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Schweizer Güggeli in Vorarlberg

Die thurgauische Geflügelverarbeiterin Frifag verkauft seit kurzem in Vorarlberg Güggeli am Spiess, die doppelt so teuer sind wie die österreichischen. Der Verkauf ist gut angelaufen.

von Foodaktuell Importer

Frifag-Geschäftsleiter Andi Schmal inmitten seiner Güggeli. Ein paar davon exportiert er nach Österreich.

Die Österreicher können seit dem 6. November 2007 frische Natura-Güggeli aus der Schweiz kaufen. Die Natura Güggeli AG, eine Tochter der Geflügelproduzentin Frifag AG aus dem thurgauischen Märwil, hat zwei Verkaufswagen im österreichischen Vorarlberg stationiert, bei denen die Passanten essfertige Poulets am Spiess kaufen können.

Mit dem Start im neu erschlossenen Markt ist Frifag-Geschäftsleiter Andi Schmal zufrieden, obschon er von der ersten Verkaufswoche noch keine Verkaufszahlen präsentieren kann. In der Schweiz wird die Frifag in diesem Jahr knapp 600‘000 Poulets verkaufen können. „Auf dem österreichischen Markt geht es nicht primär um eine möglichst grosse Verkaufsmenge“, sagt Schmal. Vielmehr sollen Erfahrungen im Exportgeschäft gesammelt werden.


Unklarheiten bei Verpackung


Erste Erfahrungen sind gesammelt worden. Obwohl der Export von Poulet ab dem 1. Januar 2007 vereinfacht worden ist (siehe Kasten), bestehen laut Schmal noch bürokratische Hürden. „In Brüssel werden die Gesetze gemacht, die jeder Zollbeamte anders interpretiert”, sagt er. Beispielsweise musste die Frifag zuerst rausfinden, wie die Export-Poulets überhaupt verpackt werden müssen. Auch die Zollbeamten hätten es zuerst nicht gewusst, weil noch nie jemand Poulet exportiert habe. „Schliesslich mussten wir jeden Palettrahmen, in dem die Poulets bereits am Spiess verpackt waren, mit einem Plastik umhüllen”, erzählt Schmal.

Auf allen vier Seiten müsse die Verpackung mit einer Etikette versehen sein, die zugleich als Siegel diene. So kann die Verpackung nicht aufgemacht werden, ohne dass die Etiketten zerrissen werden. Auf jeder Etikette muss die Herkunft deklariert werden, zudem muss der Schlachttag, das Verbrauchsdatum und der Name des Mästers darauf ersichtlich sein. „So weiss der Grilleur am Verkaufswagen in Österreich, woher die Poulets kommen”, sagt Schmal.


Vorteil dank Kenntnissen


Die grösste Investition für die Natura Güggeli AG, um den Markt in Vorarlberg aufbauen zu können, war die Gründung einer Niederlassung im österreichischen Hard. Zudem wurden zwei neue Verkaufswagen angeschafft. „Die Region Vorarlberg ist uns näher als das Berner Oberland”, sagt Schmal. Die Poulets sind per Lieferwagen in einer Stunde von Märwil nach Hard geliefert.

„Durch die geografische Nähe kennen wir auch die Gewohnheiten der Konsumenten besser.” Marktabklärungen hätten gezeigt, dass in Vorarlberg der Güggeli-Markt nicht gerade floriere. „Wir haben im Vorfeld im lokalen Radio und in Lokalzeitungen für unsere Güggeli geworben”, sagt Schmal.

Ein halbes Natura-Güggeli kostet fünf, ein ganzes zehn Euro. Ein Schweizer Poulet ist damit doppelt so teuer wie ein lokal produziertes Poulet. „Trotzdem kaufen die Vorarlberger unsere Güggeli, weil die Poulets gross sind und das Fleisch konsistent ist”, sagt Schmal. Zudem würden die Güggeli-Grilleure auf ein gepflegtes und sauberes Erscheinungsbild achten, was bei den Verkäufern von lokal produziertem Poulet nicht der Fall sei. „Wer einmal bei uns ein Poulet kauft, kommt auch ein zweites Mal”, ist Schmal überzeugt.


Zwei Franken pro Kilogramm


Obschon der Export von Güggeli im Rahmen der bilateralen Abkommen vereinfacht worden ist, muss die Frifag am Zoll in die Tasche greifen. „Wir bezahlen zwei Franken Zoll pro Kilogramm Poulet”, sagt Schmal. Die Zollabgaben seien teilweise Abfertigungskosten, die sich mit einer grösseren Exportmenge verringern würden. „Weil aber die Frische der Poulets eines unserer wichtigsten Kriterien ist, liefern wir zwei Mal pro Woche nach Österreich.” Deshalb seien die Lieferungen dementsprechend klein.


Micarna setzt nicht auf frische Poulets


Die Frifag ist nicht der grösste Player auf dem Schweizer Geflügelmarkt, mit einem Produktionsmengenanteil von 10 Prozent ist sie die Nummer drei. Die Migros-Tochter Micarna und der Coop-Schlachtbetrieb Bell decken drei Viertel des Schweizer Geflügelmarktes ab.

Bei der Micarna gibt man dem Export von frischen Poulets wenig Chancen. „Aufgrund des Preisgefälles zwischen der Schweiz und der EU sind wir im Ausland nicht konkurrenzfähig”, sagt Marketingchef Patrick Wilhem. Vielmehr setze die Micarna auf den Export von Convenience- Produkten und verarbeiteten Fleischwaren, die sie im Ausland mit dem Mehrwert „Swissness“ als Spezialität oder in Nischenmärkten platzieren könne.

Im Gegensatz zur Micarna will die Frifag ihren Exportmarkt vergrössern. „Falls das Geschäft läuft, werden wir es ausdehnen, auch wenn die Grenzen geschlossen sind”,sagt Schmal. Chancen für seine Güggeli sieht er vor allem im grenznahen Ausland, und zwar in Städten, Agglomerationen und Feinkostläden. Schmal ist sich sicher: „Irgendwann werden die Grenzen aufgehen. Unser Vorteil wird es dann sein, dass wir bereits im Ausland Fuss gefasst haben.”


Gleichwertige Vorschriften


Auf den 1. Januar 2007 ist der Fleischexport – von lebenden Tieren bis hin zum Güggeli am Spiess – vereinfacht worden. Vorschriften im Veterinärbereich, die in den bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU geregelt sind, wurden zwischen den beiden Ländern harmonisiert. Mit der Harmonisierung wurden laut Cathy Maret, Mediensprecherin beim Bundesamt für Veterinärwesen, die administrativen Hürden beim Export abgebaut. Will ein Betrieb Fleisch exportieren, muss dieser laut Maret nicht EU-zertifiziert sein. Vielmehr erteile der zuständige Kanton dem Betrieb eine Exportbewilligung, falls er gewisse Qualitätskriterien erfüllt. (Quelle: LID, Helene Soltermann)

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