit dem neuen Reis mit. Grund dafür war vor allem die Farbe des Reises: Um von allen akzeptiert zu werden, so die Erfahrung der Lebensmitteltechnologen, müssen behandelte Nahrungsmittel exakt gleich aussehen wie das entsprechende unbehandelte.

Reis muss also weiss sein. Bereits kleinste farbliche Abweichungen würden von den Menschen, die den angereicherten Stoff am meisten brauchen, als Verunreinigung empfunden. Doch weisses Eisen zu erzeugen, erwies sich als äusserst schwierig. Drei Jahre arbeitete Michael Zimmermann mit seinem Team daran, Eisen in einen gut absorbierbaren, löslichen Stoff zu überzuführen.

Körner pressen aus eisenhaltigem Reismehl

Das Eisen-Pulver, das man so entwickelte, wird einem Reismehl beigefügt. Vom Gemisch werden Körner gepresst, die exakt gleich aussehen wie natürliche Reiskörner. Diese Körner werden dann im Verhältnis von 1 zu 50 unter den natürlichen Reis gemischt.

Das Reismehl wird aus den Reisabfällen gewonnen, der in den Müllereien entsteht, das Verfahren ist deshalb besonders kostengünstig. Der Schweizer Konzern Bühler, der auf Anlagen und Prozesstechnologie für die Verarbeitung verschiedener Getreidearten spezialisiert ist, hat eine Maschine für die Herstellung dieses Eisenreises entwickelt und verkauft diese heute schon in China.

An der ETH denkt man indessen bereits weiter. Jetzt gilt es, sowohl den Reis mit anderen Nährstoffen anzureichern als auch andere Nahrungsmittel für das Eisen-Pulver zu finden. Denn Eisenmangel ist immer noch die meistverbreitete Ernährungskrankheit der Welt.

Laut WHO leiden schätzungsweise zwei Milliarden Menschen – über 30 Prozent der Weltbevölkerung – an Blutarmut, die meisten aufgrund von Eisenmangel. Die Krankheit verringert die Arbeitskraft von einzelnen Personen sowie ganzen Bevölkerungen und verursacht so enormen volkswirtschaftlichen Schaden. In Vietnam gibt es deshalb bereits mit Eisen angereicherte Soja-Sauce und Fischsauce, in Westafrika ebenso angereichertes Salz.

Quelle Text: ETH

Bild: Diego Moretti