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Gstaader Käse-Affäre vorerst beigelegt

Die Gstaader Milchgenossenschaft hat absichtlich acht Tonnen Bergkäse als teureren Alpkäse deklariert und an die Migros geliefert. Sie steht zu ihrem Fehler.

von Foodaktuell Importer


Der Geschäftsführer der Gstaader Milchgenossenschaft hat absichtlich acht Tonnen Bergkäse als teureren Alpkäse deklariert und diesen an die Migros geliefert. Das Vorgehen hat für den Mann zumindest vorläufig keine Konsequenzen, berichtet die Nachrichtenagentur SDA am 22. März 2007.

Die Falschlieferung war von den Verantwortlichen in den Medien bisher als “Verwechslung” deklariert worden. Nach Recherchen des “Berner Oberländers” räumten die Genossenschaft und das Käsereifungslager in einem gemeinsamen Communiqué ein, dass der Migros Aare absichtlich falscher Käse geliefert wurde.

Der Geschäftsführer der Milchgenossenschaft war offenbar unzufrieden mit der unzureichenden Qualität, welche die Käsereifungslager Saanenland AG seinen Berg-Käsen angedeihen liess, wie ein Berater der beiden Partner auf Anfrage sagte. Scheinbar war eine grössere Zahl dieser Käselaiber beschädigt gewesen. Um diesen Käse loszuwerden, mischte der Geschäftsführer diese im Sommer 2006 unter eine von der Migros Aare bestellte Berner Alpkäse-Aktion.

Nach einer abschliessenden Aussprache der Vorstände der Milchgenossenschaft und des Käsereifungslagers steht der Geschäftsführer der Milchgenossenschaft vollumfänglich zu seinem Fehler. Die beiden Vorstände haben sich einstimmig für eine weitere Zusammenarbeit entschieden. Ob dieses Fehlverhalten ein juristisches Nachspiel haben werde, ist derzeit noch unklar.

Der wissentliche Betrug ist für die Migros Aare “inakzeptabel”, wie die SDA schreibt. Jedoch will die Migros nicht voreilig handeln, weil sie nicht unschuldige Käseproduzenten im Berner Oberland mitbestrafen will. (Quelle: LID, SDA)

Medienmitteilung der Milchgenossenschaft Gstaad und der Käse-Reifungslager Saanenland AG

Im Zusammenhang mit einer falschen Lieferung von Käsereiprodukten an eine Kundin sind im Verlauf der letzten acht Monate die Beziehungen zwischen den Partnerbetrieben Milchgenossenschaft Gstaad und Käse-Reifungslager Saanenland AG belastet worden. Die Vorstände der beiden Unternehmungen haben sich am 21. März 2007 zu einer abschliessenden Aussprache und Bereinigung getroffen und dabei Beschlüsse über die Neuregelung ihrer Zusammenarbeit gefasst.

Die Verhältnisse rund um die falsche Lieferung von Käsereiprodukten an eine Kundin durch die Milchgenossenschaft Gstaad sind geklärt. Es war eine Lieferung von Käsereiprodukten, die vom Geschäftsführer der Milchgenossenschaft Gstaad angeordnet wurde. Anstelle von Alpkäse wurde teilweise Bergkäse geliefert. Die Lieferung wurde in der Folge von der Genossenschaft in Absprache mit der Kundin zurückgenommen und der Schaden der Kundin entsprechend abgegolten.

Die Genossenschaft hat sich für diese Fehlleistung gegenüber der Kundin entschuldigt. Der Geschäftsführer steht zu seinem Fehler und übernimmt die volle Verantwortung. Er entschuldigt sich dafür bei der Kundin und den betroffenen Konsumentinnen und Konsumenten.

Aufgrund des klaren und aufrichtigen Bekenntnisses des Geschäftsführers sprechen sich die beiden Vorstände einstimmig für die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer der Milchgenossenschaft Gstaad, Hanspeter Reust, aus.

Die Abklärungen und eingeholten Stellungnahmen im Zusammenhang mit der beanstandeten, fehlerhaften Lieferung haben aber auch gezeigt, dass die Beziehungen der Milchgenossenschaft Gstaad und der Käse-Reifungslager Saanenland AG untereinander neu geregelt werden müssen. Vor diesem Hintergrund und um die Kontinuität in der Lieferung qualitativ hoch stehender Käsereiprodukte aus dem Saanenland in Zukunft einwandfrei sicherstellen zu können, haben die Vorstände der beiden Partnerbetriebe folgendes beschlossen:

1. Das die bisherigen Beziehungen belastende Ereignis der falschen Käselieferung an die Kundin ist besprochen und bezüglich der Verantwortlichkeiten ausdiskutiert und abschliessend beigelegt worden. Es bestehen keine Meinungsdifferenzen mehr, die Fakten sind klar, weiterführende Interpretationen sind nicht notwendig, Schuldzuweisungen werden keine mehr gemacht. Die Vorstände haben sich diesbezüglich auseinandergesetzt.

2. Der Vermarktung der Käsereiprodukte aus dem Saanenland kommt nach Auffassung der beiden Partner eine grosse Bedeutung zu. Beide Partner haben dazu einen Beitrag zu leisten. Über eine gemeinsam zu erarbeitende und vereinbarende Plattform sollen die diesbezüglichen Aufgaben und Zuständigkeiten festgelegt werden. Diese Plattform soll Sicherheit, Gewissheit und Qualität bei der Herstellung, der Pflege, Lieferung und der weiterführenden Vermarktung der Produkte aus dem Saanenland im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten und der Produzenten ermöglichen.

3. Die Abläufe und Prozesse der Zusammenarbeit sind im Detail zu analysieren, neu zu definieren und so auszugestalten, dass Reibungsverluste und Meinungsverschiedenheiten in Zukunft vermieden werden können. Eine Teilnahme der operativ verantwortlichen Person der Milchgenossenschaft Gstaad an den Sitzungen des Verwaltungsrates der Käse-Reifungslager Saanenland AG ist anzustreben.

4. Eine Führungs- und Überwachungsstruktur ist auf strategischer und operativer Ebene einzurichten, welche eine gezielte Vermarktung der Käsereiprodukte gewährleistet und unterstützt.

5. Die ausführenden Personen der Partnerbetriebe sollen in der Wahrnehmung ihrer Aufgaben gezielt und gemeinsam unterstützt werden. Konflikte, welche sich im Ablauf der Tätigkeiten der Partner ergeben, sollen frühzeitig erkannt und in sicheren Verfahren einvernehmlich beigelegt werden.

6. Die Information und Kommunikation intern und unter den Partnern sowie extern ist zu verbessern und durch entsprechende Massnahmen als vertrauensbildende Faktoren intern und extern zu verstehen und entsprechend anzuwenden.

7. Die Erarbeitung und Umsetzung dieser Grundsätze soll durch eine professionelle Unterstützung einer aussenstehenden, unabhängigen Person geführt und damit gewährleistet werden.

Die beiden Vorstände sind überzeugt, dass mit diesem einstimmig verabschiedeten 7-Punkte-Programm ein erfolgversprechender Neuanfang in der Festlegung ihrer Zusammenarbeit gefunden wurde.

Sie hoffen damit ein entscheidendes Zeichen nach innen und aussen gesetzt zu haben, das beweist, dass die Querelen und Fehler der Vergangenheit nicht negiert, sondern zum Anlass genommen werden, um Lehren und Folgerungen zu ziehen, die für die Zukunft neue Perspektiven und Qualitäten setzen. Dies alles soll im Interesse der Kundinnen und Kunden, der Konsumentinnen und Konsumenten sowie der Produzenten qualitativ hoch stehender Käsereiprodukte aus dem Saanenland erfolgen.

Nicht ein Gegen- oder Nebeneinander, sondern ein Mit- und Füreinander soll die Devise für die zukünftige Zusammenarbeit für die Milchgenossenschaft Gstaad und die Käse-Reifungslager Saanenland AG sein. (Medienmitteilung Vorstand Milchgenossenschaft Gstaad und Verwaltungsrat Käse-Reifungslager Saanenland AG. Quelle: Anzeiger von Saanen)


Verärgerung bei der Migros Aare

Reust könne für die Migros Aare “ab sofort kein Geschäftspartner mehr sein”, heisst es in einer Mitteilung der Migros Aare vom 23. März 2007. Reust habe das Vertrauen der Kundinnen und Kunden der Migros Aare missbraucht. Die Migros sei nicht bereit, dies zu akzeptieren, schreibt die Nachrichtenagentur SDA. Die Migros werde sich das weitere Vorgehen bei der Beschaffung von Berner Oberländer Käse “genau überlegen”. Sie wolle jedoch vermeiden, dass mit vorschnellen Entschlüssen Unschuldige von Massnahmen betroffen würden.

Er werde auf Grund der Reaktion der Migros eine ausserordentliche Vorstandssitzung einberufen, sagte der Präsident der Milchgenossenschaft, Hansruedi Steiner. Ob Reust mit der Entlassung zu rechnen hat, wollte er nicht sagen. Noch gestern betonte die Milchgenossenschaft, man werde auch weiterhin mit Reust zusammenarbeiten, wie die „Berner Zeitung“ schreibt. (Quelle: LID, SDA)

Vorgeschichte: Berner Kantonschemiker beanstandet AOC-Alpkäse