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Kurznews vom 12. Juni 2007

Definition von Kalbfleisch / Milchpreis-Anstieg / Feuerbrand ruiniert Obstbauern / Cremo mit weniger Umsatz / Deutsche Studie «Nanotechnologien bei Lebensmitteln für die Schweiz

von Foodaktuell Importer

EU einigt sich auf klarere Regelungen zur Bezeichnung von Kalbfleisch

(lid, 12. Juni 2007) – Die EU-Agrarminister haben sich am 11. Juni auf klarere Regelungen für die Bezeichnung von Kalbfleisch geeinigt. Hintergrund ist die Tatsache, dass es in Europa zwei verschiedene Produktionsverfahren gibt, nach denen Kalbfleisch produziert wird, wie der Internetdienst vetion.de berichtet. Einmal werden die Tiere hauptsächlich mit Milch und Milchprodukten gefüttert und geschlachtet, bevor sie acht Monate alt sind. In dem zweiten Produktionsverfahren werden die Tiere hauptsächlich mit Getreide gefüttert und ab dem zehnten Lebensmonat geschlachtet.

Die Preise für Fleisch ab Schlachthof bei beiden Produktionsverfahren unterscheidet sich um bis zu 2.50 Euro pro Kilogramm. Der EU-Agrarrat hat nun einen Vorschlag der EU-Kommission zur Vereinheitlichung der Bezeichnung angenommen. Neu werden zwei Bezeichnungen eingeführt. Als “Kalbfleisch” darf künftig nur noch das Fleisch bezeichnet werden, das von Tieren stammt, die zum Zeitpunkt der Schlachtung jünger als acht Monate sind. Fleisch von Tieren, die zwischen acht und zwölf Monaten alt sind, soll künftig als “Jungrindfleisch” vermarktet werden. Diese Regelung soll auch für importiertes Fleisch aus Drittländern gelten. In der EU werden jährlich rund 800’000 Tonnen Kalbfleisch produziert. Grösster Produzent ist mit einem Anteil von 30 Prozent Frankreich.

Anstieg der Milchpreise zu erwarten

(lid, 12. Juni 2007) – Der Milchpreis innerhalb der EU könnte dank grosser Nachfrage um bis zu einem Fünftel steigen. Dies sagten Vertreter von deutschen und österreichischen Milchproduzenten-Organisationen bei einem Treffen mit dem Schweizer Verband am 11. Juni in Bern. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) hoffen, dass sich der Preisanstieg auch auf den Schweizer Markt auswirken wird. Sie wollen sich dagegen wehren, dass die Milch im Preiskampf des Detailhandels als Kampfartikel missbraucht wird.

Wie die SMP-Vertreter von ihren Kollegen aus Deutschland und Österreich erfuhren, dürfte die Hausse auf dem Milchmarkt rund fünf Jahre anhalten. In Deutschland soll der Preis, den Milchproduzenten erhalten, auf bis zu 35 Cent (umgerechnet fast 58 Rappen) pro Kilo steigen. Damit werden sich der Milchpreis der EU und der Schweiz noch stärker angleichen.

Die Schweizer Milchproduzenten unterstützen ihre Kollegen, die bei den WTO II-Verhandlungen eine harte Haltung einnehmen wollen, um den Produktionsstandort Europa zu verteidigen. Sowohl die Schweizer wie die EU-Milchproduzenten wollen Perspektiven, welche ihnen ein wirtschaftliches Auskommen ermöglichen.

Feuerbrand ruiniert Obstbauern

Der Feuerbrand wütet in der Schweiz wie nie zuvor. Bereits mussten
Zehntausende von Bäumen wegen der Bakterienkrankheit gefällt und vernichtet
werden. Der finanzielle Schaden ist immens und zahlreiche Betroffene stehen
vor dem Ruin. Die Bekämpfung des Feuerbrandes ist schwierig. Einzig der
Einsatz von Antibiotika könnte das Schlimmste verhindern. Doch dagegen wehren
sich unter anderem die Imker, weil sie befürchten, dass der Honig
kontaminiert werden könnte. Der Bauernverbandspräsident Hansjörg Walter
fordert gleich lange Spiesse für die einheimischen Produzenten im Vergleich
zu ihren Kollegen in den Nachbarländern. Dort darf Streptomycin gegen den
Feuerbrand eingesetzt werden. (LID 11. Juni 2007)

Cremo macht weniger Umsatz

(lid, 8. Juni 2007) – Der Freiburger Milchverarbeiter Cremo hat im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um 2,8 Prozent auf 493,6 Millionen Franken verzeichnet. Man habe sich vor allem auf die Verarbeitung konzentriert und auf Leistungen im Zusammenhang mit dem An- und Verkauf von Rohmilch verzichtet, begründete Cremo den Rückgang. Der Gewinn stieg um 5,3 Prozent auf 13,7 Mio. Franken. Der Betriebsertrag konnte trotz stark gestiegener Energiepreise um 2,8 Prozent auf 29,1 Mio. Franken gesteigert werden. Das entspricht 5,9 Prozent des Umsatzes. Die Eigenkapitalquote erreichte trotz grosser Investitionen 50 Prozent, berichtet die Nachrichtenagentur SDA.

Kartoffelbauern gegen Swissgap

(lid, 7. Juni 2007) – Eine Gruppe von Kartoffelproduzenten lehnt sich gegen den privaten Produktionsstandard Swissgap auf. Die Auflagen und die Kostenfolgen seien unverhältnismässig, zitiert der “Schweizer Bauer” aus einer Mitteilung der Gruppe. Damit reagiert die Gruppe mit Kartoffelbauern aus allen Regionen auf eine Rechnung, die die Produzenten vom Verein Swissgap erhielten. Die Gruppe will eine ausserordentliche Versammlung des Verbandes Schweizerischer Kartoffelproduzenten einberufen, um das Swissgap-System zu diskutieren. Auch ein Ausstieg aus Swissgap stehe dabei zur Diskussion. Die Gruppe sammelt nun Unterschriften, um die ausserordentliche Mitgliederversammlung einberufen zu können.

TA-SWISS Studie zu Nanofood

Ende April entschied der TA-SWISS Leitungsausschuss über die Vergabe der neuesten Studie «Nanotechnologien im Bereich der Lebensmittel». Das Öko­Institut in Freiburg i.Br. erhielt den Zuschlag. Das Projekt wird mitunterstützt durch die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).

Die Nanotechnologie — die gezielte Herstellung und Verwendung von Strukturen in der Grösse von weniger als 100 Nanometern (Milliardstel Metern) — wird oft als Zukunftstechnologie des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Populäre Medien berichten auch schon über «Nanofood», wobei einerseits Produktbeispiele und futuristische Szenarien für die Ernährung präsentiert werden, andererseits von unabsehbaren Risiken die Rede ist.

Länger haltbar dank Nanotech

Als Nutzen werden etwa gesundheitsfördernde Zusatzstoffe genannt, auch von längerer Haltbarkeit oder neuen Geschmacksvarianten ist die Rede. Bei den Risiken wird auf die noch zu wenig abgeklärten Auswirkungen der neuartigen Substanzen auf die Gesundheit hingewiesen. In diesem Zusammenhang gibt es Bedenken bei der Bevölkerung, wie die von TA­SWISS im Jahr 2006 durchgeführten Publifocus-Veranstaltungen gezeigt haben.

Folgen frühzeitig klären

Eine Abklärung des Themas drängt sich deshalb auf, bevor alifällige Pro­dukte breit vermarktet werden. Denn die Bevölkerung reagiert sehr sensibel auf die Art und Weise, wie Le­bensmittel hergestellt werden. Dies hat die Debatte zur Gentechnik ganz deutlich gezeigt. Eine frühzeitige, fundierte Auseinandersetzung mit der Nanotechnologle im Bereich der Ernährung (inkl. Verpackungsmaterialien) soll einer sachlichen Diskussion dienen. (Aus dem Newsletter des TA-Swiss: Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung, 7. Juni 2007)