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Appenzell an der Gourmesse 2007

Trotz tieferen Besucherzahlen war die Zürcher Gourmesse 2007 ein Erfolg. Die Aussteller verkauften mehr Produkte als letztes Jahr. Nebst Showkochen, Seminaren, Olivenölbar und Sensorik-Workshops gab es wieder viele Spezialitäten zu entdecken. Gastkanton war Appenzell mit seinen erfolgreich vermarkteten Produkten. Einige Rosinen vom jährlich wachsenden Messekuchen. Fotoreportage.

von Foodaktuell Importer

Appenzeller Brauerei Locher: Weizenbier, naturtrüb. Bierstil würzig und fruchtig. Neu: Reisbier aus Reis vom Maggiadelta und Schweizer Kristall, ein starkes Schwarzbier.

Neu von der Brauerei Locher ist Vollmondbier-Shampoo mit dem esotherischen Biovollmondbier. Man darf bei jeder Mondphase damit duschen, aber es gibt noch keine wissenschaftlichen Studien, ob es auch bei Neumond wirkt.

Neu von Kabier: Salametti aus Kabier-Rindfleisch und Weide-Wollschwein-Speck. Hergestellt von der Appenzeller Metzgerei Fässler.

Kabierfleisch wird nach dem Vorbild des japanischen Kobe Beef produziert, ist stark marmoriert, sehr saftig und zart. Der Kabier-Produzent Sepp Dähler (Bild) füttert Limousin-, Angus- und Charolais-Rinder mit Nebenprodukten der Brauerei Locher und massiert sie täglich. Man munkelt, dass die glücklichen Tiere sogar dem Metzger die Hand lecken.

Immer noch ist der kleinste Kanton der Schweiz in zwei Halbkantone geteilt. Auch heute, wo sich ganz Europa zusammenschliesst, finden die Appenzeller ihre Halbkantone sinnvoll. Eine Fusion ist kein Thema, aber wenn schon fusionieren, dann gleich mit St.Gallen und Thurgau zum Grosskanton Ostschweiz, lautet der Tenor bei den Einheimischen. Vielleicht wäre auch das Fürstentum Liechtenstein darin willkommen, sofern Vaduz nicht den Anspruch auf die Hauptstadt erhebt.


Appenzeller Landbäckerei Sammelplatz: «Berewegge» mit Birnen, Feigen und Nüssen, Appenzeller Biber und Fünfpfünder-Ruchbrot, eine Rarität (je grösser der Laib desto länger bleibt er feucht). Die Bäckerfamilie Fässler lädt Kundengruppen in die Backstube ein zum Biber-Showbacken.

Warum sind die Appenzeller im Marketing ihrer Region und Produkte so vorbildlich und keineswegs hinterwäldlerisch? Bilderbuch-Bergwelten gibt es ja auch in andern Kantonen. Das Besondere an Appenzell ist zum Einen die familiäre Geborgenheit und das gelebte Brauchtum, das Touristen anspricht und sich für die emotionale Werbung gut eignet. Wohlige Emotionen gewinnen in unserer intellektualisierten und globalisierten Welt immer mehr Wert.
Zum Andern «sind die Appenzeller ein stolzes Volk», begründet der Marketingleiter einer Appenzeller Firma den Erfolg. Kommt der Erfolg vom Stolz oder der Stolz vom Erfolg? Vermutlich schaukeln sich beide gegenseitig in die Höhe.

Appenzeller Alpenbitter: aus 42 geheimen Kräutern und 29% Geist. In Wirklichkeit enthält die Geheimmischung auch Wurzeln, Blüten, Samen und Rinden, wodurch hiermit das Geheimnis ein bisschen gelüftet ist.

Der Magenbitter wird als Aperitiv zu Weisswein oder heute auch als Digestiv mit Eis genossen. Früher war die Deklaration «ärztlich empfohlen» erlaubt. Er wird in Innerrhoden im Hauptort Appenzell hergestellt aber auch in Ausserrhoden getrunken.


Bild: Appenzell, Hauptort von Innerrhoden (nicht Hauptstadt, weil die Idylle nur 6000 Einwohner hat, 4000 zu wenig für den Titel Stadt). Aus der Milch von der Kuh im Vordergrund entsteht vermutlich Appenzeller Käse, womit diese Spezialität auch erwähnt sei. Die Rinde wird mit geheimer Kräutersulz geschmiert, und die Kräuter stammen aus demselben Betrieb, der den Alpenbitter herstellt. Geheimnisse zu inszenieren ist auch eine Marketingstrategie der Appenzeller.

Zu guter Letzt bleiben noch die «Chrempfli» zu erwähnen aus Chräbeliteig ohne Anis mit Haselnussfüllung. Früher waren sie ein Souvenir der Landsgemeinde, das die degentragenden Männer ihren nicht stimmberechtigten Frauen nachhause brachten. Warum sie Chrempfli heissen, ist wieder ein Geheimnis.

Die Gourmesse 2008 findet vom 10. – 13. Oktober 2008 wieder im Kongresshaus Zürich statt.

Weiterlesen: Trouvailles der Gourmesse 2007