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Tante-Emma-Läden haben wieder Chancen

Die Bequemlichkeit löst den Preis als wichtigstes Kaufkriterium ab. Bei der Kaufentscheidung liegt heute der Preis hinter Convenience und Einkaufserlebnis, vor allem in der Schweiz.

von Foodaktuell Importer

“Geiz ist geil” hat ausgedient – zumindest was den deutschen Lebensmittelhandel angeht. Für die Verbraucher zählen immer weniger nur attraktive Preise, wie eine aktuelle Studie der Beraterfirma McKinsey (mckinsey.de) herausgefunden hat. Vielmehr steht die Möglichkeit, nah, schnell und einfach einzukaufen, auf der Prioritätenliste ganz oben. Bild: Dorfladen in Saanen BE.

“Nicht der Preis, sondern Convenience (Bequemlichkeit) ist heute unter den Verbrauchern das wichtigste Kaufkriterium”, so Peter Breuer, Leiter des Konsumgüter- und Handelssektors von McKinsey. “Geschäfte, die den Kundenwunsch nach Convenience und Service befriedigen, stehen vor einem Comeback”, sagt Breuer.

In Grossbritannien hat Marktführer Tesco bereits 1994 seinen ersten Convenience Store in London eröffnet. Kennzeichnend für diesen Ladentyp sind die zentrale Lage, lange Öffnungszeiten und ein übersichtliches Sortiment. Die “Tesco Express”-Läden sind selten grösser als 300 Quadratmeter und bieten kaum mehr als 7.000 Artikel. Mittlerweile betreibt Tesco 750 dieser Läden. Der Umsatz konnte bis 2006 auf 2,1 Mrd. Euro versiebenfacht werden. Die Supermärkte werden deshalb nicht aussterben. Die Studie zeige aber, dass am Markt noch Platz für andere Player ist, heisst es bei McKinsey auf Anfrage von pressetext.

Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel kann sich der Discounter Aldi über die zufriedensten Kunden freuen. Bei den Supermärkten erzielen Edeka und bei den SB-Warenhäusern Kaufland in ihrem jeweiligen Segment Spitzenwerte. In Deutschland folgen bisher vor allem Tankstellen und Kioske dem Trend zum Tante-Emma-Laden im neuen Gewand. Sie haben laut McKinsey im vergangenen Jahr rund 20 Mrd. Euro mit Lebensmitteln, Tabakwaren oder Zeitungen erwirtschaftet.

Zunehmend springt aber auch der traditionelle Handel auf den Zug auf. Spar etwa bietet bereits ein Teilsortiment in Tankstellen an. Mit dem “Spar express Shop” wurde ein spezieller Ladentyp für Flughäfen und Bahnhöfe entworfen. Auch Kaiser’s und Edeka feilen laut McKinsey an kleinen Flächenkonzepten. Das soll aber nur der Anfang sein. “Wir rechnen in den nächsten ein bis drei Jahren mit ähnlichen Modellen zahlreicher Mitbewerber”, so Christoph Eltze, McKinsey-Partner und Co-Autor der Studie.

Hammer- und Rotstiftpreise sind für die Verbraucher jedenfalls nicht mehr der Ausschlag gebende Konsumimpuls. In der Reihenfolge der meist genannten Gründe für die Kaufentscheidung liegt der Preis hinter Convenience und Einkaufserlebnis lediglich auf dem dritten Platz. Der Anteil der Kunden, die vor allem Billigprodukte schätzen, fiel zwischen 2004 und 2006 von 48 auf 40 Prozent. Der Anteil jener, die auf Premiumprodukte und Qualität setzen, stieg dagegen von 24 auf 29 Prozent.

Im Vergleich zu den europäischen Nachbarn hinken die deutschen Verbraucher in punkto Convenience allerdings noch hinterher. Am stärksten auf Bequemlichkeit und Komfort achten der Studie zufolge die Konsumenten aus Frankreich, Italien und der Schweiz. An der McKinsey-Studie, die zum zweiten Mal nach 2004 Einkaufsgewohnheiten im Lebensmitteleinzelhandel untersucht hat, nahmen mehr als 9.000 Verbraucher aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Polen und der Schweiz teil. (Quelle pte)