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Erfahrungen im Export

Pioniere im Fleisch-/Wurstwaren-Export stellen fest, dass die Qualität im Ausland gelobt wird, und die Schweiz als Ferienland bei Konsumenten Goodwill besitzt. Aber die Krux liegt in den Margen. Einige Beispiele von konkreten Erfahrungen von Berlin bis Frankreich.

von Foodaktuell Importer

Bell beliefert seit 2006 Cactus, die Nummer 1 im Retailmarkt von Luxemburg mit einem Spezialitäten-Sortiment von rund 15 Artikeln sowie mehrere Retailer in Deutschland. Besonders erfolgreich sind laut Bell-Sprecher Davide Elia die Bell Quick-Produkte (Schüfeli und Nüssli) sowie Spezialitäten-Würste wie Bratwurst mit Bärlauch, St. Galler Kalbsbratwurst und Cervelas mit Käse. Die Exportprodukte entsprechen den Schweizer Originalen, aber Verpackungsdesign und -grössen sind speziell auf die Exportmärkte ausgerichtet. «Der Exportanteil ist noch tief», so Elia, «aber wir bauen die Aktivitäten kontinuierlich aus».

Traitafina machte bereits an der «Internatinalen grünen Woche» in Berlin 2007 gute Erfahrungen mit ihrem Fleischlabel SwissPrimGourmet und den Cleanlabel-Spezialitäten («ohne E-Nummern»), Dips und Salatsaucen. Und über dieselbe Messe im Januar 2008 berichtet Traitafina-Marketingleiter Max Rusterholz: «Viele Kunden von der letzten Messe besuchten uns wieder um einzukaufen. Sie sind unseren E-freien Produkten gegenüber sehr positiv eingestellt. Auch E-freie Kalbsbratwürste wurden recht gut nachgefragt, und dies im Wurstparadies Deutschland».

Am Traitafinastand der IGW 2008.

Von links: BLW-Direktor Manfred Bötsch, Bundesrätin Doris Leuthard und Traitafina-CEO Hermann Bader.

Die Lenzburger exportieren vor allem Fleisch- und Wurstwaren wie SwissPrimGourmet Bündnerfleisch, -Beef-Jerkey, Gourmet-Menüs sowie Dipsaucen in namhafte Kanäle in Deutschland, Ungarn und Rumänien wie z. Bsp an Dalmayr und Tesco. Frischfleisch-Export ist eher die Ausnahme. Verschiedene Salatsaucen unter der Marke Traitafina (ebenfalls E-frei) sind zur Zeit noch in der “Pipeline”.

Andrea Stocker, Sales Support Managerin: «Wir konzentrieren uns im ersten Schritt auf den deutschsprachigen Raum. Für den Export entwickeln wir keine speziellen Produkte: Die Schweizer Qualität mit einer 100%igen Rückverfolgbarkeit wird auch hier überzeugen, aber die Produkte müssen lückenlose Herkunfts-Veterinärzeugnisse aufweisen, und die vom BAG ausgestellte Betriebsnummer ist ein Muss».

Hinzu kommt ein Imagevorteil bei Schweizer Produkten angesichts der nicht endenden Gammelfleischskandale in Deutschland: Traitafina bemüht sich sowohl um Qualität wie auch um Lebensmitelsicherheit. Traitafinachef Hermann Bader: «Der durch diese Anstrengungen etwas höhere Preis ist durch einen echten Mehrwert überaus gerechtfertigt. Der Mehrwert stimmt zuversichtlich, dass die Marktchancen im EU-Raum nicht utopisch sind».

Chancen auch für KMU

Auch Kleinbetriebe haben Chancen: Die Metzgerei Bernet in Obermumpf AG beispielsweise beliefert den Europapark im deutschen Rust mit ihren Spezialitäten. Weitere Pioniere sind die Berner Metzgereien Meinen und Mérat (letztere eine Migrostochter) sowie Del Maître in Satigny und Bigler AG in Büren a.d.Aare.

Del Maître engagiert Rad-Weltmeister Albert Zweifel für die Sempionesalami-Werbung.

Hans Reutegger, Marketingleiter bei Mérat besitzt Erfahrung aus seiner früheren Tätigkeit in der Grossmetzgerei Meinen und betont die Bedeutung von Swissness und Werbung mit der Tradition. Beispiele sind Kalbsbratwurst, Cervelas und Käsewürste – letztere exportiert Meinen unter dem Namen «Berner Würstchen». Allerdings: die Berner Zungenwurst – ohne Zunge – heisst im Export Bergwurst.

Überschaubare Familien-Betriebe verbunden mit Tradition und Brauchtum geben Schweizer Produkten ein positives Image. Unsere Landwirtschaft produziert in einem Bilderbuch-Umfeld, und der hohe touristische Bekanntheitsgrad des Landes ist ein Garant für den Absatz. Bild: Alpweide am Parsenn oberhalb von Davos.

Dies bestätigt eine Umfrage an der Grünen Woche in Berlin. Es wurde erforscht, ob und welche Chancen Schweizer Fleisch- und Wurstwaren bei den Deutschen Konsumenten haben. Fazit: über 90 % der befragten KonsumentInnen sind bereit, Schweizer Fleischwaren zu kaufen. Die Preisoberschwelle liegt bei 20 % Differenz zu vergleichbaren EU-Produkten.

Auch wenn das tatsächliche Verhalten – wie immer in einer Befragung – vom deklarierten abweichen kann: Reutegger empfindet diese Umfrageresultate als gute Voraussetzung für den Export von Schweizer Spezialitäten. Doch er verhehlt nicht, dass «ein Marktaufbau mindestens fünf Jahre dauert und Export ein Rappengeschäft ist: In der Aufbauphase ist Export defizitär, und danach wird sich die Marge bei vierzig bis fünfzig Rappen pro Kilo Wurstwaren bewegen».



Export nur ins grenznahe Ausland


Der Genfer Charcuterie-Spezialist Del Maitre exportiert seine Produkte seit 2001 ins benachbarte Frankreich. Mit seinen 23 t Export deckt er immerhin beinahe 35% des gesamt-schweizerischen Exports von Wurstwaren ab. Der Erfolg beruht laut Geschäftsführer Joseph Aeby auf einem einfachen Prinzip: Export nur in die nahe gelegenen Gebiete, also regional. Und ausserdem nur Produkte, die in dieser Region bereits bekannt sind, jedoch von Del Maître in besserer Qualität angeboten werden. Leader sind Cipolatas, Wienerli, Cervelas und Kalbsbratwürste.

Auch wenn mit der Äquivalenz des Lebensmittelgesetzes die Zollabfertigung stark vereinfacht wurde, sind die Zolltarife mit 1 Euro pro Kilo Fleisch hoch und erschweren die Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb ist die Genfer Firma für ein Freihandelsabkommen mit der EU. Dies auch, weil die Schweizer Fleischwirtschaft im eigenen Land kein Entwicklungspotenzial mehr habe, sich aber im Ausland durchaus einen Platz erkämpfen könne. (Quelle: Alimenta, Claude Liengme)

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