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Preisinsel verschwindet aber andersherum

Schweizer Bauern werden wettbewerbfähiger

von Foodaktuell Importer


Weil die Preise für Lebensmittel in den Nachbarländern ansteigen, werden die Schweizer Bauern unversehens wettbewerbsfähiger.

Das wichtigste Ziel von Bundesrätin Doris Leuthard erfüllt sich, so scheint es, ganz von selbst: Die Hochpreisinsel Schweiz verschwindet langsam. Nicht weil die Preise in der Schweiz sinken würden, sondern weil sie in der EU steigen. Denn in Europa und auch weltweit wird die Nahrung für Mensch und Tier teurer, insbesondere Weizen, Gerste, Mais, Soja, Raps und Milch.

Damit sind auch die Schweizer Bauern ganz ohne ihr Zutun plötzlich wettbewerbsfähiger: Die Preisdifferenzen zwischen den Produzentenpreisen im In- und im Ausland verringern sich stark. Weizen und Gerste waren vor einem Jahr in der Schweiz noch zweieinhalb oder drei Mal so teuer wie in Deutschland, kostet der Weizen heute in der Schweiz nur noch ein Drittel mehr, die Gerste ist praktisch gleich teuer.
Dies legte Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, bei der Vorstellung des diesjährigen Agrarberichtes am 21. November in Bern dar.


Höhere Preise auch im Laden


Auch bei Milch und Milchprodukten haben sich die Preise angeglichen. In Deutschland werden derzeit Preise von bis zu 65 Rappen bezahlt, im EU-Schnitt sind es zwischen 55 und 60 Rappen. 2006 klagten die Bauern in Deutschland über Milchpreise von gut 40 Rappen. Die Preisdifferenz zwischen der Schweiz und der EU hat sich damit von 30 Rappen auf 15 Rappen halbiert.

Entsprechend werden in Deutschland die Konsumenten zur Kasse gebeten. Frischprodukte sind innert Jahresfrist um ein Zehntel teurer geworden, Milch und Milchprodukte um 30 Prozent, die Butter sogar um 60 Prozent, Brot um knapp fünf Prozent. Weil der Anteil der Weizenkosten an einem Brot nur gering ist, ist die Steigerung dort kleiner.


Preis bleiben hoch


Bereits teurer wurde in Deutschland das Geflügelfleisch. Auch der Preis für Schweinefleisch wird noch ansteigen. Weil die Preise für Gerste, Soja und Mais bereits steigen, werden auch die Futtermittel teurer, und damit auch das Fleisch. Bei der Geflügel- und Schweinefleischproduktion ist der Anteil des Futters an den Produktionskosten besonders hoch.

In der Schweiz kommen die Preiseaufschläge verzögert und nicht so stark. Bis zum September sind die Konsumentenpreise nur um 0,3 Prozent gestiegen. Im November haben die Grossverteiler nun bereits die Preise von Milchprodukten und Brot erhöht. Auch das Fleisch dürfte noch teurer werden.

Beim Bundesamt rechnet man damit, dass die Lebensmittelpreise auch auf längere Sicht auf hohem Niveau bleiben. Die Hauptgründe dafür: Die Weltbevölkerung nimmt zu. Jährlich leben 70 Millionen Menschen mehr auf der Welt.
Dann steigt in China und Indien der Wohlstand. Damit wird mehr Milch und Fleisch konsumiert, es braucht mehr Ackerbauprodukte für Tierfutter. Immer mehr Mais und Zuckerrohr wird für die Ethanolproduktion angebaut.

Von 5 Milliarden Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche sind nur 1,5 Milliarden für Ackerbau nutzbar. Auch die Verfügbarkeit von Wasser ist in manchen Regionen ein Problem. Die Landwirtschaft wurde in manchen Ländern ökonomisch ausgeblutet. In England und Deutschland haben zum Teil sogar grosse und effiziente Betriebe Mühe, wirtschaftlich zu überleben.
(Quelle: LID)

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