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Faktoren einer nachhaltigen Ernährung

Wie kann man sich gesund und ausserdem ökologisch ernähren? Welchen Nutzen hat man von Lebensmitteln aus der Region? Sechs deutsche Forschungsprojekte geben Antworten.

von Foodaktuell Importer

Regionale Lebensmittel bedeuten nachhaltige Ernährung. Spargel ist ein typisches Regionalprodukt, das an den jeweiligen Standort angepasst ist und Terroirgeschmack besitzt. Übrigens: die Schweizer Spargelsaison ist eröffnet. Bild: Spargeln stechen im Zürcher Spargelmekka Flaach.

Eine neue Publikation fasst Ergebnisse der Sozial-ökologischen Agrar- und Ernährungsforschung zusammen und zeigt Wege zu einer nachhaltigen Entwicklung in Landwirtschaft und Ernährung auf. Sechs Forschungsprojekte haben sich im Rahmen der Sozial-ökologischen Forschung (SÖF) seit einigen Jahren mit diesen Fragen befasst und herausgearbeitet, wie Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung nachhaltig gestaltet werden können. Wichtige Elemente einer nachhaltigen Ernährung sind:

umweltfreundliche Landwirtschaft,

fairer Umgang zwischen Erzeugern und Handelspartnern,

transparente Lebensmittelketten,

angemessene Preise für Hersteller und Verbraucher,

gesunde Ernährung,

vielfältige Esskultur.

Zentrale Ergebnisse sind jetzt im Sammelband “Vom Acker auf den Teller – Impulse der Agrar- und Ernährungsforschung für eine nachhaltige Ernährung” veröffentlicht worden. Die Beiträge nehmen die komplette Lebensmittelbranche in den Blick: von den landwirtschaftlichen Erzeugern über die Lebensmittelverarbeitung und den Handel bis hin zu den Konsumierenden.

In dem Band werden erstmals die unterschiedlichen Perspektiven von Unternehmen, Verbrauchern sowie der zuständigen Politik zusammengeführt und Strategien für eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung abgeleitet. Dabei kristallisiert sich immer stärker heraus, dass Lebensmittelskandale, ernährungsbedingte Gesundheitsprobleme oder Umweltbelastungen durch Landwirtschaft nicht durch vereinzelte Massnahmen zu vermeiden sind. Es ist vielmehr notwendig, in einem breiten gesellschaftlichen Dialog über die Frage zu diskutieren: “Wie wollen wir in Zukunft unsere Ernährung gestalten?”

Regionale Lebensmittel und Esskultur sind ein Beispiel für eine nachhaltige Ernährung. Spargel ist ein typisches Regionalerzeugnis, das an den jeweiligen Standort angepasst ist und nach der Region “schmeckt”. Eine regionale Vermarktung sorgt für kurze und transparente Handelswege und schafft bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern Vertrauen in die Qualität der Lebensmittel. Aber nur ein kleinerer Anteil unserer Lebensmittel stammt aus der Region, die Auswahl ist eingeschränkt und die Preise sind wegen der geringen Umsätze oft hoch.

Regionale Lebensmittel sind also kein Selbstläufer. Das Forschungsprojekt OSSENA zeigt, dass sie zwar ins Supermarktregal gebracht und logistische Probleme gelöst werden können. Wenn es dem Supermarkt aber nicht gelingt, “Regionalität” als positives Markenzeichen vermitteln, dann bleibt der Verkaufserfolg aus – und der Impuls für eine nachhaltige Ernährungskultur verpufft.

Mit der Publikation leisten die Forschungsprojekte einen Beitrag zu einer breiten und offen geführten gesellschaftlichen Debatte über die zukünftige Agrarwirtschaft und Ernährung. Dabei gehe es nicht darum, unüberbrückbare Gegensätze zwischen konventionellen und ökologischen Ansätzen aufzurichten, sondern nach gemeinsamen Strategien für nachhaltige Lösungen zu suchen. Konflikte können dafür einen geeigneten Ausgangspunkt bilden – auch das ist ein Forschungsergebnis.

Buchtipp: “Vom Acker auf den Teller – Impulse der Agrar- und Ernährungsforschung für eine nachhaltige Ernährung”, Benjamin Nölting, Martina Schäfer (Hrsg), oekom, 2007. (Medienmitteilung Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF)