Datum: Branche:

Ungebrochenes Wachstum im Sandwichmarkt

Die Take-away-Verpflegung legt durch den zunehmend hektischen und mobilen Lebensstil seit Jahren stetig zu. Sandwiches sind die meist verkauften Snacks und ideal für den Konsum «on the run». Sandwiches bieten gesunde Komplett-Mahlzeiten für Eilige, und die Sandwich-Branche boomt seit Jahren: Die Hersteller nennen jährliche Wachstumszahlen im zweistelligen Bereich. Einige grosse unter ihnen sind schweizweit tätig, viele kleinere «Sandwichkuriere» regional.

von Foodaktuell Importer

Sandwichproduktion am laufenden Band bei Bell Convenience

Bei «Bell Convenience» haben Sandwiches dieses Jahr per Ende Juni um 28 Prozent zugelegt verglichen mit Juni 2007. Die Firma stellt die eigene Marke «Bell» her sowie Betty Bossi, «Weight Watcher’s» und beliefert nebst Coop auch Prodega und Detailhändler.

Seit vier Jahren mischt auch Traitafina im Sandwichmarkt mit. Das Lenzburger Unternehmen diversifiziert zum Allround-Conveniencehersteller und produziert rund 300’000 Sandwiches pro Monat, Tendenz steigend. Füllungen mit Fleischbestandteilen produziert es selbst. Das Wachstum bei Sandwiches beträgt gemäss Angaben von Marketingleiter Marcel Gähwiler 18 Prozent pro Jahr. Nebst der eigenen Marke „Traitafina“ werden auch Privat Labels produziert für Manor, Sandwich-Company, Agip und Denner. Die Absatzkanäle sind vor allem Tankstellenshops, Warenhäuser mit angegliederten Lebensmittel-Abteilungen, Food-Discounter sowie Flug- und Bahncaterer.

Hilcona, ebenfalls ein nationaler Player produziert die eigene Marke «Hilcona frêsh» sowie «Betty Bossi» und «Weight Watcher’s», beide für Coop. Hilcona wuchs letztes Jahr gemäss Angaben der Firma bei Sandwiches im zweistelligen Prozentbereich und erwartet auch dieses Jahr wieder einen markanten Zuwachs. Bestellungen bis Mittags werden am Nachmittag produziert und von Orbe VD aus nachts an Verkaufsstellen der ganzen Schweiz geliefert. Die ebenfalls schweizweit tätige Panetta, eine Tochter der Ospelt-Gruppe gab vor einem Jahr ein zweistelliges Wachstum an. Die Geroldswiler Firma produziert die Marken, Bread+Butter (für Shell-Tankstellenshops), Swiss Fresh, Anna’s Best (Migros) sowie «No names».

Starke Klassiker – kreative Neuheiten

Der Haupt-Umsatz entfällt auf wenige Sorten. «Am besten kommen bei den Konsumenten die Sorten Schinken, Salami, Fleischkäse und Thon an», sagt Oliver Bindel, Marketingmanager Backwaren bei Hilcona. «In Kombination mit Silserli oder Zöpfli sind es die stärksten Artikel. Für Detaillisten ist es wichtig, diese Leader perfekt abzudecken». Die Bell-Bestseller sind die klassischen hermetisch verpackten und füllungsbetonten Dreieck-Sandwiches der Sorten Thon- und Bio-Schinken-Ei, sowie Hamburger zum kalt und warm essen. Die vorverpackten Dreieckssandwiches besitzen eine Haltbarkeit von sechs bis acht Tagen.

Zum EM-Start lancierte Traitafina einen Laugenball gefüllt mit Rindsmostbröckli und Salaten sowie ein Schwiizer Bürli mit einem gebratenem Rindshamburger und Barbecuesauce, Gurken und Blattsalaten. Das letztere eignet sich zum kalt wie auch warm essen. Traitafina setzt auch bei Sandwichs auf Rezepturen ohne E-Stoffe wie bei vielen Produkten des Fleisch-Kernsortiments. Neuheiten hat auch Bell Convenience zu bieten wie ultrafrische Dreiecksandwiches mit einer Mindesthaltbarkeit von drei Tagen in den Geschmacksrichtungen Chicken Indian Style, Bresaola/Parmesan, Rauchlachs sowie Wasabi Bagels wie etwa «Bio Bagel mit Lachs». Bild: Bagels.

Bei Traitafina heissen die Sorten-Klassiker Schinken, Tomaten/Mozzarella, Fleischkäse, Lyoner, Salami, Geflügel sowie Thunfisch. Und bei Panetta sind es Butterbun mit Schinken, Laugenbrötli mit Schinken oder Salami. Panetta-Geschäftsleiter Salvatore Perretta betont, dass die Spitzenqualität beim Brot entscheidend sei, vor allem Ofenfrische und ein attraktiver Brotgeschmack. Panetta lancierte ultrafrische Tagessandwiches mit Blattsalaten und Tomaten nebst Fleisch oder Käse. Bisher waren Tagessandwiches mit zwei Tagen Haltbarkeit datiert, was nur mit Eisbergsalat möglich war.

Trends zu Ethno-Produkten

Die Trends bei Traitafina umfassen südliche Geschmacksrichtungen wie Ciabatta gefüllt mit Oliven, getrockneten Tomaten, Trockenfleischprodukten oder Mortadella. Auch «exotische Beläge sind im Trend», sagt Markus Bänziger, Leiter Convenience bei Bell: «Die Leader sind zwar unangefochten, aber zur Abrundung des Sortimentes und als Abwechslung werden mehr Zutaten anderer Länder gewünscht. Bagels und Hamburger legen massiv zu, Dreiecksandwiches dagegen leicht verhalten. Und allgemein stellen wir einen Trend zu mehr Frische fest».

Dies konstatiert auch Bindel: «Der Trend geht weiter in Richtung ultrafrische Sandwiches mit Salat und anderen Frischzutaten wie Tomaten, Rüebli und Frischkäse. Hohe Anteile an Belegung und die Kombination aus vielen Komponenten werden von den Konsumenten geschätzt. Darüber hinaus wird sich der Markt nun stärker auf die Kommunikation von Produkteigenschaften konzentrieren. Sandwiches ohne Zusatz von Konservierungsstoffen und Geschmacksverstärkern und auch Bioprodukte werden den Markt weiter bewegen».

Cooplieferant Hilcona verzichtet bei Sandwiches auf Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker, Farbstoffe und Aromen. Dies ist im Coopkanal eine generelle Anforderung. «Auch Gesundheitsaspekte finden immer mehr Beachtung bei den Konsumenten», so Bindel. Hilcona deklariert daher die Guideline Daily Amount GDA (Richtwert für die Tageszufuhr) und den Verzicht auf gehärtete Fette.


Sandwiches mit Farbleitsystem

Beim Bäckereilieferanten Pistor empfiehlt man eine gezieltere Kommunikation des Gesundheitswertes, um das Snackgeschäft zu fördern: «Der Detaillist soll die modernen Ernährungs-Grundsätze umsetzen und dies auch kommunizieren». Beispiele sind gefüllte Brottaschen oder Sandwiches mit Salaten kombiniert. Sandwiches sind meistens Impulsartikel, d.h. der Kaufentscheid geschieht in dieser Kategorie noch spontaner als bei anderen Frisch-Convenienceprodukten.

Um dem Konsumenten eine Orientierungshilfe zu geben und die Schnelligkeit des Kaufaktes zu verbessern, überarbeitete Hilcona das Verpackungsdesign und signalisiert die Sandwichhauptsorten mit einer Art Ampelsystem. Gelb sind Silser mit Bergkäse. Grün: Korndreieck mit Frischkäse. Rot: Wurzelbrot mit Salami. Und Blau: Ciabatta mit Thon. Der Konsument soll schnell erkennen, wo er seinen Favoriten im Regal findet.

Weiterlesen: Sandwichmarkt wächst und wächst