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Umstrittener Nutzen von Functional Food (2)

von Foodaktuell Importer


Das gestiegene Gesundheitsbewusstsein schafft ein grosses Marktpotenzial für Functional Food (FF). Diese Produkte erlauben eine bessere Marge und sind schwer imitierbar. Einige stecken noch in der Forschungsphase, andere sind erfolgreich, aber oft dank emotionalem Nutzen. Bericht in zwei Teilen: 2. Teil: Ernährungsnutzen und FF-Kategorien.

1. Teil siehe: Trends und Deklaration

Wichtig für die Gesundheit ist grundsätzlich eine ausgewogene Kost und Energiebilanz. Aber in der Durchschnittskost von Familie Schweizer sind einige Komponenten übervertreten (Fette, Zucker, Salz) und andere untervertreten (Gemüse, Obst, Vollkornprodukte). Die Therapie für ernährungsbedingte Volkskrankheiten hiesse daher eher Verhaltensänderung (ausgewogene Kost und genug Bewegung), aber zum Einen fruchten solche Appelle bei der Bevölkerung wenig, und zum Andern sind stark verarbeitete Functional Food (FF) für die Hersteller lukrativ.

Während der Konsum von Früchten und Gemüse vor allem von Preis, Wetter und Conveniencegrad abhängt, besitzen Vollkornprodukte spezifische sensorische Nachteile: sie schmecken derber als raffinierte, sind weniger zart und farblich meistens unschön grau-braun. Die meisten Konsumenten lassen sie daher links liegen oder täuschen sich selbst, indem sie dunkles (malzhaltiges) Brot aus hellem Mehl bevorzugen.

Gesund aber auch schmackhaft

Die Erfahrung zeigt: Kaufentscheide fallen nur dann zugunsten von gesunden Lebensmitteln aus, wenn diese mindestens ebenso gut schmecken wie normale Produkte. Dies trifft zu bei «Faserino»-Broten mit mikrofein vermahlener Weizenkleie statt Vollkornmehl. Ihr Nahrungsfaserngehalt (neun bis zehn Prozent) liegt sogar höher als jener von Vollkornbrot (sechs Prozent).

Ein Faserinobrot aus hellem Mehl schmeckt angenehm, aber sinnvoll ist die Verwendung von Ruchmehl, das gleichzeitig mehr Mineralstoffe liefert als Weissmehl. Haefliger AG entwickelte die Faserinokleie in Zusammenarbeit mit dem Labor für Lebensmittelchemie der ETH). Und Fredy’s Backwaren stellt seit kurzem ein modernes feuchtes Vollkornbrot her mit verbessertem Gesundheitswert dank Zusatz von Weizenkeimen (Glüxx-Brot).

Wieviel des Guten?

Dass Lebensmittel-lnhaltsstoffe die Gesundheit positiv oder negativ beeinflussen können ist unbestritten. Schon der altgriechische Arzt Hippokrates appellierte: «Nahrungsmittel sollen Heilmittel sein und Heilmittel sollen Nahrungsmittel sein». Heute hätte er allerdings einen schweren Stand, denn Lebensmittel dürfen keine Heilanpreisungen tragen, da sie sonst als Heilmittel registriert sein müssen (deklariert auf der Verpackung mit einer Nummer der Swissmedic). Dies auch wenn sie frei verkäuflich sind (OTC-Produkte: over the counter).

Bei der SGE betont man, dass gesunde und ausgewogen ernährte Menschen keine angereicherten Lebensmittel benötigen (mit Ausnahme von Spitzensportlern). Aber bei einseitiger Ernährung, speziellen Risikogruppen oder Krankheiten können diese Produkte einen Schritt in die richtige Richtung bedeuten. Dass sie wirklich Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Krebs vorbeugen, ist nicht erwiesen. Und die stark angereicherten mit «harten» Claims sollten nicht mehrfach oder im Übermass konsumiert werden. «Weiche» dagegen kann man beliebig konsumieren, etwa Ovomaltine, Faserinobrot oder angereicherte Cerealien.

Produktkategorien rund um die Gesundheit mit Beispielen:

FF mit harten Claims: wissenschaftlich bewiesene Wirkungen wie beim jodierten Kochsalz, Becel proactiv-Margarine, Benecol- und Evolus-Jogurtdrink, probiotisches Joghurt.

FF mit weichen Claims: mit Nährstoffen angereicherte Produkte wie Ovomaltine, biofamilia-Cerealienmischungen, Michel-Fruchtsäfte. Pseudo-Allergiker verträgliche wie glutamatfreie.

Ohne Claim aber wirksam: coffeinfreier Kaffee, reizarmer Kaffee, coffeinhaltige Getränke

Lifestyle-FF mit belegbarer Wirkung: Isostar (isotonisch), Red Bull mit Coffein.

Image-Produkte (emotionaler FF): Aloe Vera, Meersalz aus reinem Kochsalz, Kornkreisbrot

Health Food: Normalprodukte mit Gesundheits-Bedeutung: Milch, Rapsöl (Omega-3-Fettsäuren), Mineralwasser (Calcium, Magnesium), Knoblauch (sekundäre Pflanzenstoffe).

Heilmittel: von Swissmedic registrierte Produkte mit Heilanpreisungen wie Orangenblütentee (schlaffördernd).

Pflanzen oder Aromen mit pharmakologischer Wirkung ohne Inhaltsstoff-Grenzwert: Ginseng, Hopfen, Ingwer.

Pflanzen oder Aromen mit pharmakologischer Wirkung mit Inhaltsstoff-Grenzwert:
Eucalyptus, Hanf, Lorbeer, Minze, Muskat, Salbei.

Weiterlesen: Konsumenten täuschen sich mit Functional Food