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Weniger Bio Suisse-Betriebe produzieren mehr

Der Bio-Markt boomt wieder. Der Umsatz mit Bio-Produkten stieg im Jahr 2007 um 7,7% auf knapp 1,3 Mia Franken. Der Bio-Lebensmittelmarkt wuchs mehr als doppelt so stark wie der Gesamtmarkt (+3%).

von Foodaktuell Importer


Biobrot hat mit 16.4% den grössten Marktanteil aller Produktegattungen. Bild: Biobrot-Pionier Andreas Lehmann mit zwei seiner Favoriten: Links Roggenbrot mit selbst gezüchtetem Natursauerteig. Rechts Urdinkelbrot mit Oliven und Peperoncini.

Der Umsatz mit Bio-Produkten stieg im Jahr 2007 um 7,7% auf 1,29 Mia Franken – zum Vergleich: der
konventionelle Lebensmittelmarkt stieg um nur 3%. Rund 75% der Bio-Produkte gingen 2007 über die
Ladentische von Coop (51% Marktanteil, 664 Mio Franken) und Migros (24% Marktanteil, 306 Mio Franken).
Einen kräftigen Wachstumsschub erlebten die Direktvermarkter mit einem Plus von 12% (62 Mio Franken) und
der Bio-Fachhandel mit fast 10% mehr Umsatz (199 Mio Franken). „Nach zwei verhaltenen Jahren geht es
endlich wieder vorwärts“, freute sich Jacqueline Forster-Zigerli, Sprecherin von Bio Suisse, anlässlich der
Medienkonferenz auf dem Bio-Weingut Turmgut in Erlenbach/ZH.

Bio-Frischprodukte immer beliebter

Das Bio-Gemüse legte um 10,2% zu und erzielte einen Umsatz von 125 Mio. Franken. Der Marktanteil von
Bio-Gemüse beträgt 10%. Beliebt sind auch Bio-Früchte (+ 8,5%, 66,9 Mio. Franken Umsatz, Marktanteil
5,4%) und Bio-Eier (+8,2%, 35,2 Mio. Franken Umsatz, Marktanteil 16%). Der Bio-Fleischabsatz nahm um
12,6% zu und verzeichnete einen Umsatz von 59,1 Mio Franken. Der Marktanteil beim Fleisch bleibt mit 1,5%
allerdings klein. Auch der Konsum von Milchprodukten (Trinkmilch, Jogurt, Quark) nahm 2007 wieder zu, und
zwar um 5% auf rund 146 Mio Franken. Bio-Milchprodukte haben einen Marktanteil von rund 8%. Bio-Käse
wurde gar 7,3% mehr verkauft (Umsatz: 64,5 Mio Franken, Marktanteil 5%).

Hohe Nachfrage und
ausserordentliches Wetter führten im vergangen Jahr sogar zu Lieferengpässen. So wurden Bio-Eier zeitweise
zur Mangelware. Bio-Getreide war chronisch knapp und von Früchten, Gemüse, Beeren, Kräutern, Rapsöl und
Kartoffeln in Bio-Qualität hätte sich problemlos mehr verkaufen lassen. Der Markt könnte daher gut einige
hundert neue Bio-Betriebe aufnehmen.

Die Westschweiz holt auf

Markant stieg die Zuwachsrate in der Westschweiz an. Der Gesamtbiomarkt nahm im französischsprachigen
Landesteil um 9% oder 15,6 Mio Franken zu. Bei den Frischprodukten betrug die Zuwachsrate 9,6% oder
10,1 Mio Franken, bei Bio-Fleisch, Bio-Früchten und Bio-Gemüse sogar19,5%, resp. 15% und 12%. Gründe
für dieses aussergewöhnlich starke Wachstum dürften das gestiegene Bewusstsein für ökologische Fragen und
die bessere Verfügbarkeit in einer grösseren Anzahl von Detailhandels-Filialen sein.

Weniger Betriebe bewirtschaften grössere Biofläche

Im Jahr 2007 arbeiteten 5651 Landwirtschaftsbetriebe nach den Richtlinien von Bio Suisse, resp. sind
zertifizierte Knospe-Betriebe. Das sind 220 Betriebe weniger als im Vorjahr und entspricht einem Anteil von
10,2% am Total der gesamtschweizerischen Betriebe. Erstmals führt Bio Suisse in ihrer Statistik auch die 600
Bio-Betriebe auf, die nach der Bioverordnung des Bundes arbeiten, aber nicht nach den Richtlinien von Bio
Suisse und deshalb auch nicht knospe-zertifiziert sind. Daraus ergibt sich eine Gesamtzahl von 6249 Bio-
Betrieben. Dies entspricht 11,3% aller Landwirtschaftsbetriebe. Dieser Anteil blieb im Vergleich zum Vorjahr
konstant.

Vor Jahren hatten Bioweine keinen guten Ruf. Heute produzieren Bio-Weinbauern Spitzenweine, wie Markus und Barbara Weber (Bild) in Erlenbach/ZH. Sie erhielten im letzten Jahr für Ihren Riesling-Sylvaner 2006 den 2. Preis des „Grand Prix du Vin Suisse“.
Zusätzlich erhielt derselbe Wein das Prädikat „Bester Bio-Wein der Schweiz“.

Die gesamte Bio-Fläche nahm im vergangenen Jahr um 2000 Hektaren zu und betrug 121’000 Hektaren. Das
sind 11,3% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Davon wurden 111’000 Hektaren von knospezertifizierten
Bio-Betrieben bewirtschaftet, 10’000 Hektaren von Bioverordnungs-Betrieben.

Im vergangenen Jahr schwächte sich der Rückgang bei der Zahl der biologisch bewirtschafteten Betriebe leicht
ab (Abnahme 2007: 220 Betriebe; Abnahme 2006: 243 Betriebe). Für 2008 haben sich erfreulicherweise
bereits 99 Betriebe neu bei Bio Suisse angemeldet. Die Verluste lassen sich mit dem Strukturwandel erklären. Andere Betriebe wenden sich vom Biolandbau ab,
weil die Vorschriften in ihren Augen zu streng sind. Bio Suisse bedauert dies.

Neu: Knospe mit Schweizerkreuz

Für die Bio-Knospe ist es eine grosse Herausforderung, sich im Konkurrenz-Umfeld von ausländischen Bio-
Labels zu behaupten. Bio Suisse will daher die speziellen Vorzüge von Bio-Knospe-Produkten hervorstreichen
und lanciert als erstes eine Knospe mit Schweizerkreuz. Auf dem Bio Suisse-Label sind ausserdem weitere
Zusätze geplant, beispielsweise „Gourmet“ oder „Ferme“. Während „Gourmet“ Produkte auszeichnet, die
besonders hohen geschmacklichen Qualitätsanforderungen entsprechen, können direktvermarktende Bio-
Bauern ihre Produkte mit dem Zusatz „Ferme“ als hofeigen deklarieren.

Die Bio-Direktvermarktung – also der Kauf ab Hof oder auf dem Markt – wuchs im vergangenen Jahr um starke
12%. Bio Suisse ist überzeugt, dass hier noch ein grosses Wachstumspotential besteht. Mit der neuen Website
www.knospehof.ch bringt Bio Suisse die Bio-Direktvermarkter mit den Kundinnen und Kunden zusammen. Wo
in meiner Nähe befindet sich der nächste Bio-Hof? Wo finde ich frisches Bio-Fleisch und Bio-Gemüse? Wo
kann ich ein Bio-Eier-Abo lösen? Auf diese Fragen gibt die neue Website Antwort.

Zu strenge Vorschriften?

In den vergangenen Wochen berichteten die Medien viel vom Unmut von Bio-Bauern, die sich über die
verschärften Fütterungsvorschriften beklagten. Gemäss Bio-Verordnung des Bundes müssen seit dem 1. Januar
2008 neu 100% des Futters für Wiederkäuer aus biologischer Produktion stammen (statt 95% wie bis anhin).

Bio Suisse Präsidentin Regina Fuhrer: „Längerfristig ist eine hundertprozentige Bio-Fütterung nicht nur machbar und sinnvoll, sondern trägt auch zu
einer noch grösseren Glaubwürdigkeit des Biolandbau bei: Konsumentinnen und Konsumenten erwarten, dass
ein Bio-Tier auch Bio-Futter bekommt“

Die Bio-Verordnung wurde in diesem Punkt geltendem EU-Recht angepasst. Bio Suisse musste diese neue
Regelung ebenfalls übernehmen. Insbesondere für Betriebe im Berggebiet kann sie allerdings zu Engpässen bei
der Futtermittelbeschaffung führen. “Bio Suisse hat deshalb beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eine
Übergangsfrist bis zum 31. März 2009 verlangt“, erläuterte Bio Suisse Präsidentin Regina Fuhrer an der
Medienkonferenz.

Allerdings sind davon nur die so genannten Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung
betroffen (z.B. Zuckerrübenschnitzel oder Abgang aus Obst- und Gemüseverarbeitung). Für Gras, Heu,
Silomais und Maiswürfel gilt diese Übergangsfrist nicht. Diese Futtermittel müssen seit dem 1. Januar 2008
konsequent in hundertprozentiger Bio-Qualität an die Tiere verfüttert werden. Ziel von Bio Suisse ist es, die bereits vereinbarte Übergangslösung über März 09 hinaus zu verlängern. (Medienmitteilung Bio Suisse)