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Politische Standortbestimmung von GastroSuisse

Das Gastgewerbe meldete im vergangenen Jahr erstmals wieder positive Zahlen - auch für die Restauration. Die Beherbergung ist schon länger im Aufwärtstrend. Aber bei politischen Themen wie Hygieneschulungspflicht (Binnenmarktgesetz), Besenbeizen (Landwirtschaftspolitik), Convenience-Deklarationspflicht und Nichtraucherschutz ist GastroSuisse derzeit gefordert. Klaus Künzli, Zentralpräsident GastroSuisse, erklärt die Positionen seines Verbandes.

von Foodaktuell Importer

Prävention ist sinnvoll. Wer wirtet, soll minimale Hygienekenntnisse besitzen und dies auch nachweisen. Einzelne Hygienesünder bringen sonst die ganze Branche in Verruf.

Ein zentrales Thema, das GastroSuisse beschäftigt, ist die Revision des
Binnenmarktgesetzes. Dabei geht es um minimale Kenntnisse in Hygienefragen und
die Haltung von Bundesrat Pascal Couchepin dazu. GastroSuisse ist enttäuscht, dass man unserer Branche im Eidgenössischen
Departement des Innern (EDI) nicht mehr Verständnis entgegenbringt.

Wir fordern
unverändert, dass der Bund die Kann-Formulierung für einen landesweit gültigen
Hygiene-Kenntnis-Nachweis realisiert. So wie er vom Parlament im
Binnenmarktgesetz für eine Ergänzung des Lebensmittelgesetzes verabschiedet
wurde. Das Fehlen solcher präventiver Vorschriften erhöht das Gefahrenpotenzial für
die Gäste und schadet der Branche. Deshalb machen wir uns stark für eine sinnvolle
Prävention in diesem Bereich.

Es schadet uns gewaltig, wenn – statt positiven Meldungen über Millionen von
zufriedenen Gästen – lediglich die Horror-Meldungen der Kantonschemiker-Berichte
über den angeblichen Hygiene-Zustand der Restauration Schlagzeilen machen und
im Gedächtnis der Konsumenten haften bleiben. Das erweckt in der Öffentlichkeit ein
völlig falsches Bild und stellt in letzter Konsequenz auch Arbeitsplätze infrage.
Relativierungen von unserer Seite, es handle sich nur um eine kleine Minderheit der
Anbieter – die leider unvermeidbaren „schwarzen Schafe“ eben – werden als
Zweitmeldungen oft ausgeblendet.

Besonders interessant ist, dass die Behörden den Zustand der Kenntnisse einiger
Gastgeber kritisieren. Statt Kontrolle macht der Lebensmittelinspektor dann zuerst
Ausbildung. Weil viele Quereinsteiger und auch Leute aus anderen Kulturen sich mit
den schweizerischen Gesetzen zu wenig auseinander gesetzt haben.
Wir bemühen uns um positive Ansätze! Wir wollen das Vertrauen unserer Gäste
erhalten und pflegen – darum kämpfen wir. Und bei aller Zurückhaltung: wir haben
dieses Vertrauen auch verdient.

Im Gastgewerbe haben sich viele Entwicklungen zum Positiven gewendet. Die Vielfalt unserer Angebote ist grenzenlos. Der Gast
bekommt zudem – zusätzlich zu den bereits vorgeschriebenen schriftlichen
Deklarationen – auf Anfrage jederzeit weitere mündliche Informationen zu den
eingesetzten Nahrungsmitteln. Er hat meist ein konkurrenzfähiges und auch
international vertretbares Preis-Leistungsverhältnis. Deshalb lautet unsere Devise: “Vertrauen schaffen statt zerstören – der Gast im
Zentrum”.

Zum Thema Landwirtschaftspolitik – Raumplanung – Besenbeizen und gleich lange
Spiesse.

Wir wollen mit den Bauern ein gutes Verhältnis. Uns verbinden viele gleiche
Interessen im Zusammenhang beispielsweise mit einer identifizierbaren Herkunft der
Nahrungsmittel. Wir sind an BIO-Produkten interessiert und pflegen sehr oft auch die
Saisonalität der Angebote.

Daneben haben in unseren Angeboten auch qualitativ hervorragende Convenience-
Produkte ihren Platz. Ob es sich dabei um Halb- oder Fertigprodukte handelt, ob
diese schon konsumfertig, gefroren oder vakuumiert angeliefert werden, ist für den
Gast nicht ausschlaggebend. Für den Gast entscheidend ist – und ihm sind wir ja
letztlich verpflichtet – dass das Preis-Leistungsverhältnis und somit auch die Qualität
stimmen.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hat kürzlich im Zusammenhang mit dem
Thema Deklaration und Convenience Food mit einer üblen Medienkonstruktion und
via Indiskretionen versucht, GastroSuisse in Verruf zu bringen. Deshalb möchten wir
an dieser Stelle nochmals festhalten:

1. GastroSuisse propagiert die freiwillige Positiv-Deklaration: Das heisst, wir
ermuntern unsere Mitgliedschaft – von sich aus und im Sinne eines
vertrauensfördernden Marketings – möglichst umfassend über die Herkunft der
Speisen zu informieren.
2. Wir lehnen aber neue gesetzliche Zwänge klar ab.
3. Sogenannte Convenience-Produkte sind unbedenklich zu konsumieren, sind
geschmacklich hervorragend und hygienisch ebenfalls einwandfrei. Sie
werden auch in den meisten Privat-Haushalten mehr oder weniger
regelmässig eingesetzt.
4. Es besteht kein Grund, diese Speisen zu “verteufeln” oder den Konsumenten
davor Angst zu machen.
5. Das Gastgewerbe in der Schweiz ist insgesamt auf einem sehr guten Stand.
Es verdient das Vertrauen der Gäste. Die Stiftung für Konsumentenschutz will
bloss auf billige Art und Weise Aufmerksamkeit erhaschen.
6. Ich halte noch fest, dass es keine vernünftige Definition für „Convenience“ und
„hausgemacht“ gibt. Da sind wir uns auch mit dem BAG und den
Kantonschemikern einig.
7. Uns liegt – zusammen mit unseren Gästen – viel an einem konkurrenzfähigen
Preis-/Leistungsverhältnis.
8. Auch vorgefertigte Speisen werden von Menschen in grossen Küchen
hergestellt. Die Bezeichnung “Industriekoch” ist in diesem Zusammenhang
eine üble Unterstellung.

Wir möchten Gastgeber sein können, uns mit dem Gast austauschen, ihn verwöhnen
können – und ihm nicht etwa mit überbordenden Deklarationshinweisen den Appetit
verderben. Deklaration – das ist Marketing vom Besten. Das sagen wir bei
GastroSuisse bereits seit mehr als zehn Jahren.


Schweizweite Lösung für den Nichtraucherschutz

Im Zentrum unserer aktuellen politischen Arbeit steht auch das Thema Nichtraucherschutz. Unsere Hauptstossrichtung weist ganz klar in Richtung eines sinnvollen Schutzes der
Passivraucher. Wir haben das Heft in die eigene Hand genommen und am 1. März
unsere Vorschläge in einer national sehr beachteten Medienkonferenz in Bern
vorgestellt.

Wir wollen …
einen umfassenden Passivrauchschutz,
eine praktikable Lösung,
eine für alle Gastronomieformen gültige Lösung
und vor allem eine nationale Lösung.

Was wir nicht wollen:
keine 26 kantonalen Lösungen,
keine Lösung via Arbeitsgesetz,
keine alleinige Verantwortung beim Unternehmer,
keine völlige Ausgrenzung der Raucher.

Nationalrat Roland Borer (SVP/SO) hat sich bereit erklärt, den GastroSuisse-
Vorschlag in die Sub-Kommission “Passivrauchen” einzubringen. Diese studiert im
Auftrag der Nationalratskommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) die
Realisierung der Parlamentarischen Initiative Gutzwiller. Wir haben alle Mitglieder der
Sub-Kommission mit unserem Vorschlag bedient. Die Subkommission hat Ende März getagt und zuhanden der Plenumssitzung der SGK vom 31. Mai 2007 verschiedene Anträge verabschiedet. Wir könnten uns die folgenden drei Varianten vorstellen:

– Variante 1: Arbeitsgesetz ergänzen mit dem Zusatz: “Arbeitsplätze sind rauchfrei“. Das würden wir in einer breiten Koalition als ganz klar
ungenügend und unpraktikabel ablehnen.
– Variante 2: Abgeänderter Vorschlag GastroSuisse.
– Variante 3: Integrale Lösung GastroSuisse.

GastroSuisse hat mit ihrem Gesetzesentwurf einiges in Gang gebracht. Wir erfahren
mit unserem Vorschlag viel politische Unterstützung. Wir stellen weiter fest, dass
seither auch in den Medien vermehrt Überlegungen angestellt werden, wohin die
rasch steigende Zahl von Verboten in gesellschaftspolitisch relevanten Fragen noch
führen soll. Führende Presse-Erzeugnisse setzen sich mit dem drohenden Thema
der sog. Verbotsgesellschaft auseinander, die zunehmend alles Weitere neben
Alkohol und Tabak, das Genuss verkörpert, infrage stellt.

Klaus Künzli: Was wir brauchen, ist Identität und Individualität für unsere
Angebote. Und nicht immer mehr Verbote oder dem ähnliche
Deklarationsvorschriften, die die Gäste mehr abschrecken als informieren.
Unsere Dienstleistungen bieten Genuss und Unterhaltung. Deshalb stehen wir
gesetzgeberischen Rundumschlägen und Verboten grundsätzlich sehr distanziert
gegenüber.

Aber insgesamt geht die „Vendetta“ der Gesundheitsapostel resp. der
Präventionsanbieter weiter. „Der Mensch im Präventions-Korsett“ lautet zunehmend
das Leitmotiv. Es geht jedoch nicht an, dass das Gastgewerbe zum Nacherziehen der Bevölkerung
verpflichtet werden soll.


Text: Auszug aus dem Referat von Klaus Künzli (Bild), Zentralpräsident GastroSuisse
Bilder: foodaktuell

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