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Strom oder Erdgas?

70 Prozent der Backflächen in der Schweiz sind elektrisch beheizt gemäss der Bäckereizeitung Panissimo, und gewerbliche Bäcker bevorzugen meistens Elektro-Backöfen. Die meisten industriellen Bäckereien dagegen verwenden zum Beheizen der Durchlauföfen Erdgas. Bei steigenden Strompreisen lohnt sich ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Ofensystemen und eine langfristige Kalkulation.

von Foodaktuell Importer



Seit anfangs 2008 wird der Schweizer Strommarkt schrittweise liberalisiert. Betriebe, die über 100’000 kWh brauchen, können ihren Lieferanten frei wählen. Die Nachfrage steigt bei stagnierender Produktion: Eine starke Strompreis-Steigerung ist zu erwarten.

1 kWh Strom ist zwar teurer als 1 kWh Erdgas- oder Heizöl, aber Strom ist für Kleinbetriebe komfortabler. «Und mit Strom kann man pro kWh mehr Brot backen, weil der Wirkungsgrad von Elektroöfen besser ist», so Stettler. Die Unterschiede sind allerdings situativ verschieden. Als Vorteil von Strom nennt Panissimo die feinere Temperaturregelung einzelner Backetagen und weniger starke Temperatur-Schwingungen. Ausserdem erübrigen sich Kamin und Brennstofftank sowie deren Unterhaltskosten.

Die Anschaffungspreise für Elektro-, Erdgas- und Heizöl-Backöfen divergieren, wenn man Brenner und Wärmetauscher mitkalkuliert. «Elektroöfen sind oft leicht günstiger», konstatiert Pitec-Verkaufsleiter Reto Zogg. Aber bei Umstellung von Strom auf Gas besteht ein grosses Betriebskosten-Sparpotenzial: «Wenn der Gaspreis beispielsweise bei 9 Rp/kWh und der Strompreis tagsüber bei 20 Rp/kWh liegt, spart man etwa die Hälfte», rechnet Martin Stadelmann vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) vor.

Kilowattpreis und Wirkungsgrad

Für die Frage «Strom oder Erdgas» spielen Kilowatt-Preise und Wirkungsgrad die grösste Rolle. «In der Westschweiz wird generell mehr Erdgas verwendet, weil dort die Strompreise höher sind», so Stadelmann. Bei steigenden Strompreisen und dem Trend zum Tagesbacken während des Strom-Hochtarifs lohnt sich daher der Vergleich.

Beim Gasofen entsteht zwar ein Abgas-Wärmeverlust, aber diese Wärme kann man mit einer Wärmerückgewinnungsanlage zurückgewinnen für Warmwasser, Raumwärme oder Fernwärme. Die meisten industriellen Bäckereien verwenden zum Beheizen der Durchlauföfen Erdgas gemäss Erfahrung von Stadelmann.

Der Listenpreis von 1 kWh eines fossilen Energieträgers ist tiefer, und mit Wärmerückgewinnung (WRG) sind Erdgas und Heizöl noch günstiger als Strom. «Man muss jedoch den Energieaufwand bzw die Kosten anwendungsbezogen vergleichen», gibt Stettler zu bedenken. «Entscheidend ist, wieviel Energie für die Herstellung einer Produkteinheit aufgewendet werden muss».



Schweizer Bäckereien bevorzugen traditionellerweise Strom, aber Erdgas ist in den meisten Regionen erheblich günstiger. «Je grösser die Produktionsmengen desto eher spricht die Kalkulation zugunsten von Erdgas oder Heizöl», so Zogg. «Ab 100 Tonnen Mehlverbrauch pro Jahr ist Strom meistens teurer». Viele mittelgrosse gewerbliche Bäckereien mit Filialen oder Migros-Hausbäckereien übersteigen diese Grenze. Teilweise besitzen Betriebe beide Systeme, um flexibel zu sein, aber in der Industrie kommen Elektroöfen selten vor.

«In der Bäckerei fallen die Einsparungen durch Erdgas dort am grössten aus, wo am Tag nachgebacken wird», so Stadelmann. «Ähnlich hoch ist die Einsparung Pizza-Durchlauföfen. Ferner verbessert die Kontinuität der Gas-Wärme dank modulierenden Brennern die Qualität der Pizzen». Ansonsten ist «der Einfluss der Energiequelle auf die Produktqualität eher eine Frage von Handling und Gewohnheiten», meint Zogg.

Auch ökologisch macht es Sinn, Erdgas als Primärenergieträger für die Wärmegewinnung zu nutzen («Erdgas erwärmt, Strom erhellt»). Strom zu verheizen ist grundsätzlich ineffizient, weil dessen Primärenergie zuerst mit einem teilweise schlechten Wirkungsgrad in Strom umgewandelt und transportiert wird (Wasserkraft hat einen guten Wirkungsgrad von 0.9, Kernkraft aber nur rund 0.3).

Bei Erdgas liegen die Verluste bei rund zwanzig Prozent (je zehn Prozent Abgasverlust und Transportaufwand). Dessen Primärenergie-Wirkungsgrad liegt daher höher. Für die Grundsatzfrage ob Strom, Heizöl oder Erdgas spielen Kilowatt-Preise und Wirkungsgrade die grösste Rolle. Bei steigenden Strompreisen lohnt sich daher ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Ofensystemen und eine langfristige Kalkulation.

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