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Tiefkühl-Produkte: Vor-/Nachteile und Trends

von Foodaktuell Importer


Lange Haltbarkeit und wenig Verluste an Aromen und Mikronährstoffen sind die wesentlichen Vorteile von TK-Produkten. Der Zeitbedarf zum schonenden Auftauen gehören zu den Nachteilen. Warum legt diese Convenienceart auf hohem Niveau weiter zu?

Beliebte TK-Desserts. Bild: Mousse von Frisco (Nestlé)

Bei vielen Arten von Desserts ist das Tiefkühl-Lagern nicht nur ein logistischer sondern auch ein hygienischer Vorteil. Gut zum Tiefkühlen eignen sich auch die meisten Gemüsearten und sinnvollerweise vor allem jene, die saisonal geerntet, ganzjährig nachgefragt und im Frischzustand nicht lange lagerfähig sind. Nebst der Convenience von gerüstetem Gemüse sind die Vorteile die Qualitätskonstanz und die Abwesenheit von Rüstverlusten.

Bei Pasta bestehen spezifische Vorteile: tiefgekühlte Pasta seien bissfester als pasteurisierte, meint man bei Frigemo. Der Grund: Durch Frosten kann man den Garprozess am Al dente-Punkt stoppen, durch blosses Kühlen jedoch nicht genügend schnell. TK-Pasta sind daher eher bissfest, während pasteurisierte während der Lagerung weiterhin Feuchtigkeit zwischen äussern und innern Zonen austauschen, wodurch die Bissfestigkeit leidet.

Nachteilig dagegen kann bei einigen TK-Produkten der Auftauzeitbedarf sein. Fleisch muss man sehr langsam auftauen, sonst entstehen Saftverluste bis zu dreissig Prozent. Hingegen entfällt separates Auftauen beispielsweise bei Gemüse, Kartoffelspezialitäten, Snackprodukten, Pizza und Fertigmenüs, welche man bei Gartemperatur auftauen kann.

Ein Hauptargument der TK-Hersteller ist jedoch die schonende Verarbeitung und Lagerung: Im Tiefkühler geschieht kein mikrobieller Verderb und nur ein langsamer Vitaminabbau. Vitamingehalte von tiefgekühltem Gemüse liegen sogar oft höher als von frischem, weil das so genannt frische bei den Verbrauchern selten erntefrisch verarbereitet wird – im Gegensatz zum tiefgekühlten in der Industrie.

Frischgemüse wird oft im Kühlhaus gelagert, und bei diesen Temperaturen baut sich immer noch Vitamin C ab. Spinat kann in drei Tagen Kühllagerung achtzig Prozent seines Vitamin-C-Gehalts verlieren. Ausserdem: TK-Produkte sind oft knapper gegart als pasteurisierte oder sterilisierte Produkte. Beim Regenerieren erfolgt die Restgarung. Das Risiko des Verkochens ist daher geringer als bei den andern Produktarten.


Lob vom «Saldo»

«Tiefkühlgemüse ist oft gleich vitaminreich wie frisches», titelte kürzlich «Saldo». Das Konsummagazin verglich frische Broccoli, Karotten, Spinat, Rosenkohl, Schwarzwurzeln und Bohnen mit tiefgekühlten und sterilisierten in Dosen. Die gemessenen Vitaminmengen wurden verglichen mit den Erfahrungswerten einer deutschen Nährwertdatenbank.
Fazit: in mehreren Fällen enthielt das Tiefkühlprodukt trotz Verlusten durch Blanchieren in etwa gleich hohe Vitamingehalte, teilweise sogar höhere.

TK-Rosenkohl schnitt ebenso wie frischer mit einer sehr guten Gesamtnote ab. Anders beim Broccoli: Hier lag der frische höher. Umgekehrt war es beim Spinat: Freiland-Spinat enthielt rund 50-mal weniger Vitamin C als der Erfahrungswert – und 30- respektive 20- mal weniger als die anderen Spinatproben. Dies deutete auf eine unsachgemässe und zu lange Lagerung hin.



Beim Vergleich mit Sterilkonserven muss man die scheinbaren Vitaminverluste im Aufguss
und den unterschiedlichen Gargrad berücksichtigen: TK-Gemüse besitzt den Vorteil des tieferen Gargrades wogegen Dosengemüse durchgegart ist. Aber in Sterilkonserven bleibt der Vitamingehalt im Unterschied zum Tiefkühlgemüse stabil.

Verblockt oder freirollend?

Die modernen lose gefrorenen Produkte (IQF, individually quick frozen) lassen sich auch in gefrorenem Zustand portionieren. Laut Ditzler ist IQF heute Standard, und blockgefrorene Produkte haben fast keine Bedeutung mehr. Frigemo stellt jedoch fest, dass in Grossküchen Blockgefrorenes immer noch gefragt ist, weil dort die Portionierbarkeit keine Rolle spielt.
Blockgefrorenes hat auch bei der Haltbarkeit einen Vorteil: Da es zwischen Produkt und Verpackung keine Hohlräume gibt, kann keine Wasser-Migration aus dem Lebensmittel zur Verpackungs-Innenseite stattfinden. Bei IQF-Produkten dagegen tritt bei langem oder schwankendem Lagern oft Schnee in der Verpackung auf. Er ist die Folge einer langsamen Gefriertrocknung und sollte mitgegart werden, da diese Wassermenge zum Produkt gehört.

Aber es gibt bei heiklen Produkten wie Broccoli heute «leicht verblockte», die sich ohne Auftauen trennen lassen. Das Verblocken schützt vor Bruch und Entmischung beim Handling. Eine Untergruppe der IQF, die Saucen-ummantelten Produkte, legen gemäss Frigemo ebenfalls zu: Dank individuellem Frosten einzelner Stücke und kryogenem Coating kann man heute auch Eintopf- und Saucengerichte portionierbar herstellen. Jedes Stück Fleisch oder Gemüse weist bereits eine Schicht angefrorener Sauce auf. Spezialist für diese Technologie ist Frostag sowie neuerdings auch Frigemo.

TK-Konsum: USA an der Spitze

Medienmitteilung des deutschen Tiefkühlinstituts:

Amerikaner lieben Tiefkühlkost. Der Pro-Kopf-Verbrauch tiefgekühlter Lebensmittel – ohne Speiseeis – lag 2006 in den USA bei 51,8 Kilogramm. Laut der Schweizer Marktforschungsfirma Food for Thought sind damit die US-Bürger Spitzenreiter beim Verzehr tiefgekühlter Lebensmittel im Vergleich ausgewählter Länder. Die kanadischen Nachbarn kamen nur auf 35,5 Kilogramm im Durchschnitt.



In Europa sind es vor allem die Briten, die zu Tiefkühlkost greifen. Sie verzehrten im Jahr 2006 44,7 Kilo pro Kopf. In Deutschland wurden im Vergleich dazu 2006 lediglich 37,7 Kilo vom Säugling bis zum Senior im Schnitt verbraucht. Aktuell werde der Durchschnittsverbrauch um 700 Gramm auf 38,4 Kilo im 2007 steigen, schätzt das Deutsche Tiefkühlinstitut (dti) in Köln.

Immer beliebter wird Tiefkühlkost vor allem in den südlichen Ländern Europas. In Spanien kletterte der Verbrauch auf 31,9 Kilo. Das waren knapp zehn Kilo mehr als im Jahr 2001. Bei den Italienern stieg der Pro-Kopf-Verbrauch auf exakt 16 Kilo, was einem Plus von über vier Kilo entspricht. Gründe für die steigende Nachfrage sind nach Ansicht des dti-Geschäftsführers Manfred Sassen der Rückgang der Anzahl der Lebensmittelgeschäfte, die verbesserte Ausstattung der Tiefkühlabteilungen des Handels, die wachsende Anzahl berufstätiger Frauen sowie die Zunahme der Single-Haushalte in den mediterranen Regionen von Europa.

Gemüse und Obst aus der Tiefkühlung weltweit beliebt

Vor allem Gemüse und Obst sind als TK-Convenience bei den Verbrauchern beliebt, dies unabhängig von Nationalität und kulturellen Verzehrgewohnheiten. Aber auch Kartoffelprodukte und komplette Menüs aus der Tiefkühlung sind weltweit stark im Trend. Bei den Spaniern kommt vorrangig Tiefkühlfisch auf den Tisch. Die Briten dagegen schätzen insbesondere TK-Fleisch. In Deutschland sind Torten, Brötchen und Pizzas in der Verbrauchergunst zuoberst. (Text: dti)

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