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MARKTPLATZ: Öko-Schokolade mit Regenwald-Kakao

von Foodaktuell Importer


Reiner Cacao Nacional ist in Ecuador selten geworden. Eine neue Spezialität trägt dazu bei, ihn zu erhalten: “Rio Napo Grand Cru” Waldschokolade. Kleinbauern vom indianischen Volk der Kichwa im Osten von Ecuador gewinnen den Kakao.

Cacao Nacional, oft als “Arriba” gehandelt, wächst nur in Ecuador. Botanisch zählt er zu der – eher robusten – Sorte Forastero. Er hat sich jedoch im heute zu Ecuador gehörenden Teil des Amazonastieflandes eigenständig entwickelt, so dass ihn sein Geschmack mit der für ihn typischen “blumigen” Note in eine Reihe mit den berühmten Criollo-Edelkakaos stellt. Der Kakao wird von indianischen Kleinbauern im Osten Ecuadors angebaut. Eine von den Bauern selbst gegründete Kooperative “Kallari” vermarktet den Kakao

Degustatoren der Firma Felchlin, welche ihn in der Schweiz verarbeitet, beschreiben das Geschmacksprofil der “Rio Napo Grand Cru” Waldschokolade als: “intensives Kakao-Aroma, Fruchtigkeit sonnengereifter Pflaumen, Kaffee, Vanille und im langen Abgang eine feine Pfeffernote”. Bei Felchlin wird die Schokolade während 48 Stunden im “Längsreiber” conchiert.

Die “Rio Napo Grand Cru” ist vorläufig in zwei Versionen als sortenreine Tafelschokolade erhältlich: Als edelbittere Waldschokolade mit 73 Prozent Kakaoanteil oder als Milchschokolade mit 40 Prozent Kakao. Milch und Rohrzucker stammen aus biologischem Anbau. Später soll eine Trinkschokolade dazu kommen.

Die Waldschokolade gibt es in Delikatessenläden, ausgewählten Schokoladen- und Kaffeegeschäften (z.B. Xocolatl in Basel), im Biofachhandel (Via Verde AG). In diesen Geschäften sind auch Produkte aus früheren Projekten von “Geo schützt den Regenwald” im Angebot wie der “Kaffa”-Wildkaffee aus den Bergregenwäldern im Südwesten Äthiopiens und Regenwald-Tee von den Hängen des nepalesischen Himalaya.


Anbau ohne Regenwald-Rodung

Im 19. Jahrhundert wurde Cacao Nacional vor allem entlang der ecuadorianischen Pazifikküste in Plantagen angebaut. Diese deckten den weltweiten Kakaobedarf zu 30 Prozent – bis sie um 1920 herum von einer Pflanzenseuche dahingerafft wurden. Seither versuchen Züchter in Ecuador, resistentere und ertragreichere Sorten einzukreuzen.

Hybridsorten schmecken jedoch meist flacher und eignen sich bestenfalls für Massenware. Sie sind jedoch eine verlockende Alternative für die Bauern, da sie weniger aufwändige Pflege erfordern und höhere Flächenerträge bringen. So könnten sie den Cacao Nacional eines Tages verdrängen.

Auf der Ostseite der Anden indes, am Rand des Amazonasbeckens, wächst der Cacao Nacional noch unter ursprünglichen, also optimalen Bedingungen: Mitten im Urwald, unter den Schatten spendenden Kronen grösserer Bäume, die er zum Gedeihen braucht, angebaut von indianischen Kleinbauern vom Volk der Kichwa. Bild: Ernte der Kakaofrüchte, die am Baumstamm wachsen.

60 dieser Kleinbauern haben 1997 in der Provinzhauptstadt Tena die Kooperative “Kallari” gegründet. Kallari-Mitarbeiter sammeln während der Erntesaison die frischen Kakaofrüchte, fermentieren und trocknen die Bohnen davon in zentralen Sammelstellen nach einheitlichen Qualitätsstandards, sie kümmern sich um die Vermarktung und den Transport zum Exporthafen Guayaquil.

“Kallari” heisst auf Kichwa Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Name spielt auf das Ziel an, das sich die Kooperative gesetzt hat: Die traditionelle Lebensweise der Kichwa-Gemeinschaften auch künftig zu erhalten. Deren “Fincas” haben keine Ähnlichkeit mit einem Bauernhof hierzulande. Sie bestehen vielmehr aus einem ökologisch angepassten Nebeneinander von Maniok, Bananen, Papaya und vielerlei anderen tropischen Nutzpflanzen.

Diese so genannten Mischkulturen ernähren die Familien. Der Wald braucht dafür nicht gerodet zu werden. Allerdings fehlt es den Bauern häufig an Barem, mit dem sie beispielsweise das Schuldgeld für ihre Kinder bezahlen können. Einkommen könnten sie sich verschaffen, indem sie etwa auf abgeholzten Flächen Ölpalmen anbauen, die gute Gewinne abwerfen. Oder ihr Land an die Erdölfirmen verkaufen, die in der Region um den Rio Napo immer weiter in den Urwald vordringen.

Die Kallari-Kooperative bestand ursprünglich aus 60 Familien und verkaufte zunächst vor allem handwerklichen Schmuck aus den Samen von Waldbäumen. Inzwischen gehören Kallari bereits über 600 Familien an. Der Kakao-Anbau lohnt sich, weil die Bauern für die Bohnen einen vernünftigen Preis erzielen.

Die in Hamburg ansässige Umwelt- und Entwicklungsorganisation “GEO schützt den Regenwald” und die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützen die Arbeit von “Kallari”. Sponsor des Projekts ist die Schweizer Firma Katadyn aus Wallisellen, Spezialist auf dem Gebiet der portablen Wasseraufbereitung. Gemeinsam mit Original Food, welche als Projektpartner die Vermarktung übernimmt. (Medienmitteilung und Bilder: Original Food).