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KURZNEWS 20. Mai 2008

Max-Havelaar goes Gastro / Nachhaltiges Palmöl / Coop investiert in Tropenhausprojekt / SP fordert Verbot von Agrotreibstoffen / Seco-Chef ärgert Bauernverband / EU für Chlor-Desinfektion bei Geflügel / Salmonellen in Truten

von Foodaktuell Importer

Max Havelaar wächst wieder zweistellig

Erstmals seit zwei Jahren sind die Verkäufe von Max Havelaar-zertifizierten Waren in der Schweiz wieder zweistellig gewachsen. Der internationale Fairtrade-Markt stieg um 47% auf einen Umsatz von 2,4 Mia. Euro.

Der Umsatz mit Max Havelaar-zertifizierten Produkten stieg um 16% auf CHF 259,7 Mio. Hauptverantwortlich waren neue Handelspartnerschaften, das gute Ergebnis in den etablierten Detailhandelskanälen sowie der steigende Absatz in der Gastronomie.
Produzenten, die Max Havelaar-zertifizierte Güter in die Schweiz verkauften, erzielten damit Einnahmen von CHF 55.1 Mio. Dies ist rund 18% mehr als im konventionellen Handel. Das Prämienvolumen von CHF 5.5 Mio. wurde von den Produzenten u.a. in Ausbildung, medizinische Versorgung und Verbesserung der Infrastruktur investiert.

Max Havelaar will sein Produktsortiment auf neue Kanäle ausweiten und sieht u.a. grosses Potenzial in der Personalgastronomie und öffentlichen Beschaffung. Trotz intensiven Bemühungen ist die Resonanz bisher relativ gering. Martin Rohner, Geschäftsleiter der
Stiftung, wünscht sich ein grösseres Engagement: “Fairtrade soll so selbstverständlich werden wie das Sammeln von Altpapier.”

Seit anfangs 2007 bildet das Firmenlabel Label STEP eine Geschäftseinheit der Max Havelaar-Stiftung. Label STEP setzt sich für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen in der Produktion handgefertigter Teppiche ein und ist neben der Schweiz auch in Österreich, Frankreich und Deutschland tätig.

Trotz der hohen Rohstoffpreise bleibt der faire Handel relevanter ist ein wichtiges Instrument nachhaltiger Entwicklung. In einem jüngst in Paris vorgelegten Bericht fordert der Weltagrarrat, dass kleinbäuerliche Landwirtschaft in Südländern verstärkt gefördert wird. Dazu Martin Rohner: “Mit dem Kauf von Fairtrade-zertifizierten Produkten leisten Konsumenten einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Ernährung in armen Ländern.” (Quelle: Max Havelaar-Stiftung / 16.5.2008)

Nachhaltig produziertes Palmöl für die Migros

Vor acht Jahren rief die Migros zusammen mit dem WWF das Projekt “Nachhaltig produziertes Palmöl” ins Leben und brachte damit international den Stein ins Rollen. In diesen Tagen werden in Südostasien die ersten Plantagen zertifiziert, die nach den Richtlinien des “Roundtable on Sustainable Palm Oil” (RSPO) nachhaltig Palmöl produzieren. Die Migros kauft Zertifikate für nachhaltiges Palmöl zum Schutz der Tropenwälder. Auch ihre Drittlieferanten sollen in Zukunft den Anbau von nachhaltigem Palmöl unterstützen.

Palmöl ist für viele Tropenländer ein wichtiges Exportprodukt. Aus diesem Grund fallen immer mehr Tropenwälder neuen Palmölplantagen zum Opfer. Um diese Entwicklung zu stoppen, hat sich die Migros bereits 1999 zum Ziel gesetzt, für ihre Produkte nur noch Palmöl aus nachhaltiger Produktion einzusetzen. Zusammen mit dem WWF erarbeitete sie entsprechende Kriterien und Richtlinien, die erstmals in Ghana erfolgreich umgesetzt wurden. 2002 erhielt die Migros am UNO-Umweltgipfel in Johannesburg den World Business Award für das Projekt “Nachhaltiges Palmöl”. Heute ist die Migros stolz darauf, dass ihr Engagement zum Schutz des Tropenwaldes international Schule macht.

In diesen Tagen werden die ersten Palmölplantagen in Indonesien und Malaysia zertifiziert, die nach den strengen Richtlinien des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) Palmöl produzieren. Endlich gelangt damit auch nachhaltig produziertes Palmöl in den internationalen Handel.

In der Geschäftsleitung der RSPO sind Interessengruppen für die nachhaltige Palmölproduktion vertreten, darunter WWF und Migros als Gründungsmitglieder. Die von RSPO erarbeiteten Kriterien und Richtlinien basieren weitgehend auf den Kriterien, welche WWF und Migros bereits 2001 gemeinsam erarbeitet haben. Diese wurden in den einzelnen Ländern weiterentwickelt und Anfang 2008 erfolgreich eingeführt.

Nachhaltiger Anbau bedeutet, dass für die Plantagen ab 2005 kein Tropenwald mehr brandgerodet worden ist, dass die Gesetzte eingehalten werden und faire und sichere Arbeitsbedingungen vorherrschen. Auch Forderungen nach Erhalt der Artenvielfalt, minimalem Einsatz von Chemikalien oder nach Landrecht müssen erfüllt sein.
Die Palmölproduzenten unter den RSPO Mitgliedern decken heute bereits rund 40 Prozent der Weltproduktion von Palmöl ab. Die Plantagen, die für Zertifizierungen parat sind, produzieren jährlich rund 800’000 Tonnen Palmöl.

Die Migros benötigt jährlich rund 6000 Tonnen Palmöl, das in vielen Produkten eingesetzt wird: zum Beispiel in Backwaren, Suppen, Eiscreme, Margarinen und Fetten, aber auch in Kosmetik und Waschmitteln. Bereits ab 2001 hat die Migros damit begonnen, in ihren Lebensmittel-Produkten nachhaltig produziertes Palmöl nach den eigenen Kriterien einzusetzen. 2007 hat die Migros die RSPO-Kriterien übernommen.

Seither beschafft sie nachhaltig produziertes Palmöl mit der Logistikvariante Book + Claim. Ab Juli 2008 wird die Migros die ersten RSPO-Zertifikate kaufen, die den nachhaltigen Anbau der Palmölplantagen nachweisen. Gleichzeitig werden auch Drittlieferanten verpflichtet, nach den gleichen Regeln wie die Migros-Industrie den Anbau von nachhaltigem Palmöl zu unterstützen und dafür Zertifikate zu kaufen. (Quelle: RSPO / 16.5.2008)

Migros ist neues Mitglied in der WWF Seafood Group

Die Migros tritt der WWF Seafood Group bei. Die Detailhändlerin verpflichtet sich, ihr Sortiment in den nächsten Jahren schrittweise auf Fische und Meeresfrüchte aus nachhaltiger Produktion umzustellen und setzt damit ein klares Zeichen zum Schutz von bedrohten und überfischten Beständen.

Schon seit Jahren verzichtet die Migros auf den Verkauf von bedrohten Fischarten, wie zum Beispiel Hai oder Blauflossenthunfisch. Weil sie stark gefährdet sind, nimmt die Migros ab Ende Mai 2008 nun auch Sackbrasse, Zackenbarsch, Rochen, Aal und den wilden Stör aus dem Sortiment. Zudem verkauft sie als erste Grossverteilerin den überfischten Kabeljau (Dorsch) im Frischebereich ausschliesslich als Zuchtfisch.

Für tiefgekühlten Kabeljau und alle anderen stark überfischten Arten sucht die Migros Alternativen und erarbeitet gemeinsam mit dem WWF innerhalb eines Jahres ökologisch sinnvolle Massnahmen. Falls keine Alternativen aus intakten Beständen gefunden werden, verzichtet die Migros auf den Verkauf der entsprechenden Fischarten.

„Nach unserem langjährigen Engagement für Fisch nach den Kriterien des Marine Stewardship Council (MSC) ist der Beitritt der Migros zur WWF Seafood Group ein weiterer logischer Schritt,“ meint Stefan Gygli, Category Manager Fisch beim Migros-Genossenschafts-Bund. Migros wird das MSC- und Bio-Sortimentsangebot in Zukunft noch weiter ausbauen.

Der Konsum von Fischen und Meerestieren nimmt stetig zu. Weltweit werden heute vier Mal mehr Fische gefangen als noch vor 50 Jahren. 75 Prozent der Wildbestände sind überfischt oder von Überfischung bedroht. Nicht nur die Fangmengen, sonden auch die Fangmethoden und die immensen Mengen an Beifang, wie Schildkröten, Robben, Delfine, Haie, Wale oder Seevögel stehen in der Kritik. „Tun wir jetzt nichts gegen die Ausbeutung der Meere, brechen die Bestände bald zusammen“, sagt Mariann Breu, Projektleiterin Wirtschaftskooperationen beim WWF. Die Migros leistet mit ihrem Beitritt zur WWF Seafood Group einen wertvollen Beitrag zum Schutz der bedrohten und überfischten Fischbestände. (Quelle: Migros / 16.5.2008)

Kaviar und Papayas aus Frutigen

Im Tropenhaus Frutigen sollen jährlich rund 45 Tonnen Stör und zwei Tonnen Kaviar produziert werden. Nach dem Spatenstich vom Freitag, 16. Mai 2008 ist Projekt mit einer Ausstellung und einem Restaurant dem Publikum zugänglich. Durch den Bau des Lötschberg-Basistunnels entstehen rund 100 Liter bis zu 20 Grad Celsius warmes Wasser pro Sekunde. Das warme Wasser soll künftig zur Aufzucht von Stören und zur Produktion von Kaviar genutzt werden.

In rund 40 Aussenbecken sollen nach der Fertigstellung der Anlage etwa 60’000 Störe Platz finden, wie Coop in einer Medienmitteilung vom Freitag, 16. Mai 2008 mitteilt. Die Gewinnung von Kaviar sei eine Neuheit in der Schweiz. Die wild lebenden Störe seien aufgrund der Nachfrage nach Kaviar stark gefährdet. Zudem soll die Energie des warmen Lötschbergwassers für die Beheizung eines Treibhauses für Tropenfrüchte genutzt werden, schreibt Coop weiter. Im hauseigenen Restaurant sollen die frisch geernteten Tropenfrüchte wie Papayas, Guaven, Karambolen und Bananen serviert werden.

Coop ist Hauptinvestor vom Tropenhaus Frutigen. Der Grossverteiler beteiligt sich am Aktienkapital, vermarktet die Produkte und baut ein Restaurant mit 200 Plätzen. Zudem finanziert Coop eine Ausstellung zu den Themen nachhaltige Aquakulturen und gesunde, ausgewogene Ernährung. (Quelle: LID / 16.5.2008)

SP fordert Verbot von Agrartreibstoffen aus Lebensmitteln

Mit dringlichen Vorstössen will die SP in der Sommersession Massnahmen gegen die weltweite Hungerkrise durchsetzen. So verlangt sie ein Verbot von Agrartreibstoffen aus Lebensmitteln und die Verdoppelung der humanitären Hilfe.

Von dieser Verdoppelung müsse ein namhafter Beitrag in die UNO-Soforthilfe fliesen, forderten gemäss der Nachrichtenagentur SDA Vertreterinnen und Vertreter der SP-Fraktion im Parlament am 16. Mai vor den Medien in Bern. Dabei dürfe die Nahrungsmittelhilfe der lokalen Produktion nicht schaden und nicht zur Förderung von Gentech-Kulturen führen. Nicht nachhaltig produzierte Agrartreibstoffe seien zu verbieten und im Inland auf keinen Fall zu fördern. International müsse sich die Schweiz dafür einsetzen, dass Agrartreibstoffe aus Lebensmitteln wie Getreide, Soja und Palmöl verboten werden. Diese Treibstoffe seien mit ein Grund für die Verteuerung der Nahrung. Der Finanzspekulation mit Agrarrohstoffen will die SP ebenfalls einen Riegel schieben.

Im Inland müssten die Exportsubventionen und Preisstützungen für Agrarprodukte fallen, hiess es weiter. Dank steigender Lebensmittelpreise verdienten die einheimischen Bauern mehr. Der damit gewonnene Freiraum sei für eine Marktöffnung und eine Umstellung auf die nachhaltige Landwirtschaft zu nützen. Das bundesrätliche Mandat für die Doha-Runde der WTO sei entsprechend zu ändern. Die Doha-Runde selbst müsse zur Entwicklungsrunde werden und rasch abgeschlossen werden.

Die SP unterstützt im weiteren den UNO-Agrarrat, der zur Rückkehr zu den traditionellen Methoden in der Landwirtschaft aufruft. Die “Grüne Revolution” verschärfe lediglich den Hunger und das weltweite Ungleichgewicht. Ernährungssouveränität und Ressourcenschonung seien ein Gebot der Stunde. Die SP will darum das Patentrecht in den Dienst des Menschenrechts auf Nahrung stellen. (Quelle: LID / 16.5.2008)

Bauernverband fordert Entschuldigung von Seco-Chef Gerber

Schweizerische Bauernverband kritisiert den Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), Jean-Daniel Gerber, scharf und verlangt von ihm eine Entschuldigung. Er sei sonst für die Landwirtschaft als Vorsteher des Seco nicht mehr glaubwürdig. Mit seinen einseitigen und verletzenden Aussagen in der letzten “Sonntagszeitung” diffamierte er die Bäuerinnen und Bauern und damit eine ganze Berufsgruppe als Bremsklotz der Schweizer Wirtschaft und unterstellte ihr, ähnlich wie Drogensüchtige “abhängig” von “Subventionen” zu sein.

Solche Aussagen seien eines Amtschefs absolut unwürdig, schreibt der Bauernverband in einer Medienmitteilung. Sie zeigten aber deutlich, dass Jean-Daniel Gerber nicht gewillt sei, sich für die Interessen der Schweizer Landwirtschaft einzusetzen – und dies, obwohl er in seiner Funktion auch für sie verantwortlich sei. Es gehe dem Seco-Direktor nur darum, den Weg für eine Anpassung des WTO-Verhandlungsmandats zu ebnen.

Gerber liege auch falsch mit der Annahme, dass durch weitere Liberalisierungsschritte und den Abbau des Grenzschutzes die weltweite Lebensmittelkrise entschärft werden könne, heisst es weiter. Der weltweite Freihandel mit Lebensmitteln führe nicht dazu, dass diese dorthin gelangen, wo sie nötig sind, sondern vielmehr dorthin, wo die Kaufkraft sei. Deshalb brauche es Regeln, die jedem Land eine eigenständige Landwirtschaft ermöglichten. (Quelle: LID / 15.2.2008)

Bioplattform im Internet

Erste Internetplattform für Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern ist zweisprachig online.
Unter www.bioaktuell.ch und www. bioactualites.ch finden Biobäuerinnen und Biobauern auf Deutsch und auf Französisch eine breite Palette von Fachinformationen zur Produktionstechnik und Betriebsführung. Die zweisprachige Internetplattform haben FiBL und Bio Suisse in Zusammenarbeit mit kantonalen Bioberatungsstellen geschaffen.

Heute nutzen schätzungsweise 60 bis 70 Prozent der Biobäuerinnen und Biobauern das Internet, die Nachfrage nach Informationen in elektronischer Form nimmt auch auf Biohöfen zu. Um den aktiven Biolandwirten den Zugang zu Fachinformationen zu erleichtern, haben das FiBL und die Bio Suisse ihre Beratungsinhalte im Internet auf eine gemeinsame Website zusammengeführt.

Die neu geschaffene Plattform www.bioaktuell.ch (französisch: www.bioactualites.ch) bildet die Informationsdrehscheibe zwischen Dachverband, Forschungsinstitut, kantonalen Beratungsstellen und Biobäuerinnen und Biobauern. Ziel der Plattform ist es, den Wissenstransfer und den aktiven Dialog zwischen den Akteuren des Biolandbaus zu erleichtern. (Quelle: Bioaktuell / 15.5.2008)

EU-Kommission will Chlorbad-Desinfektion zulassen

Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, würde die Desinfektion von Geflügelfleisch im Chlorbad in der Union bald zugelassen. Ende Mai soll den EU-Mitgliedstaaten ein entsprechender Vorschlag vorgelegt werden, berichtet der Agrarpressedienst AIZ. Nach einem bisherigen Entwurf soll das Chlorbad vorübergehend für zwei Jahre erlaubt und behandeltes Geflügelfleisch zudem gekennzeichnet werden. Importbeschränkungen für Geflügel aus den USA, wo diese Methode üblich ist, könnten dann aufgehoben werden.

EU-Industriekommissar Günter Verheugen sagte den USA am Dienstag auf dem Transatlantischen Wirtschaftsrat in Brüssel entsprechende Schritte zu. In den EU-Mitgliedstaaten regt sich aber Widerstand gegen die Chlorbehandlung. Es sei sinnvoller, Salmonellen und andere Erreger im Stall zu bekämpfen und nicht alles einer anschliessenden Desinfektion zu überlassen, argumentieren die Geflügelhalter in der Europäischen Union. (Quelle: LID / 14.5.2008)

Salmonellen in vielen Truthühnerbeständen gefunden

Truthühnerbestände in der EU sind durch Salmonellen gefährdet. In einem Drittel der Mastbetriebe wurden Salmonellen gefunden, berichtet die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA. In Frankreich seien es 18,7% der Mastbestände, in Deutschland 16,4% und in Italien 16%, in denen der Erreger gefunden wurde. Dies geht aus einer am Dienstag in Parma veröffentlichten EFSA-Studie hervor.

Allerdings handle es sich in der EU nur bei 3,8% der Fälle um Salmonellentypen, die für den Menschen gefährlich sind, wurde betont. In Zuchtbetrieben von Truthühnern wurden zudem weniger Salmonellen gefunden als in Mastbetrieben. Nur 13,6% der Zuchtbetriebe in der EU waren infiziert. EFSA hat die Verbreitung der Erreger zwischen Oktober 2006 und September 2007 untersucht, um der EU-Kommission eine Grundlage für Reduktionsziele zu liefern. (Quelle: Schweizer Bauer / 14. Mai 2008)