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Kartoffelproduzenten lehnen SwissGAP ab

Die Kartoffelbauern erteilen dem Produktionsstandard SwissGAP eine Absage. Beim Handel herrscht Unverständnis über die Ablehnung.

von Foodaktuell Importer

Die Kartoffelproduzenten lehnen die vom Handel vorgeschlagene finanzielle Beteiligung an den Aufwendungen für die Einführung von SwissGAP als ungenügend ab.

Der Handel, allen voran die beiden Grossverteiler Migros und Coop, welche von ihren Lieferanten die SwissGAP Anerkennung fordern, haben in den Verhandlungen mit dem VSKP zugesagt, sich an den Kosten für SwissGAP zu beteiligen. Dies mit einem einmaligen Unterstützungsbeitrag von maximal 1’000 Franken pro anerkanntem Produktionsbetrieb. Sie würden dafür 5 Millionen Franken zur Verfügung stellen und rund 5’000 Produzenten von Schweizer Früchten, Gemüse und Kartoffeln unterstützen.

Da SwissGAP kaum Forderungen stellt, die über das Gesetz hinaus gehen, ist eine solche Unterstützung ein aussergewöhnlicher Schritt. Von den ausländischen Lieferanten von Obst, Gemüse und Kartoffeln verlangen Coop und Migros bereits seit 2004 eine entsprechende GlobalGAP-Zertifizierung, ohne dass sich der Handel daran beteiligt hätte.

Grosse Zugeständnisse an die Produzenten

Mit der Offerte kam der Handel den Produzenten einen weiteren grossen Schritt entgegen, nachdem die definitive Einführung von SwissGAP statt bis 2008 nun auf 2010 verschoben wurde. Bis 2010 wurde ausserdem dem 3-Jahres Kontrollhythmus zugestimmt. Verzichtet wird auch auf die Übernahme der materiellen Änderungen im neuen GlobalGAP-Protokoll von 2007. Die Kartoffelproduzenten hingegen lehnen die vom Handel vorgeschlagene finanzielle Beteiligung als ungenügend ab. Migros und Coop halten daran fest, ab Ernte 2010 nur noch SwissGAP anerkannte Ware anzunehmen.

Der Widerstand gegen SwissGAP zum aktuellen Zeitpunkt erstaunt. Seit 2003 haben die Grossverteiler ihre Forderung kommuniziert. Man hat sich mit den Produzentenverbänden darauf geeignet, gemeinsam eine gegenüber der einzelbetrieblichen Zertifizierung kostengünstigere branchenweite Lösung, eben SwissGAP, zu erarbeiten. Auf Initiative der Produzentenverbände wurden die ursprünglichen Umsetzungsdokumente vereinfacht und auf die Bedürfnisse der Schweizer Betriebe angepasst.

So ist es möglich, dass sich mehrere Kleinbetriebe zusammenschliessen, sich gemeinsam anerkennen lassen und so ihren Aufwand reduzieren. Eine Lösung, welche gerade auch den Kartoffelproduzenten mit kleinen Flächen entgegenkommen würde. Der Widerstand des VSKP erstaunt auch deshalb, weil sich bereits mehr als 2’370 Produzenten für eine SwissGAP Anerkennung angemeldet haben.

Von Konsumentenseite sieht man SwissGAP als wirksames Kontroll- und Steuerungsinstrument an, um sicherzustellen, dass die gesetzlichen Vorgaben und die gute Agrarpraxis eingehalten und weiterentwickelt werden. Auch sie dürften vom ablehnenden Entscheid der Kartoffelproduzenten erstaunt und enttäuscht sein.

Gegen Migros und Coop wurde bei der Weko von Kartoffelproduzenten Klage eingereicht. Die Weko sieht in der Bevorzugung von SwissGAP-Ware jedoch keinen Missbrauch und eröffnet deshalb kein Verfahren, wie sie kürzlich mitteilte.

Was ist SwissGAP?

Um für die Konsumenten die gesetzlich vorgeschriebene Lebensmittelsicherheit und die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen, werden Lebensmittel weltweit nach dem Produktionsstandard GlobalGAP (früher EurepGAP) produziert und kontrolliert. Mit SwissGAP wurden der Standard an die Bedürfnisse der Schweiz mit ihrer Struktur, den kleinflächigen Betrieben und den differenzierten Marktbedürfnissen angepasst. Migros und Coop verlangen von ihren internationalen Früchte-, Gemüse- und Kartoffellieferanten GlobalGAP. Ab Ernte 2010 fordern sie dies auch vom Inland, wobei Schweizer Lieferanten auch den vereinfachten SwissGAP Standard verwenden können. (Quelle: Migros, Coop, Swisscofel)