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Westschweizer Trutenmäster kämpfen weiter

Der Entscheid von Micarna, die Trutenproduktion in der Schweiz einzustellen, hat die Mäster empört. Geprüft wird nun eine Trutenhaltung im Migros-Programm «Aus der Region ADR».

von Foodaktuell Importer

Die Westschweizer Trutenmäster machen mit einer neuen Website auf sich und ihre Situation aufmerksam. Auf «schweizertruten.ch» stellen die 52 Trutenmäster ihre Sicht der Dinge dar und rufen die Konsumenten dazu auf, sich mit einer Postkarte an Claude Hauser, den Präsidenten des Migros-Genossenschaftsbundes, für den Erhalt der Trutenproduktion einzusetzen.

Bei der Diskussion um die Zukunft der Trutenproduktion hatten sich auch die Kantone Freiburg und Waadt eingschaltet. Geprüft wird die Möglichkeit, die Trutenhaltung im Rahmen des Migros-Programms “Aus der Region für die Region” weiterzuführen. (Quelle: LID)

Die Trutenmäster über Ihre Situation

In der Schweiz werden jährlich ungefähr 11’000 Tonnen Trutenfleisch produziert. Diese Quantität entspricht 20% des Trutenfleischkonsums in der Schweiz, die restlichen 80% werden importiert. Die Micarna/Optigal hat einen Anteil von 80% dieser 20% Schweizer Produktion.

Hinter diesen Zahlen befinden sich Bauernfamilien, für welche die Trutenzucht ein wichtiges, oft sogar ein zentrales Element ihrer Existenz ist. Diesen Betriebszweig streichen heisst ihre Zukunft in Gefahr bringen. Auf Grund welcher Logik? Auf derer, die einen Maximalgewinn in kurzer Zeit erreicht, ohne sich um Umweltkosten (man denke an lange Transportwege) oder um strenge, artgerechte Tierschutzvorschriften wie sie in der Schweiz gegeben sind zu kümmern?

Unsere Truten werden in Ställen mit 2200 Tieren aufgezogen. Im internationalen Vergleich sind dies kleine Einheiten. In Europa können diese Hallen bis zu 20’000 Tiere vereinen. Die meisten unter uns haben mehrere zehntausend Franken investiert, um unsere Gebäude mit Wintergärten und Ausläufen in Grünflächen zu versehen. Auf diese Art und Weise können sich unsere Truten in der frischen Luft bewegen, im Grünen picken, scharren, kurz gesagt, sie erhalten ein absolut artgerechtes Umfeld.

Es ist eine Freude unsere Tiere in so guter «Kondition» zu sehen und zu wissen, dass sie sich gut fühlen. Wir wagen zu behaupten, dass unsere Einrichtungen ohne Zweifel die ökologischsten auf der ganzen Welt sind. Unsere Produktionsweise könnte man als «handwerklich» bezeichnen.

Das Problem

Alles hat Ende der achtziger Jahre angefangen. Zu dieser Zeit hat Optigal SA (Produktionsbetrieb des Grossverteilers) den interessierten Züchtern eine Vertragsproduktion angeboten, mit dem Ziel Truten aufzuziehen. Die letzten Verträge wurden im Jahre 2004 abgeschlossen.

Die Schweizer Trutenproduktion wird von zweiundfünfzig Westschweizer Bauernfamilien sichergestellt. Alle sind unserem Verband angeschlossen. Diese Westschweizer Ansiedelung ist darauf zurückzuführen, dass Optigal SA, Produktionsbetrieb der Migros und mit damals Sitz in Lausanne, seit 1988 ein Trutenmastprogramm aufstellte.

Optigal SA, die ebenfalls in der Pouletmast tätig war, bot den Bauern einen Vertrag an, der ein komplettes Konzept beinhaltete. Dieses hatte folgendes Ziel: Optigal bot ein Programm an, das eine lineare Produktion vom Küken bis zum verarbeiteten Fleisch im Ladenregal sicherstellte.

So hat nun Optigal SA die Trutenmasthallen ihrem Standart entsprechend geplant, Bauunternehmen und Materiallieferanten mandatiert und auch die Bauführung übernommen. Auf der anderen Seite übernahmen die Produzenten die Investitionskosten von etwa 300’000.- Franken.

Der Mäster hatte kein Recht, anderes Geflügel auf seinem Betrieb zu halten. Optigal SA lieferte die Trutenküken, das Futter, ebenso den Desinfektions- und Unterhaltsdienst. Der Mäster hatte nicht das Recht, gemästete Truten ganz oder teilweise an Dritte zu verkaufen.

Der Kaufpreis der Truten wurde von Optigal SA festgelegt. Von diesem Preis wurden die Kosten für Futter und andere Lieferungen abgezogen. Der Saldo sicherte dem Mäster eine normale Rentabilität, das heisst eine gerechte Entschädigung für seine Arbeit und einen genügenden Betrag um Zins- und Rückzahlungen sicherzustellen.

Es ist zu vermerken, dass die Amortisation der ganzen Installation auf eine Zeitspanne von zwanzig Jahren berechnet war. Die Verträge hingegen wurden auf eine Dauer von fünf Jahren mit jährlicher Weiterführung und einer gegenseitigen Kündigungsfrist von sechs Monaten abgeschlossen. Von uns ausgesehen, war dies korrekt.

Aber ein Vertrag, der in diesem Ausmass Macht an eine Vertragspartei (Optigal SA) gibt, kann von der anderen Partei (Mäster) nur unterzeichnet werden, wenn eine solide Vertrauensbasis existiert. Für die 52 Familien resultierte dieses Vertrauen auf Erfahrungen ihrer Berufskollegen im Sektor Pouletmast, die seit 1961 existiert.

Fusion der Optigal SA mit Micarna

Im Jahre 2005 hat, infolge des unerwarteten Hinschieds von Herrn Schwander, Direktor der Optigal SA, Micarna (Fleischfiliale der Migros) mit der Optigal SA fusioniert. Während des Winters 2005/2006 haben intensive Diskussionen zwischen dem Vorstand der Trutenproduzenten und der Micarna SA.

Ziel dieser Diskussionen war, neue Standartverträge auf Partnerschaftsbasis auszuhandeln. Es wurden hauptsächlich die Zahlungen an die Mäster erörtert. Im April 2006 herrschte das allgemeine Gefühl, dass die neue Partnerschaft zum Abschluss bereit sei.

Am 19. Juni 2006 wurden die 52 Trutenproduzenten zu einer Information über die Zukunft der Schweizer Trute in Courtepin (Sitz der Micarna) einberufen. Der Verwaltungsrat der Micarna hatte entschieden, die Schweizer Trutenproduktion auf Mitte Juli 2007 einzustellen.

Die 52 Produzenten sind nun stolze Besitzer eines leeren, 400m2 grossen Gebäudes, das für eine spezifische Produktion konzipiert wurde und nicht amortisiert ist. Die Brutalität, mit der Micarna SA die Verträge nach nur sechs Monaten Fusion mit Optigal SA gekündigt hat, löste in uns Enttäuschung, Bitterkeit und Wutgefühle aus. (Text und Bild: schweizertruten.ch)