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Toggenburger Käsetage 2007

Zwanzig gewerbliche Käsereien präsentieren noch bis morgen an den 2. Toggenburger Käsetagen ihre Produkte. Die Ostschweizer Milch- und Käseproduktion erweist sich international als wettbewerbsfähig. Aber der Optimismus der Behörden zur Marktöffnung gegenüber der EU wird nicht von allen Produzenten geteilt. Betriebe, die erst dieses Jahr in den Direktexport einsteigen, stossen auf Hürden der EU-Bürokratie. Noch mehr Probleme dürften kleine Käsereien haben, die fast nur für den lokalen Markt produzieren können.

von Foodaktuell Importer

Milli Wittenwiler, Alt Nationalrätin und Präsidentin der Veranstaltung konnte in der Kurzansprache zur Eröffnung der 2. Toggenburger Käsetage in Unterwasser SG die Begeisterung für die Innovationskraft der Landwirtschaft und des ländlichen Raums wirkungsvoll darstellen. Bild (tt, kaesetage.ch): Alpaufzug im Toggenburg, im Hintergrund die Churfirsten.

Tatsächlich vermittelt jede der am Anlass präsenten Käsereien ihre eigene Erfolgsgeschichte durch Qualität, Belegung von Nischen oder innovative Produkte. Auch finanziell zahlt sich das Engagement aus. So wurden 2006 unter der Regionalmarke Culinarium Ostschweiz gegen 175 Millionen Franken umgesetzt, wobei ein grosser Teil über den Verkaufskanal „Aus der Region. Für die Region (AdR)“ der Migros generiert wurde.

Katja Hinterberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesamt für Landwirtschaft, wies darauf hin, dass der Bund sein direktes Engagement in der Milchwirtschaft abbaut, jedoch mit wichtigen Leistungen weiterhin zur Verfügung stehen wird. Beispiele sind die Aktivitäten der Forschungsanstalten in der Grundlagenforschung, Qualitätssicherung und die Unterstützung bei der Entwicklung von neuen Produkten. Hinzu kommen neben den Flächenbeiträgen, die indirekt auch die Milchwirtschaft fördern, weitere Subventionen zur Vermarktung und Exportförderung.

Roger Peterer, Leiter des Landwirtschaftsamts des Kantons St. Gallen, konkretisierte die aktuelle Marktsituation: «Überraschend ruhig konnte der Wechsel vom mengenkontrollierten zum marktorientierten System in der Milchwirtschaft bereits zu zwei Dritteln vollzogen werden. Milchproduzenten, Einkäufer und Käser hätten sich rasch selbst neu orientiert und schlagkräftige Organisationen aufgebaut».

Befürchtungen bezüglich der Aufhebung von Importzöllen auf den 1.Juni 2007 für Käse und Milchprodukte seien nicht angebracht. Die Ostschweizer Milch- und Käseproduktion erweise sich international als wettbewerbsfähig, und die Instrumente zur Förderung regionaler Strukturen und des ländlichen Raums sind nachhaltig griffig.


Der «scharfe Maxx» der Käserei Studer: zartschmelzender Teig, würziges, pikantes Aroma. Diplom an den Swiss Cheese Awards 2006 in der Kategorie «übrige Halbhartkäse».
Rahmkäse aus thermisierter Milch. 30 cm Durchmesser, 7 – 8 kg. Reifezeit ca 6 Monate.

Aber der Optimismus der Behördenvertreter wurde an den Ständen der Ausstellung nicht von allen Produzenten geteilt. Durch Abbau und Umlagerung von Subventionen, Mehrkosten in Marketing und Logistik wird das komplexe System Monat für Monat neu austariert. Es gibt, wie bei jedem Strukturwandel, Gewinner und Verlierer. Auf der Seite der Gewinner stehen jene Betriebe, die sich frühzeitig ein klares Profil erarbeiten oder wirkungsvoll im Verbund arbeiten.

So exportiert die Bodenseekäse AG Qualitätsprodukte erfolgreich in den süddeutschen Raum und baute sich gleichzeitig mit der Produktion für das Tiefpreissortiment eines Grossverteilers ein neues Segment auf. Bodenseekäse findet sich in der M-Budgetlinie.
Der „Scharfe Maxx“ der Käserei Studer entwickelte sich dies- und jenseits der Grenze zu einem Verkaufsschlager.

Auch andere Unternehmen, die nahe der Schweizer Grenze zum Allgäu und zum Vorarlbergischen produzieren, fürchten die Marktöffnung nicht. Produzenten im EU-Raum, die auf Qualität setzen, haben keinerlei Interesse an einem Preiszerfall. So wird schon heute lokaler Alpkäse in Vorarlberg zum stolzen Preis von zwanzig Euro im Detailhandel angeboten.

Aus der Käserei von Bruno Pfister in Gibswil ZH kommt der „Hinkelstein“, ein lang gereifter Hartkäse, der es mit Parmesan aufnehmen kann. Er gewann an den Swiss Cheese Awards 2006 die Siegertrophäe der Kategorie «übrige Hartkäse» und beteiligt sich am Regio-Programm «Natürli Zürcher Berggebiet». (Bild: foodaktuell)

Käsereien, die erst in diesem Jahr in den Direktexport einsteigen, stossen auf Hürden der EU-Bürokratie. So müssen sie für eine unbekannte Übergangsfrist finanzielle Garantien für die bald einmal nicht mehr relevanten Zollgebühren hinterlegen. Die Anmeldung wird oft erst nach sechzig Tagen validiert. Konkret betreibt die EU eine Hinhaltetaktik, die bei der Ausnützung von allen Verrechnungsfristen bis zu sechs Monaten über den 1.Juni 2007 hinaus Benachteiligungen der Schweizer Exporte und erhebliche Liquiditäts- und Zinsverluste verursachen wird.

Handfestere Probleme dürften kleine Käsereien haben, die weitgehend für den lokalen Markt produzieren und deren Mengen zu klein sind, um kontinuierlich die Grossverteiler zu beliefern. Eine Direktvermarktung ausserhalb der engeren Region ist derart aufwendig, dass sie die Kosten kaum deckt. Zudem hat sich auch in der Dörfern und Bergtälern das Konsumverhalten verändert. Wohl wird auch in Zukunft im europäischen Vergleich in der Schweiz viel Käse konsumiert, doch vor allem Konsumentinnen setzen auf Light-Produkte, die sie im Angebot der Dorfkäserein nicht finden. (Text: Dr. David Meili)

Show-Käsen an den Toggenburger Käsetagen 2007.
Bild: David Meili

Nächstes Jahr kombiniert mit Swiss Cheese Awards

Gemeinsam mit den Käsetagen Toggenburg 2008 werden nächstes Jahr die Swiss Cheese Awards vom 11. bis 14. September erstmals im Toggenburg vergeben. Nebst dem Wettbewerb finden die Käsetage im üblichen Rahmen statt. Organisiert werden ein grosser Käsemarkt – erstmals im Dorfzentrum von Unterwasser – verschiedene Workshops, Referate und ein vielseitiges Rahmenprogramm.

Der Swiss Cheese Award ist die höchste Auszeichnung, die das Käseland Schweiz vergibt. Die Teilnahme steht allen Käseherstellern offen und dient der Branche als Massstab für die Qualität der Schweizer Käse. Viele prämierte Produkte haben, im Interesse der Schweizer Käsehersteller und zur Freude der Käsegourmets, über die Swiss Cheese Awards den Weg zu den Konsumenten gefunden. Fromarte, der Verband der Schweizer Käsespezialisten, organisiert diesen Anlass mit mehreren zehntausend Gästen regelmässig. (Medienmitteilung OK Käsetage)

Die 2. Toggenburger Käsetage mit dem Käsemarkt in Unterwasser SG dauern noch bis morgen Sonntag. Vorschau lesen.

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