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KURZNEWS 21. April 2008

EU wehrt MKS-Risikofleisch aus Brasilien ab / Coop baut Naturalplanlinie aus / Gewerbliche gründen IG Lebensmittel / EU gegen Chlorbehandlung von Geflügel / Wirkungslose Vitaminpillen / Mit Emmentaler geht’s aufwärts

von Foodaktuell Importer

EU-Rindfleisch-Importe aus Brasilien eingebrochen

Die Rindfleisch-Importe aus Brasilien sind eingebrochen, seitdem die EU ihre Auflagen verschärft hat. Lediglich 80 Tonnen sind seit Jahresbeginn aus Brasilien geliefert worden. Dies berichtete die EU-Kommission am 17. April im Europäischen Parlament in Brüssel. Im Vorjahr waren es noch 300’000 Tonnen. 95 brasilianische Betriebe lasse die EU zurzeit zu, weil sie erwiesenermassen frei von Maul- und Klauenseuche (MKS) seien und zudem für die Herkunft der Tiere garantieren könnten, zitiert der Agrarpressedienst AIZ die Kommission. Im Vorjahr hätten sich rund 10’000 Betriebe an den Rindfleisch-Lieferungen in die EU beteiligt. Die deutsche Abgeordnete Elisabeth Jeggle begrüsste die Verschärfung, auf die das Parlament gedrängt habe. Drittländer müssten sich an die hohen Sicherheitsstandards in der EU anpassen, forderte Jeggle.

(Quelle: LID / 21.4.2008)

Sushi, Pesto und Limonaden mit Naturaplan-Label

Bio-Pionierin Coop will ihre Marktführerschaft weiter ausbauen. Deshalb verleiht sie ihrer Erfolgsmarke Naturaplan mit neuem zeitgemässem Auftritt mehr Attraktivität. «Naturaplan steht für Bio ohne Kompromisse», bekräftigt Coop in der jüngsten Medienmitteilung. Dies gelte für den heimischen Bio-Apfel genauso wie für die innovative Crema di Peperoncini oder den Botanic Energy Drink. Jetzt würden der Auftritt und das Sortiment modernisiert. Ab 21. April sind rund 40 neue Produkte in den Coop-Verkaufsstellen erhältlich.

Die Nachfrage nach gesunden, nachhaltig produzierten und gleichzeitig genussvollen Lebensmitteln steigt. Mit der Sortimentserweiterung bietet Coop ab Ende April rund 40 innovative neue Bio-Produkte. Auch Sushi, Pesto oder Limonaden in Naturaplan-Qualität werden das Sortiment bereichern. Nebst dem Fokus auf die Kulinarik legt Coop noch mehr Wert auf gesunde Ernährung und passt die Rezepturen von diversen bestehenden Produkten an.

So wird zum Beispiel bei Naturaplan-Ravioli der Salzgehalt reduziert und von Sonnenblumenöl auf Rapsöl umgestellt, da dieses in der Zusammensetzung der Fettsäuren sehr viel gesünder ist.

Bio steht längst nicht mehr für Nischenprodukte, die nur eine gesundheits- und umweltbewusste Minderheit ansprechen: Bio hat sich zu einem nachhaltigen Trend entwickelt. Das spiegeln auch die stetig steigenden Verkaufszahlen. Bei der Bio-Marktführerin Coop machen Bio-Produkte bereits ca. 8 Prozent des Umsatzes an Lebensmitteln aus. Damit geht jedes zweite Bio-Produkt in der Schweiz bei Coop über den Ladentisch. Allein im letzten Jahr wuchs der Naturaplan-Umsatz um 7 Prozent und auch dieses Jahr wächst das Bio-Segment bei Coop überdurchschnittlich.

(Quelle: Coop / 21.4.2008)

Gewerbliche Lebensmittel-KMU wollen Kräfte bündeln

Im Lebensmittel-Detailhandel läuft derzeit eine unglaubliche Dynamik ab. Immer mehr Grosskonzerne wollen in der Schweiz Fuss fassen. Die traditionellen KMU und deren Verbände sind gefordert, ihren politischen Einfluss zu erhöhen und mittels gemeinsamem Auftreten ihre Interessen optimal zu wahren. Zu diesem Zweck ist letzte Woche unter Federführung des SBKV die IG Lebensmittel KMU gegründet worden. Die mitmachenden Organisationen sind gewillt, Bedürfnisse und Aufgabenstellungen der Nahrungsmittelbranche zu diskutieren und mit wirksamer Medienarbeit deren volkswirtschaftliche Bedeutung aufzuzeigen.

Ein wichtiges Anliegen ist die Festigung der Position der Nahrungsmittelbranche innerhalb des Gewerbes. Obwohl 30 von 240 dem Schweiz. Gewerbeverband (SGV) angeschlossenen Verbänden direkt damit konfrontiert sind, ist das Lebensmittelrecht im Entwurf des SGV-Strategiepapiers ab 2008 nicht mehr explizit erwähnt. Der SGV hat aber zugesichert, dem Sektor Lebensmittel auch in Zukunft gebührenden Stellenwert einzuräumen. Deren Vertreter in der Gewerbekammer sind gefordert, konkrete Anträge einzubringen.

Die IG Lebensmittel KMU soll in den SGV, der ebenfalls Einsitz nimmt, direkt eingebunden sein. Sie bringt eine Bündelung der Kräfte und erlaubt dem SGV ein Abstützen auf die entsprechenden Branchenanliegen. Aktuelle Themen sind die überbordenden administrativen Auflagen, die steigenden Gebühren, die Revision der Mehrwertsteuer, die Umsetzung von EU-Recht ohne Mitsprache, das Agrar-Freihandelsabkommen mit der EU sowie die zunehmenden Konflikte zwischen Paralandwirtschaft und dem gleichlange Spiesse fordernden Gewerbe.

Am ersten Treffen der Nahrungsmittelbranche haben folgende Organisationen teilgenommen:

• Schweiz. Bäcker-Konditorenmeister-Verband (Kaspar Sutter, Beat Kläy, Urs Wellauer, Markus Tscherrig)
• Schweiz. Konditor-Confiseurmeister-Verband (Stefan Romang)
• Pistor (Alois Meile)
• Schweiz. Gewerbeverband (Dr. Ruedi Horber)
• Schweizer Fleisch-Fachverband (Ständerat Rolf Büttiker)

• Dachverband Schweizer Müller (Arnold Brunner)
• Schweizer Cafetier Verband (Hans-Peter Oettli)
• Veledes (Hans Matter, Hans Liechti)
• Gastrosuisse (Tobias Zbinden)

Um die Schlagkraft zu erhöhen, wird versucht, noch weitere Verbände der Lebensmittelwirtschaft zu integrieren.
(Quelle: SBKV-Zeitung Panissimo 18.4.08)

Emmentaler Switzerland blickt auf ein erfolgreiches 2007 zurück.

Die Organisation Emmentaler Switzerland hat ein erfolgreiches Jahr 2007 hinter sich. Der Emmentaler AOC konnte 2007 seinen mengenmässigen Marktanteil in der Schweiz steigern. Die Exporte legten ebenfalls zu und erreichten in den wichtigen Märkten Italien und Deutschland zweistellige Wachstumsraten. An der Delegiertenversammlung wurden neue Vorstandsmitglieder gewählt und Weichen für die Zukunft gestellt.

An der jährlichen Delegiertenversammlung in Nottwil am 18. April 2008 konnte die Organisation Emmentaler Switzerland auf ein erfolgreiches Jahr 2007 zurück schauen. Die Milch- und Käsepreise haben sich weltweit erholt, sind gestiegen und die Wertschöpfung beim Emmentaler AOC konnte gesteigert werden. Auch die Verkäufe von Emmentaler AOC im In- und Ausland sind erfreulicherweise gestiegen. Dazu beigetragen haben die konstant hohe Qualität des Käses, die AOC-Registrierung, ein konsequentes Mengenmanagement und zielgerichtete Marketingmassnahmen.

Der Konsum von Schnittkäse allgemein ist in der Schweiz im Berichtsjahr leicht gestiegen. Der Emmentaler AOC gewann ebenfalls dazu und baute seinen mengenmässigen Marktanteil mit einem Absatz von rund 7’300 Tonnen auf 8,4 Prozent aus.

Die Nachfrage nach Schweizer Käse im Ausland nahm 2007 erneut zu. Emmentaler AOC liegt beim Käseexport nach wie vor unangefochten an der Spitze. Die Exporte stiegen um 1’291 Tonnen (+5.9%) auf 22’993 Tonnen. Seit jeher besonders beliebt ist er bei unseren italienischen Nachbarn (12’353 t, +15.7%). Aber auch in Deutschland wird der echte Emmentaler AOC immer beliebter (3’405 t, +13.5%). Obwohl Emmentaler AOC im Vergleich zu anderen Grosslochkäsen etwas teurer ist, greifen Konsumentinnen und Konsumenten für die bessere Qualität gerne etwas tiefer ins Portemonnaie.

Die positiven Verkaufszahlen sind insofern etwas zu relativieren, als die Vorjahreszahlen aufgrund von Lieferengpässen leicht unterdurchschnittlich waren. Dennoch bleibt für 2007 ein erfreulich positives Absatzplus.

2007 wurden in der Schweiz 30’897 Tonnen Emmentaler AOC produziert. Dies ist etwas weniger als in den Vorjahren. Dieser geplante Rückgang ist auf das strikte Mengenmanagement und den gezielten Lagerabbau zurückzuführen. Die Qualität konnte 2007 als mehrheitlich sehr gut bezeichnet werden. Während bei der Winterproduktion 2006/2007 über 95 Prozent als Klasse 1 und somit Tafelware eingestuft wurden, betrug der Anteil an Käse Klasse 1 bei der Sommerproduktion 2007 sogar 98 Prozent. Davon erreichten rund 65 Prozent eine absolute Spitzenqualität mit mindestens 19 von 20 möglichen Taxationspunkten.

Mit der Zustimmung zur Weiterführung der Mengensteuerung und der Verabschiedung von diversen Anpassungen im entsprechenden Reglement, bekräftigten die Delegierten ihren Willen zu einer marktorientierten Produktion. Die Delegiertenversammlung beschloss zudem, den Produktebeitrag bei 20 Rappen pro Kilo zu belassen.

Das konsequente marktorientierte Mengenmanagement, beharrlicher Markenschutz im In- und Ausland sowie effiziente und effektive Marketingaktivitäten in den Hauptmärkten sind wichtige Voraussetzungen, um im liberalisierten Käsemarkt auch weiterhin erfolgreich bestehen zu können.
(Quelle: Emmentaler Switzerland / 18.4.2008)

Erste Freisetzung von Golden Rice auf den Philippinen

Auf den Philippinen wird seit Anfang April der mit Provitamin A angereicherte Golden Rice im Freiland getestet. Der gentechnisch veränderte Reis könnte ab 2011 für Landwirte erhältlich sein. Das berichtet das Informationsportal transgen.de. Weil Reis von Natur aus kaum Vitamin A enthält, seien Mangelerkrankungen in vielen asiatischen Ländern, in denen das Getreide als Hauptnahrungsmittel dient, weit verbreitet.

Durch Anwendung gentechnischer Methoden haben ETH-Forscher um Ingo Potrykus einen Reis entwickelt, der in höheren Anteilen Beta-Carotin (eine Vorstufe zu Vitamin A) produziert und zudem einen erhöhten Eisengehalt besitzt. Das Beta-Carotin führt zu einer gelben Färbung des Reises, weswegen er als Golden Rice bezeichnet wird. Ein erster Freilandversuch mit Golden Rice wurde bereits 2004 in den USA (Lousiana) durchgeführt. Er wird in lokal angepasste Sorten eingekreuzt, die kostenlos an Kleinbauern ausgegeben werden sollen.

Die Philippinen sind einer der weltweit wichtigsten Importeure von Reis. Denn dem Land stehen zur eigenen Produktion nur 1,9 Millionen Hektar bewässerte Reisfarmen zur Verfügung. Zum Vergleich: In Thailand und Vietnam sind es 9,9 beziehungsweise 7,5 Millionen Hektar. Bislang spielt gentechnisch veränderter Reis für die Nahrungsgewinnung keine Rolle. Nicht nur auf den Philippinen, sondern auch in China, Indien und Indonesien sei jedoch in naher Zukunft ein kommerzieller Anbau zu erwarten, schreibt transgen.de.

(Quelle: LID / 17.4.2008)

Bei teurem Öl verdrängt Bioethanol die Lebensmittelproduktion

Falls Benzin- und Dieselpreise das Niveau von 2.70 und 2.30 Franken pro Liter erreichen sollten, könnte die Biotreibstoffproduktion in der Schweiz einen Teil der Lebensmittelproduktion verdrängen.

15 Prozent der Ackerfläche würden dann für die Energieproduktion verwendet. Das zeigt eine Studie hervor, die die ETH Zürich im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) verfasste, wie das Amt am 17. April mitteilte. Dabei stand die Frage im Zentrum, ab welchem Treibstoffpreis die ackerbauliche Produktion von schweizerischem Bioethanol aus Mais ohne Stützungsbeiträge ab 2015 wettbewerbsfähig wird.

Gemäss BLW müssten sich die fossilen Treib- und Brennstoffe dafür gegenüber den aktuellen Preisen beträchtlich verteuern. Beim Diesel müsste der Preis um 50 Rappen pro Liter steigen, bei Benzin und Heizöl um einen Franken. Steigen die Preise der fossilen Energien über dieses Niveau hinaus, könnte eine einheimische Bioenergieproduktion flächenmässig relevant werden.

Bei Treibstoffpreisen über 3.70 Franken pro Liter würde die Bioenergieproduktion unter diesen Umständen 80 Prozent der schweizerischen Ackerbaufläche beanspruchen. Voraussetzung wäre allerdings, dass der Import billigerer Bio-Enenergie verhindert würde, was derzeit nicht der Fall ist.

Selbst bei dieser Beanspruchung der Fläche würde die Bedeutung gering bleiben: Weniger als 8 Prozent des schweizerischen Verbrauchs von fossilen Energien. Immerhin könnte die Landwirtschaft ihren eigenen Treibstoffverbrauch von rund 100 Millionen Liter Diesel mit ackerbaubasierter Biodiesel-Produktion decken. Dazu wären 6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche nötig.

(Quelle: LID / 17. April 2008)

Barry Callebaut kauft knapp Hälfte an Biokakao-Hersteller

Der weltweit grösste Schokoladenproduzent Barry Callebaut beteiligt sich mit knapp der Hälfte am Biokakao-Hersteller Biolands aus Tansania. Biolands ist der grösste afrikanische Exporteur von zertifiziertem Biokakao und verkauft bereits seine gesamte Ernte an das Schweizer Unternehmen, schreibt die Nachrichtenagentur SDA. Die 49 Prozent an Biolands habe man von den Firmengründern um den Belgier Eric Smeets gekauft, sagte Barry-Callebaut-Sprecherin Gaby Tschofen am 16. April. Der Preis sei ein kleiner Betrag. Es sei nicht geplant, den Anteil weiter aufzustocken.

Biolands betreibe eines der weltweit grössten Biokakao-Programme für Kleinbauern. Die Produktion belaufe sich auf 2500 Tonnen pro Jahr. Dabei arbeite das 1999 gegründete Unternehmen direkt mit rund 20’000 Kleinbauern zusammen.

Indem die Kakaobohnen direkt in den Dörfern eingesammelt würden, kenne man die Anbaumethoden der Bauern, sagte Tschofen. Jeder Sack Kakao könne vollständig zurückverfolgt werden, womit die Nachhaltigkeit der Produktion gewährt sei.

Biolands biete auch Schulungen in Kakaoanbau, technische Beratung, Geräte und Kakaobaumsetzlinge an, um zur Verbesserung der Farmen beizutragen. Zudem würde den Bauern gezeigt, wie sie auch andere landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee, Paprika oder Sesam anbauen könnten, um nicht einseitig vom Kakao abhängig zu sein. Das Modell der direkten Zusammenarbeit mit den Kleinbauern soll Biolands jetzt auch in anderen Ländern umsetzen.

Im Vordergrund stehe dabei die Elfenbeinküste, wo Barry Callebaut bisher den Kakao von Bauernkooperativen beziehe. Beide Modelle würden im Feld erprobt, um zu einer nachhaltigen Kakaoindustrie beizutragen und das Leben der Kleinbauern zu verbessern, heisst es weiter.
(Quelle: LID / 16.04.2008)

EU: Kein Chlorbad für europäisches Geflügel

In der EU sollen Salmonellen weiterhin durch Hygiene in Stall verhindert werden. Eine Behandlung von Geflügelfleisch im Chlorbad lehnen die meisten EU-Agrarminister ab.

Frankreich brachte diesen Punkt auf der EU-Agrarministertagung am 14. April zur Sprache. Hintergrund sei die Bereitschaft der Kommission, internationalem Druck auf die Zulassung dieser chemischen Behandlung von Geflügelfleisch nachzugeben, berichtet der Agrarpressedienst AIZ. Im Rat sprachen sich die Vertreter von 17 Mitgliedstaaten gegen Abweichungen vom bisherigen europäischen Weg in der Salmonellenbekämpfung aus.

Man lehne im Interesse der Konsumenten und der Lebensmittelqualität solche Zugeständnisse ab, heisst es dazu beispielsweise aus dem Wiener Landwirtschaftsministerium. Der Druck kommt aus den USA. Die Amerikaner möchten, dass die EU den Import von mit Chlor behandeltem Geflügelfleisch, so wie es in den USA gang und gäbe ist, wieder zulässt. EU-Industriekommissar Günther Verheugen startete jüngst eine Initiative zur Schlichtung im transatlantischen Streit um das Chlorbad.

Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) erklärte einige Desinfektionsmittel für Geflügel kürzlich für unbedenklich. Frankreich und etliche andere Mitgliedstaaten sehen bei der Chlorbad-Behandlung entgegen der EFSA jedoch die Gefahr, es könnten Bakterienresistenzen entstehen. Zudem sehen weitere Expertengremien der EU damit erhebliche Umweltrisiken verbunden.

(Quelle: LID / 15.04.2008)

Ernüchternde Resultate für regelmässige Vitamin-A-Pillenschlucker

Die Einnahme von Vitaminen in Form der Nahrungsergänzung hat keinen positiven Einfluss auf die Lebensdauer, erklären Forscher der Universität Kopenhagen http://www.ku.dk. Im Gegenteil könne die Supplementierung sogar die Lebensspanne verkürzen. Eine Meta-Analyse von 67 Studien mit insgesamt rund 233.000 Teilnehmern führte die Wissenschaftler um Goran Bjelakovic zu dem Schluss, dass es “keine überzeugenden Belege” für die krankheitsvorbeugende Wirkung von antioxidativen Vitaminen gebe.

Darüber hinaus scheint die regelmäßige Einnahme von Beta-Caroten, Vitamin A und Vitamin E in isolierter Form das Sterblichkeitsrisiko zu erhöhen, so die Forscher, deren Analyse von der Cochrane Collaboration http://www.cochrane.org veröffentlicht wurde.

Die von den Dänen ausgewerteten Studien umfassen sowohl kranke als auch gesunde Menschen, die entweder als Begleittherapie oder zur Vorbeugung gegen Krankheiten Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen haben. Vorteile der Einnahme von Supplementen habe man für gesunde Menschen nicht ausmachen können. Die Wissenschaftler haben aber ein um 16 Prozent erhöhtes Sterblichkeitsrisiko bei Menschen festgestellt, die regelmäßig Vitamin A einnehmen.

Bei Beta-Caroten war das Risiko um sieben Prozent erhöht, bei Vitamin E um vier Prozent. Es sei allerdings unklar, warum die Nahrungsergänzungsstoffe diese Auswirkungen habe. Das Forscherteam nimmt an, dass sie auf die natürlichen Körpermechanismen einwirken könnten. Beta-Caroten beeinflusse so möglicherweise die Fettnutzung des Körpers. Bjelakovic fügte aber gleichzeitig hinzu, dass weitere Studien nötig seien.

“Derartige Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln sind uns nicht bekannt”, sagt Andrea Hofer, Pressesprecherin der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung http://www.oege.at, im Gespräch mit pressetext. “Es gilt aber grundsätzlich, dass gesunde Menschen keine Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen sollten.” Vielmehr sei es sinnvoll über eine ausgewogene Ernährung dem Körper die benötigten Vitamine zukommen zu lassen.

Für bestimmte Personengruppen oder in bestimmten Lebenssituationen, beispielsweise im Alter oder in der Schwangerschaft, sei die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln dennoch ratsam. Im vorangeschrittenen Alter könne so die Abwehrkraft und das Immunsystem unterstützt werden. Aber auch hier sei es wichtig, die Supplementierung mit dem Arzt abzusprechen und nur geringe Dosen einzunehmen. “Generell besteht aber gar keine Notwendigkeit für den gesunden Erwachsenen überhaupt Vitamine in isolierter Form zu sich zu nehmen”, so Hofer.

(Quelle: pte / Claudia Misch / 18.04.2008)