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Lebensmittel in gesunde und ungesunde einteilen?

Die neue EU-Claims-Verordnung könnte Produkte zu Unrecht als ungesund taxieren. Der Herstellerverband BLL appelliert, Nährwertprofil-Deklarationen nicht zu missbrauchen.

von Foodaktuell Importer



Gibt es “gute” und “schlechte” bzw “gesunde” und “ungesunde”
Lebensmittel und falls ja, welche Produkte gehören zu welcher Nährwertprofil-Klasse? Die Gesundwerbung von Ferrero für ihre Kindermilchschnitte jedenfalls ist stark umstritten. Der BLL, Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft fordert wissenschaftlich fundierte Nährwertprofil-Regeln.

Die Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene
Angaben über Lebensmittel (Claims-Verordnung) schafft die
Voraussetzungen zur europaweit einheitlichen Verwendung. Dies begrüsst
der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) im
Hinblick auf die seit dem 1. Juli 2007 geltende Verordnung. Für
nährwertbezogene Angaben wie “fettfrei”, “energiearm” oder “leicht”
gelten nun überall die gleichen Kriterien. Das erhöht die
Rechtssicherheit für Unternehmen und Verbraucher.

Der BLL, Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, sieht
allerdings den restriktiven und bürokratischen Grundansatz der
Verordnung kritisch, nach dem alles, was nicht ausdrücklich erlaubt,
verboten ist. Dies soll ab 2010 / 2011 gelten, wenn alle
Übergangsfristen abgelaufen sind und die Liste der zukünftig
erlaubten gesundheitsbezogenen Angaben beschlossen ist.

“Nur wenn es
gelingt, das Wissen um die Zusammenhänge zwischen Ernährung und
Gesundheit in die praktische Anwendung der Verordnung einzubringen, wird
sie nicht zum Hemmschuh in der Produktkommunikation”, sagt Prof.
Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer des BLL. Der grösste
Unsicherheitsfaktor ist dabei die Frage, welche Anforderungen an den
wissenschaftlichen Nachweis gestellt werden.

Kritisch gesehen werden auch die so genannten Nährwertprofile. Diese
sollen darüber entscheiden, ob ein Lebensmittel mit Nährwert- und
Gesundheitseigenschaften beworben werden darf oder nicht.
“Nährwertprofile dürfen nicht dazu missbraucht werden, Vorurteile
über vermeintlich “gute” und “schlechte”, “gesunde” und “ungesunde”
Lebensmittel zum Bestandteil europäischer Gesetzgebung zu machen,
fordert Horst.

Damit dies nicht geschieht, verlangt die Verordnung
die wissenschaftliche Begründung und Rechtfertigung der
Nährwertprofile. Dieser Forderung gilt es, bei der Formulierung der
Nährwertprofile gerecht zu werden.

Dabei ist vor allem auch zu
berücksichtigen, dass einzelne Lebensmittel aufgrund ihrer
Nährstoffgehalte nicht in “gut” oder “schlecht” eingeteilt werden
können. Entscheidend ist gesamte, ausgewogene Ernährung als Teil
eines gesunden Lebensstils, so der Bund für Lebensmittelrecht und
Lebensmittelkunde e. V. (Quelle: LME)