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Neue SBV-Broschüre: Schlachtvieh- / Fleisch-Markt

von Foodaktuell Importer


Der Bauernverband hat die Broschüre “Der Schlachtvieh- und Fleischmarkt” überarbeitet.



Die Broschüre «Schlachtvieh- und Fleischmarkt» liefert aktuelle Informationen zu Produktion und Markt, Angebot und Nachfrage, Marktordnung und Importpolitik. Die 33 Seiten umfassende Broschüre wurde mit Zahlen 2007 aktualisiert, schreibt der Schweizerische Bauernverband (SBV) in einer Mitteilung vom Dienstag, 24. Juni 2008. In der Broschüre enthalten sind aktuelle Zahlen zum Markt, zur Produktion und zum Konsum 2007.

Die aktuellen Entwicklungen im Schlachtvieh- und Fleischmarkt werden beleuchtet und der Mechanismus von Angebot und Nachfrage und dessen Einfluss auf den Fleischmarkt aufgezeigt. Auch thematisiert werden die Marktordnung in der Schweiz, die Importpolitik, die Welthandelsorganisation (WTO) und bilaterale Abkommen. Zudem wird dokumentiert, welche Arbeiten den SBV im Zusammenhang mit dem Schlachtvieh- und Fleischmarkt beschäftigen.

“Der Schlachtvieh- und Fleischmarkt 2007” kann für Fr. 20.- beim SBV bezogen werden. Bestellungen können per Telefon (056 462 51 11) oder per Internet (www.sbv-usp.ch) erfolgen. foodaktuell.ch präsentiert eine Leseprobe

Produktion und Markt – Tierbestand

In der Schweiz werden aktuell etwa 1.5 Millionen Stück Rindvieh gehalten. Die Stückzahl stieg nach dem zweiten Weltkrieg deutlich an, erreichte 1980 mit über 2 Mio. Tieren ihren Höhepunkt und ist danach stetig gesunken. Erst 2001 stieg der Gesamtrindviehbestand im Vergleich zum Vorjahr erstmals wieder leicht an. Für 2007 liegen nur provisorische Zahlen vor.

Deutlich sichtbar ist der Trend zur Mutterkuhhaltung. Während der Bestand an Milchvieh bedingt durch die immer höhere Milchleistung pro Tier tendenziell leicht sinkt, steigt die Anzahl Mutterkühe rasant an. 1983 tauchten erstmals Mutterkühe im Rindviehbestand auf, heute machen sie schon deutlich über 10% der Kühe aus. Dieser Zuwachs trägt auch seinen Teil dazu bei, dass der Rindviehbestand insgesamt ansteigt.

Die Gesamtzahl der Schweine ist etwa gleich wie beim Rindvieh, nämlich gut 1,5 Mio. Stück. Der Höhepunkt wurde auch hier 1980 erreicht, allerdings mit sogar 2,2 Mio. Der Schweine-bestand ist jedoch schon seit 1996 wieder steigend. Da Schweine einzig zur Fleischproduktion genützt werden können, führte dies zu einer Überproduktion an Schweinefleisch gekoppelt mit den entsprechenden Problemen beim Preis. Gegen Ende 2007 ging die Produktion allerdings zurück, was auch zu besseren Preisen führte.


Fleischproduktion

Die Rindfleischproduktion erreichte ihren Höhepunkt 1990 und ist seither wieder um rund einen Fünftel zurückgegangen. Nach wie vor ist die Produktion von Rind- und Kalbfleisch in der Schweiz stark an die Milchproduktion gekoppelt.

Verschiedene Trends sind erkennbar. Betrachtet man die Schlachtzahlen seit 1950 so zeigt sich eine deutliche Verlagerung von der Kälber- zur Grossviehmast. Zum Grossvieh gehören das so genannte Bankvieh (Ochsen, Stiere, Rinder) sowie die Schlachtkühe. Während die Kälberschlachtungen um fast die Hälfte zurückgegangen sind, stiegen die Banktierschlachtungen auf das Dreifache an. Ein weiterer Trend ist wie schon erwähnt die Mutterkuhhaltung. Sie dient der reinen Fleischproduktion. Dazu werden in erster Linie Fleischrassen eingesetzt (Bild: Angus).


Der Selbstversorgungsgrad variiert je nach Fleischart. In den vergangenen 25 Jahren stammten jeweils rund 90 bis 100% des in der Schweiz verspeisten Rind-, Kalb- und Schweinefleisches aus der Schweiz. Beim Lammfleisch kamen knapp 60% und beim Geflü­gel gut die Hälfte aus dem Ausland. Das Ziegenfleisch stammte 2007 zu 54% aus der Schweiz. Fisch und Krustentiere stammen zu mehr als 98% aus dem Ausland. Bei den Kategorien Kaninchen und Wildbret beträgt der Selbstversorgungsgrad um die 20%.


Labelprogramme

Aufgrund der Kritik seitens der Massenmedien und Konsumenten gegenüber der Fleischbranche entstanden in den 80iger Jahren die ersten Labelprogramme. Die Kritik bezog sich auf verschiedene Bereiche der Tierhaltung, wie den Tierschutz und die Fütterung und hatte einen negativen Einfluss auf den Fleischkonsum. Bis Mitte der neunziger Jahre war die Labelproduktion eine Nischenproduktion. Die Nachfrage entwickelte sich danach stark, weil die Grossverteiler ihre Priorität auf die Labelproduktion setzten. Dies hatte eine Aufsplittung des Marktes und verschiedene Absatzprobleme für die Produzenten, die konventionell produzierten, zur Folge.

In der Zwischenzeit hat der Labelsektor eine gewisse Sättigung erreicht, so dass sich vermehrt Absatzprobleme bei Labeltieren stellen. Dies wird durch die kleiner wer­dende Preisdifferenz zwischen Label- und konventionellen Schlachttieren untermauert. Gra­fik 4 zeigt, wie die Preiskurven in den letzten Jahren zusammengerückt sind. Die Markenvielfalt macht es erforderlich, dass Landwirte zwischen den verbindlichen Anforderungen und den Preiszulagen differenzieren, um sich für eine Marke bzw. ein Label entscheiden zu können.


QM-Schweizer Fleisch

1998 lancierte der Schweizerische Bauernverband (SBV) in Zusammenarbeit mit den Orga­nisationen der Viehproduzenten das Qualitätssicherungsprogramm “Qualitätsmanagement Schweizer Fleisch“ (QM-Schweizer Fleisch). Dabei handelt es sich nicht um ein zusätzliches Label! Die QM-Anforderungen basieren auf den gesetzlichen Bestimmungen und auf der guten landwirtschaftlichen Praxis. Dieses System gewährleistet, dass die Produzenten an­hand der Produktionsrichtlinien die gesetzlichen Bestimmungen kennen und einhalten, und dass die Produktionsabläufe und Ereignisse aufgezeichnet und dokumentiert werden.

Die Hauptziele des QM-Schweizer Fleisch sind:

• Stärkung des Vertrauens bei den Konsumenten

• Verbesserung des Images von Fleisch und Fleischwirtschaft

• Bessere Positionierung von Schweizer Fleisch und Abheben gegenüber Import-
Fleisch

• Halten und Ausbau von Marktanteilen

Das QM-Programm ist heute als Gütesiegel für die klassische Schlachtviehproduktion etab­liert. Mitte Mai 2008 nahmen 14‘274 Rindvieh-, Schweine-, Schaf- und Ziegenproduzenten im QM-Schweizer Fleisch teil. Die meisten Abnehmer vermarkten heute nur noch Fleisch von Tieren aus Betrieben mit einem Qualitätssicherungsprogramm, also QM-Schweizer Fleisch oder Label. Schlachttiere aus Betrieben ohne ausgewiesene Qualitätssicherung finden nur noch bedingt einen Abnehmer oder lösen zum Teil deutlich geringere Preise.

Seit Oktober 2003 erfolgen sowohl die Preisfeststellung der Proviande wie auch die des SBV auf der Basis von QM-Schweizer Fleisch. Tiere aus dem Programm QM-Schweizer Fleisch werden seit 2005 automatisch für die Garantiemarke „SUISSE GARANTIE“ der Agro-Marketing Suisse (AMS) anerkannt. Zusätzliche Informationen sind bei der Geschäftsstelle des QM-Schweizer Fleisch erhältlich (Tel. 056/462 5111; www.qm-schweizerfleisch.ch).


SUISSE GARANTIE

„SUISSE GARANTIE“ ist das einheitliche Herkunftszeichen der schweizerischen Landwirtschaft. Es wurde geschaffen im Hinblick auf bevorstehende Grenzöffnungen und die dadurch verstärkte Konkurrenz durch ausländische Produkte. SUISSE GARANTIE kennzeichnet seit September 2004 Schweizer Lebensmittel, deren Rohstoffe aus Schweizer Produktion stammen und die in der Schweiz verarbeitet wurden. Diese Rohstoffe stammen von Betrieben, welche den ÖLN (Ökologischer Leistungsnachweis) erbringen. Bei ihrer Herstellung dürfen keine gentechnisch veränderten Organismen (sog. GVO) verwendet werden. Ein Qualitätsmanagement-System deckt die ganze Produktionskette ab und stellt so die Rückverfolgbarkeit und die Einhaltung der Vorschriften sicher.

In der Tierhaltung sind neben den gesetzlichen Vorschriften zusätzliche Auflagen zu erfüllen.
Der Produzent muss an einem zugelassenen Qualitätssicherungsprogramm teilnehmen.
Zugelassen sind: Agri Natura, Bio Suisse, Coop Naturaplan und Naturafarm, IP-Suisse, M-7,
Micarna Geflügel, Natura-Beef, QM-Schweizer Fleisch und SwissPrimGourmet. (Text: SBV. Bilder: foodaktuell.ch)