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Dioxin in Guarkernmehl

Die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde hat im Zusammenhang mit dem Verdickungsmittel Guarkernmehl der Thurgauer Firma Unipektin eine Warnung herausgegeben. Die Produkte weisen einen erhöhten Dioxingehalt auf. Migros ruft Crèmepulver zurück. foodaktuell kommentiert das Thema und gibt den betroffenen Betrieben Tipps.

von Foodaktuell Importer

Die Migrostochter Midor wurde von Unipektin
ordnungsgemäss darüber informiert, dass das gelieferte Guarkernmehl
mit Dioxin belastet sei. In Absprache mit dem Kantonschemiker des
Kt. Zürich hat die Midor AG daraufhin drei betroffene Produkte aus
den Läden zurückgezogen, obwohl dies vom Kantonschemiker nicht gefordert wird. Bild: Guarbohnen.

* Crème Quick Vanille Artikel-Nr. 1025.050

* Crème Quick Schokolade Artikel-Nr. 1025.051

* Mousse Himbeer Artikel-Nr. 1025.074

(Medienmitteilung MGB)

Kommentar und Tipps für Lebensmittel-Betriebe

Die Medien geben dem Thema «Gift in Lebensmitteln» in der sauren Gurkenzeit viel Prominenz, aber Beschlagnahmungen und Rückrufe sind tatsächlich selten. Es besteht ein Unterschied in der Risikobewertung zwischen reinem Guarkernmehl, daraus hergestellten Halbfabrikaten und aus diesen wiederum hergestellten Fertigprodukten. Bisher sind nur Grenzwertüberschreitungen im Guarkernmehl von Unipektin bekannt, nicht von den Derivaten. Dass die Migros dennoch Crèmepulver zurückruft, hat auch mit einer Sorgfaltsdemonstration zu tun: man geht freiwillig in die Offensive und gewinnt Imagepunkte bei den Konsumenten.

Ein akute Gefährdung durch den Konsum von Endprodukten, die allenfalls verunreinigtes Guarkernmehl enthalten, besteht nicht dank der starken Verdünnung, denn die Dosierung von Guarkernmehl in Halbfabrikaten beträgt üblicherweise nur ein Prozent. Dies bestätigte Urs Bänziger vom Bundesamt für Gesundheit in der Espresso-Sendung von Radio DRS am 31. Juli 2007. Das chlorhaltige Dioxin («Seweso-Gift») gilt als krebserregend, aber eine Gefahr besteht nur bei Dauerkonsum von nennenswerten Mengen.

Trotzdem besteht Handlungsbedarf für Konditoreien und andere Betriebe, die Desserts, Glace, Salatsaucen und Molkereiprodukte herstellen. Sie sollen einschlägige Halbfabrikate unter die Lupe nehmen und deren Deklarationen prüfen. Wenn Guarkernmehl bzw Verdickungsmittel E412 vorkommt, ist es angezeigt, vom Lieferanten eine Unbedenklichkeitsbestätigung verlangen. Dieser weiss, ob er Guarkernmehl von Unipektin verarbeitet und kann Analysen machen lassen.

Ist der Grenzwert in der gelieferten Ware überschritten, darf sie nicht verarbeitet werden. Aber in bereits zu Fertigprodukten verarbeiteten Halbfabrikaten wirkt der Verdünnungseffekt. Man kann anhand des Rezeptes den Dioxingehalt im Fertigprodukt rechnerisch ermitteln, und es ist nicht zu erwarten, dass darin der Grenzwert überschritten ist. Dennoch kann man wie die Migros freiwillig betroffene Fertigprodukte sperren. Kunden, die betroffene Produkte konsumierten, müssen sich keine Sorgen machen, da die Dioxinmengen in Fertigprodukten in diesem Fall vernachlässigbar sind.

Wissenswertes über Guarkernmehl bzw Verdickungsmittel (E412)

Guarkernmehl wird aus den Samen von Cyamopsis tetragonolba gewonnen. Die Guarbohne ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminose; Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae)). Sie ist nahe verwandt mit einer Reihe anderer als “Bohnen” bezeichneten Feldfrüchte. Ihren Ursprung hat die etwa 2 m hoch werdende Pflanze wahrscheinlich in Indien, vielleicht aber auch in Zentralafrika. Die heutigen Hauptanbaugebiete liegen in Texas, Indien und Pakistan. Die Blätter und frischen Hülsen werden als Gemüse gegessen.

Die Pflanze bildet etwa 10 cm lange Hülsenfrüchte mit ovalen, etwa 5 mm grossen Samen. Das Guarkernmehl wird durch die Abtrennung der äusseren Schichten sowie des Keimlings vom Samen gewonnen. Das gemahlene Endosperm respektive das Guarmehl enthält neben dem Polysaccharid Guaran 10-15% Wasser, 5-6% Protein, 2.5% Rohfaser und 0.5-0.8% Asche. Die Hauptanbaugebiete sind die USA (Texas), Indien und Pakistan.

Guaran wird als Verdickungsmittel und Stabilistor (Emulgator) eingesetzt (Salatsaucen, Glace). Es kommt auch in der Papier-, Kosmetik- und Arzneimittelindustrie zum Einsatz.
Guaran besteht aus b-D-Mannopyranosylresten, die über 1,4-Bindungen verbunden sind. Jeder zweite Rest trägt als Seitenkette über eine 1,6-Bindung a-D-Galactopyranoseylreste. Guaran bildet hochviskose Lösungen, deren Viskosität von der Scherbelastung abhängig ist. (Quelle: foodnews)

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