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KURZNEWS 25. September 2007

Suisse Garantie / Neuer Emmi-CEO / Fenaco mit Steffen-Ris / Migros-Kaffee / Swissgap-Verzögerung / EU-Strategie gegen Tierseuchen / Zwetschen-Rekordernte

von Foodaktuell Importer


„Suisse Garantie“ für Restauration- und Hotelgewerbe

Die Spitzen des Schweizerischen Bauernverbandes, von GastroSuisse und von
hotelleriesuisse trafen sich zu einem weiteren Informations- und Gedankenaustausch.
Ziel war es, sich gegenseitig über ausgewählte politische Entwicklungen zu
informieren und gemeinsame Handlungsachsen zu erörtern. Die im Frühling begonnenen Gespräche zwischen dem Schweizerischen Bauernverband,
GastroSuisse und hotelleriesuisse laufen weiter. Die Folgen eines Freihandelsabkommens
mit der EU im Landwirtschafts- und Lebensmittelbereich wurden ebenso thematisiert wie das
Mineralölsteuergesetz oder die Raum- und Regionalpolitik. Sehr konkret wurde es bei der
Herkunftsbezeichnung SUISSE GARANTIE. Damit werden Schweizer Landwirtschaftsprodukte
ausgezeichnet, die aus zertifizierten Betrieben mit umweltgerechter und
gentechfreier Produktion und Verarbeitung stammen.

Die drei Verbände wollen eine
gemeinsame Arbeitsgruppe einsetzen, um die Möglichkeiten der Einführung von Suisse
Garantie im Restaurationsgewerbe und in der Hotellerie zu prüfen. Die Produktdeklaration
wurde auch ganz generell diskutiert. Im Weiteren war man sich einig, dass das Nationale Programm Alkohol 2007 – 2011 zu weit geht. Zustimmung fand dagegen die soeben abgeschlossene Anhörung zu einer Verordnung
des Bundesamtes für Veterinärwesen: An der Möglichkeit, Speise- und Küchenreste in
homologierten Betrieben für die Schweinefütterung einzusetzen, soll festgehalten werden.
(Gemeinsame Medienmitteilung Schweizerischer Bauerverband, GastroSuisse und
hotelleriesuisse vom 25. September 2007)

Urs Riedener ist neuer CEO von Emmi

Der Verwaltungsrat hat Urs Riedener zum neuen CEO der Emmi Gruppe gewählt. Urs Riedener ist heute Mitglied der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bund und Leiter des Departements Marketing. Durch seine Tätigkeit in der Migros kennt er sämtliche Aspekte des Detailhandels aus Marketing, Verkauf und Produktion. Zuvor war er bei Lindt & Sprüngli tätig, wo er national und international die Markenposition erfolgreich mit Spitzenprodukten ausbaute. Der 42-jährige Urs Riedener studierte an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Der Verwaltungsrat ist überzeugt, dass mit der Wahl von Urs Riedener eine starke Persönlichkeit mit grosser Führungserfahrung an die Spitze der Emmi gelangt. Er übernimmt seine Funktion bei Emmi spätestens am 1. April 2008. Walter Huber gibt per Ende September 2007 die operative Führung ab und steht bis Ende Jahr für Spezialprojekte zur Verfügung. In der Zwischenzeit wird der Stellvertretende CEO Robert Muri das Tagesgeschäft führen. Der Verwaltungsrat der Emmi heisst Urs Riedener herzlich willkommen und dankt Walter Huber und Robert Muri sowie sämtlichen Mitgliedern der Konzernleitung für den grossen Einsatz. (25. September 2007, Emmi)

Fenaco steigt bei Steffen-Ris ein

24.09.2007 – (lid) – Die Fenaco beteiligt sich per 1. Janaur 2008 an der Gemüse- und Obsthandelsfirma Steffen-Ris.
Die Beteiligung, die stufenweise ausgebaut werden soll, erlaube eine engere Zusammenarbeit mit dem Ziel, zukünftige Investitionen zu koordinieren, heisst es in einer Medienmitteilung. In der Beschaffung und der Vermarktung würden die beiden Unternehmen selbständig bleiben und getrennt am Markt agieren. Die Wettbewerbskommission muss der Beteiligung zustimmen.

Die Zusammenarbeit von Obsthandelsfirmen in dieser Grössenordnung sei eine “neue Dimension” des Strukturwandels, die vor allem durch den Druck der Grossverteiler zustandekomme, die Zahl der Lieferanten zu straffen, erklärte Geschäftsführer Thomas Steffen gegenüber dem LID. Steffen-Ris erzielte 2006 einen konsolidiertenJahresumsatz von 150 Millionen Franken. Es sei nicht ein Entscheid aus der Not heraus, sondern im Sinne einer langfristigen Perspektive angesichts sich öffnender Grenzen.

Über die Höhe der Beteiligung der Fenaco sei Stillschweigen vereinbart worden, es sei aber angesichts einer schwierigen Nachfolgeregelung in der Firma “denkbar”, dass Steffen-Ris irgendwann auch ganz in der Fenaco aufgehe. Steffen-Ris arbeite im Bereich Äpfel und Birnen mit den Firmen Füglister, Iseppi und Alpfruit zusammen. Diese Kooperation beschränke sich auf den Abnehmer Migros und werde durch die Beteiligung der Fenaco nicht tangiert, sagte Steffen weiter.

Migros stellt um auf Kaffee aus nachhaltiger Produktion

Die Migros setzt auch im Kaffee-Sortiment auf nachhaltige, sozialverträgliche Produktion. Die Umsetzung beginnt mit Espresso-Kaffee von Produzenten, die durch die weltweit tätige Non-Profit-Organisation UTZ CERTIFIED zertifiziert sind. Mit diesem Schritt nimmt die Migros ihre ökologische und soziale Verantwortung wahr und schafft Transparenz im Kaffee-Sortiment bei unverändert guter Kaffee-Qualität.

Kaffee wird zu 90 Prozent über die Kaffee-Börsen in New York und London eingekauft. Genaue Herkunft und Anbaumethoden des Kaffees sowie der Lebensstandard der Kaffeefarmer sind oft nicht nachvollziehbar. Deshalb hat die Migros entschieden, in diesem Bereich mehr Transparenz zu schaffen. In Zusammenarbeit mit der weltweit tätigen Zertifizierungs-Organisation UTZ CERTIFIED bietet sie seit einigen Tagen im Standard-Sortiment den Espresso-Kaffee in der blauen Verpackung aus nachhaltiger Produktion an. Mengenmässig entspricht dieses Teilsortiment rund einer Million Kilogramm Rohkaffee aus verschiedenen Ländern. Nach Abschluss einer sechsmonatigen Einführungsphase entscheidet die Migros, ob auch das restliche Kaffee-Standardsortiment, mit Ausnahme von Max Havelaar und M-Budget, mit dem UTZ CERTIFIED-Signet gekennzeichnet werden soll.

Das Zertifizierungsprogramm steht für professionelle Anbaupraktiken nach den Grundsätzen der integrierten Produktion. Zudem stellt es sicher, dass die Arbeiter und ihre Familien in angemessenen Unterkünften leben können, Zugang zu medizinischer Versorgung, Schulen und Weiterbildung haben. Des weitern garantiert das Programm, dass die Arbeitsrechte gemäss den Konventionen der internationalen Arbeitsorganisation ILO respektiert werden. UTZ CERTIFIED unterstützt die Farmer durch professionelle Ausbildungsprogramme im Kaffeeanbau, Marketing und Management und stellt ihnen Marktinformationen zur Verfügung. Dies ermöglicht den Kaffeeproduzenten die Erschliessung neuer internationaler Märkte und bietet ihnen somit bessere Verhandlungsmöglichkeiten für vorteilhaftere Preise wie auch bessere Kundenbeziehungen.

Grosse wie auch kleinere Farmen, die sich dem UTZ CERTIFIED-Programm anschliessen, produzieren nach Eurepgap-Standard und verpflichten sich zur Einhaltung des UTZ CERTIFIED-Code of Conduct. Die Farmen werden jährlich durch unabhängige, professionelle Inspektoren (z.B. IMO, SGS) auf die Einhaltung der Anforderungen hin überprüft.

Die Migros wird neben Kaffee mit UTZ CERTIFIED-Zertifizierung weiterhin auch das Max Havelaar Fairtrade-Label führen (Anteil ca 5 %). Sowohl Max Havelaar wie auch UTZ CERTIFIED sind führende Zertifizierungsprogramme. Beide arbeiten am Ziel, den Kaffeesektor in eine nachhaltige Richtung zu bewegen. Max Havelaar ist ein Hilfsprogramm, das Kleinbauern-Kooperativen für die Arbeit einen Mindestpreis garantiert zur Verbesserung ihres Lebensstandards. UTZ CERTIFIED-Farmer hingegen arbeiten mehr marktorientiert. Das Modell erlaubt den zertifizierten Farmen aller Grössen und Herkunftsländer, für ihren professionell und nachhaltig angebauten Kaffee, bessere Preise auszuhandeln.

Für UTZ CERTIFIED Kaffee entstehen der Migros Mehrkosten, welche sie für Prämien und Logistikkosten aufwenden muss. Der Verkaufspreis für Espresso-Kaffee erhöht sich somit je nach Abfüllgewicht zwischen 10 und 40 Rappen. Die Migros ist mit einem jährlichen Kaffee-Volumen von über 11’350 Tonnen (davon 600 t Max Havelaar-Kaffee) Marktleaderin in der Schweiz. Der Kaffee wird vom Migros-Unternehmen Delica AG eingekauft und geröstet. (Quellen: MGB, utzcertified.org 20. September 2007)

Verzögerungen bei Swissgap

(lid) – Die Einführung des Produktionsstandards Swissgap erfährt eine Verzögerung. Der Verein SwissGAP hat zusammen mit den Grossverteilen Migros und Coop an seiner Sitzung vom 10. September 2007 einstimmig beschlossen, vorerst das Benchmarkingverfahren mit EUREPGAP zurückzustellen. Dies obwohl von EUREPGAP im November 2006 bestätigt wurde, der Schweizer Standard SwissGAP sei gleichwertig. Nachträglich kritisiert wurden allerdings noch die Kontrollfrequenzen auf Stufe Produktion und die Anzahl der Oberkontrollen. Ein weiterer Grund für die Zurückstellung liegt darin, dass EUREPGAP bereits für 2007 ein erneutes Benchmarkingverfahren mit zusätzlichen Anforderungen verlangt. SwissGAP sieht einen neuen Anlauf für das Anerkennungsverfahren frühestens für 2010 vor.

Das Kontrollsystem von SwissGAP ist den Anforderungen von EUREPGAP (heisst seit Sept. 2007 „GLOBALGAP“) mindestens ebenbürtig: auch für die internen Kontrollen auf Stufe Produktion arbeitet SwissGAP ausschliesslich mit akkreditierten Inspektionsstellen. SwissGAP sieht für Produktionsbetriebe, die alle Anforderungen erfüllt haben, Nachkontrollen alle 3 Jahre vor. Dies im Gegensatz zum Kontrollsystem EUREPGAP, wo eine solche Akkreditierung für interne Kontrollen nicht verlangt ist, dafür aber jeder Produzent jährlich kontrolliert werden muss. Auch andere Länder und gebenchmarkte Organisationen würden das Kontrollsystem von SwissGAP gerne übernehmen.

Ein entsprechender Antrag wurde für die EUREPGAP Version 2007 aber leider nicht berücksichtigt. Stattdessen wurden die Antragsteller auf die Version 2010 vertröstet.
Zusätzlich hätte SwissGAP nach dem System EUREPGAP etwa zehnmal mehr Oberkontrollen durchführen müssen. Eine Auflage, die der Verein SwissGAP ebenfalls für unverhältnismässig und viel zu teuer hält und daher nicht umsetzen will.
Weil SwissGAP alle anderen Anforderungen der EUREPGAP-Version 2004 erfüllt, sind die Abnehmer Migros und Coop mit den Abweichungen bei der Oberkontrolle und dem 3jährigen Kontrollrhythmus auf Stufe Produktion einverstanden. Sie akzeptieren deshalb auch die Zurückstellung des Anerkennungsverfahrens.

Wie geht es weiter? Für die SwissGAP-angemeldeten Betriebe ändert sich nichts. Das heisst, Vermarkter werden zertifiziert und dafür jährlich kontrolliert, während Produzenten von SwissGAP anerkannt und grundsätzlich alle 3 Jahre kontrolliert werden.
Der Verein SwissGAP strebt weiterhin die Anerkennung durch EUREPGAP an. Er wird sich dafür einsetzen, dass eine vernünftige Lösung für die Kontrollfrequenzen gefunden wird. Um dies zu erreichen, stellt sich SwissGAP für ein EUREPGAP-Pilotprojekt zur Verfügung. Danach wird ein neuer Anlauf fürs Anerkennungsverfahren genommen.
Eine weitere Option ist die Akkreditierung des SwissGAP-Standards durch die Schweizerische Akkreditierungsstelle SAS unabhängig von EUREPGAP. (Medienmitteilung Swisscofel 20. Sept. 2007)

Neue EU-Strategie gegen Tierseuchen

20.09.2007 – (lid) – Mit einer Strategie zur Tiergesundheit will die Europäische Kommission in den kommenden sechs Jahren Tierkrankheiten reduzieren und die Folgewirkungen von Seuchen minimieren. Vorsorgemassnahmen, Kontrollen und Forschung sollen hierbei grösseres Gewicht erhalten. Die Kommission weist zudem darauf hin, dass alle Akteure im Bereich der Tiergesundheit Verantwortung für die Ziele der Strategie übernehmen müssen. Nur so könne die Politik der EU bezüglich der Tiergesundheit solide und effizient sein. Die Politik könne darüber hinaus nur dann fruchten, wenn sie mit anderen Feldern der Gemeinschaftspolitik verzahnt werde.

“Tiergesundheit beeinflusst sowohl die menschliche Gesundheit, die Lebensmittelsicherheit und das wirtschaftliche Wohlergehen als auch die ethischen Werte”, zitiert der Onlinedienst “agrarheute.com” den EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou. Die Politik ziele auf ein “höchstmögliches Niveau im Bereich der Tiergesundheit und des Tierschutzes”.

Ziel sei es, die Risiken zu senken, die bestimmte Tierkrankheiten für die Bevölkerung bergen, sagte Kyprianou weiter. Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche 2001 hatte gravierende Folgen für die Wirtschaft, die sozialen Strukturen, den Handel und den Tierschutz der EU schlechthin. In den letzten Jahren haben die Kommission und die EU-Staaten mit Erfolg einen stärker vorbeugenden Ansatz verfolgt – mit strengeren Massnahmen zur Überwachung und Bekämpfung bestimmter Tierkrankheiten. Dieser vorbeugende Ansatz soll laut Kommissionsstrategie noch erweitert werden.

Rekordernte bei Zwetschgen

Die inländische Tafelzwetschgenernte geht zu Ende. So früh wie noch nie und mit einer
Rekordmenge von 3700 Tonnen. Mit vereinten Kräften konnten die blauen Früchte allesamt
auf dem Frischmarkt abgesetzt werden. Optimaler Behang, gute Fruchtgrössen, hohe Qualität und wenige Ausfälle durch Krankheiten und Hagel: Die inländische Zwetschgenernte 2007 geht als die reichste in die Geschichte
ein. In den vergangenen zehn Jahren waren es durchschnittlich rund 2500 Tonnen gewesen.

Dabei hatte alles schwierig angefangen: Der aussergewöhnlich frühe Erntestart Mitte Juli fiel
in die flauen Sommerferien. Die Konkurrenz zu Pfirsichen, Nektarinen und Aprikosen war
gross. Ausserdem war das feucht-kühle Augustwetter für die Spätsommerfrucht nicht eben
appetitanregend. Die Obstbauern und ihre Vermarkter kämpften mit Absatzproblemen.
Dass die gesamte Produktion ihren Käufer fand, hatte letztlich ihren Preis: die Grossverteiler
führten viele Verkaufsaktivitäten mit tieferen Preisen durch, und auch die Produzenten und
Händler nahmen Preisnachlasse in Kauf.

Neben den für Tafelzwetschgen optimalen Vegetationsbedingungen ist die Grossernte
darauf zurückzuführen, dass die Obstproduzenten in den letzten 10 Jahren viel in neue Sorten
mit grossen und saftigen Früchten aus modernen Niederstammanlagen investiert haben.
Damit können sie den Markt kontinuierlicher versorgen. Zudem bleibt Wertschöpfung in der
Schweizer Tafelzwetschgenproduktion und im Obsthandel erhalten. (SOV, 19. September 2007)