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Warum Brot teurer wird

Rohstoffengpässe bei Weizen, Roggen, Dinkel und weiteren Produkten, aber auch Preisanpassungen bei Energie, Hefe und Milchprodukten verteuern die Brotproduktion in kumulierter Form. Aber jeder Unternehmer muss selber entscheiden, wie viel der zusätzlich deklarierten Drittkosten per 1. November 2007 auf den Brotpreis aufgeschlagen werden können. In dieser Preisrunde werden alle Anbieter inklusive der Grossverteiler mitmachen müssen, wollen sie den Brotmarkt nicht mittels Quersubventionierung verfälschen.

von Foodaktuell Importer

Eine durchschnittliche Brotpreisanpassung um 8–9% ist gemäss Bäckermeisterverband angezeigt. Bei Kleingebäck teilweise sogar mehr als 10%.

Noch vor wenigen Wochen wurde mit einer Mehlpreiserhöhung von zehn Franken für 100 kg gerechnet. Gemäss den aktuellsten Informationen aus dem Dachverband Schweizerischer Müller (DSM) beläuft sich der kalkulierte Preisanstieg unterdessen auf durchschnittlich 18 Franken. Fast noch dramatischer: Weltweite knappe Vorräte und eine starke Nachfrage lassen die Marktsituation sehr unklar erscheinen. Die Hoffnung auf eine weltweit gute Ernte 2008 zeigt, wie labil die globalisierte Wirtschaft auf Produktionsschwankungen bei Rohstoffen für die Grundnahrungsmittel reagiert.

Bei Spezialmehlen muss sogar mit wesentlich grösseren Preisanpassungen gerechnet werden; Lieferengpässe sind nicht auszuschliessen (Dinkel). Dazu kommen die (wenigstens für die Landwirtschaft erfreulichen) Verknappungen bei Milch und Butter, welche sich ebenfalls in höheren Preisen niederschlagen. Weil der Markt unterdessen auch in der Landwirtschaft spielt, sorgen künstliche Getreideverknappungen für tendenziell überhöhte Preise. Die Getreideproduzenten erwägen sogar, Anbauflächen zu reduzieren, um die hohen Getreidepreise nachhaltig zu stabilisieren – für die Versorgung sollen andere sorgen!


Offizielle Stellungnahme des Schweizerischen Bäcker- und Konditormeisterverband SBKV zur aktuellen Brotpreisdiskussion.

Mangel an Brotgetreide:
Der weltweite Mangel an Brotgetreide verteuert das Mehl markant. 2007 gibt es weltweit zu wenig Brotgetreide und in der Schweiz fehlen 30%. Zudem wird immer mehr Getreide zu Biotreibstoff verarbeitet.

Mehlpreisaufschlag:
Mehl wird 15% teurer. Der Brotpreis wird bis zu 25% vom Rohmaterial bestimmt. Die Mühlen haben insgesamt zu wenig Brotgetreide zur Verfügung. Engpässe gibt es v.a. bei Roggen, Dinkel und Bio-Mehlen. Darum steigen die Mehlpreise aktuell um mindestens 15%.

Lohnanpassung:
Die Löhne sollen mindestens um die Teuerung erhöht werden. Der Brotpreis wird zu 40% von den Löhnen bestimmt. Die Löhne in der Bäckerbranche sind verhältnismässig bescheiden. Sie sollen auch 2008 mindestens um die Teuerung erhöht werden können.

Verhältnismässigkeit:
Die Brotpreisanpassung belastet ein Haushaltbudget mit 1 Fr./Woche. Der Brotpreis blieb in den letzten Jahren stabil und ist für ein Qualitätsprodukt aus der Bäckerei angemessen. Kaufkraftbereinigt sind die Schweizer Brotpreise europaweit bei den tiefsten.

Viele kleine Faktoren…:
Steigende Preise auf vielen andern Positionen wie Strom, Zinsen, Verpackungsmaterial usw. tragen zur Brotpreiserhöhung bei. Die Administration, Investitionen, Amortisationen, höhere Strom- und Verpackungspreise sowie Hygiene- und Sicherheitsanstrengungen werden auch über den Brotpreis bezahlt.

Text: Auszug aus Berichten im Panissimo vom 5.10. und 19.10.07 von Thomas Gehrig, Direktor SBKV
Bilder: foodaktuell

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