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Mostbirnen werden liegen gelassen

Die Birnenernte ist dieses Jahr klein, noch kleiner die Mostbirnenmenge. Weil der Feuerbrand viele Birnbäume dahinrafft, gibt es davon immer weniger. Den meisten Mostereien ist es egal.

von Foodaktuell Importer

Wenn die Bäume nur wenige Mostbirnen liefern, lassen viele Baumbesitzer gleich alles liegen – Das Abliefern lohnt sich nicht mehr. (agrarfoto)

So wenige Birnen wie in diesem Jahr gab es schon lange nicht mehr. Genaue Zahlen gibt es zwar noch nicht, aber man sehe in allen Regionen eine “ganz schlechte Ernte”, sagt Rolf Matter, Sprecher des Schweizerischen Obstverbandes. Einer der Gründe für den Rückgang ist die so genannte Alternanz. Bäume haben die Eigenschaft, in einem Jahr sehr viele Früchte zu tragen und im Folgejahr viel weniger Früchte, abhängig. Dazu kommt, dass das Wetter während der Wachstumsperiode im Frühjahr zu trocken war. Die Entwicklung der Früchte wurde dadurch gehemmt.

Edwin Huber, Präsident der Thurgauer Obstproduzenten, weist darauf hin, dass die Birnenernten in den letzten beiden Jahren recht gross waren. Die Bäume seien zum Teil erschöpft und bräuchten ein Erholungsjahr, sagt er. Besonders schlecht ist die Ernte bei den Mostbirnen. Die geerntete Menge entspricht nur gerade 40 Prozent der geschätzten Menge von 13’070 Tonnen. Verantwortlich dafür ist zum einen der Feuerbrand, dessentwegen im letzten Jahr viele Hochstämmer gerodet wurden. Von den Hochstämmern stammt ein Grossteil der Mostbirnen. Andererseits führe gerade ein schwacher Behang dazu, dass die Bauern das wenige Obst, das runter fällt, auch gleich liegen liessen, sagt Huber.

Der Saft aus Mostbirnen wird meist dem Apfelsaft zugemischt, er ist billiger und vor allem deshalb interessant. Einem Apfelsaft dürfen die Verarbeiter von Gesetzes wegen höchstens 10 Prozent Birnensaft beimischen. Vom Geschmack her hat der Birnensaft praktisch keinen Einfluss, wie Ernst Möhl von der Thurgauer Mosterei Möhl erklärt. “Die fehlenden Mostbirnen sind kein Problem, wir haben noch Konzentrat von der letztjährigen Ernte am Lager”, sagt Möhl. Diese übertraf alle Erwartungen und wurde entsprechend genutzt, um Konzentrat-Vorräte anzulegen. Auch beim grossen Obstsaft-Hersteller Ramseier in Sursee greift man auf die Vorräte zurück und nimmt den Birnenmangel locker.

Mäni Graber, ein gewerblicher Moster aus dem Thurgau, bezeichnet die Mostbirnen-Ernte als “katastrophal schlecht”. Er produziert rund 150’000 Liter Apfelsaft und hat in diesem Jahr keine 20 Kilogramm Birnen erhalten, wie er sagt. Aber auch für ihn sind die Birnen nicht notwendig, um einen guten Apfelsaft zu pressen. “Früher waren die Mostobstsorten herber und saurer, da waren die süssen, milden Mostbirnen ein guter Ausgleich”, sagt er. Mit den heutigen Mostäpfelsorten und mit den Überschüssen aus den Tafelobstanlagen, die vermostet würden, entstehe ein Apfelsaft, der gar keinen Birnensaft mehr benötige.

Edwin Huber glaubt, dass es immer weniger Mostbirnen geben wird. Es sei zwar schade, wenn die alten grossen Birnbäume verschwänden, ein blühender Birnbaum sei ein “schönes Bild”. Aber den Mostbirnen müsse man nicht gross nachtrauern. Matter vom Obstverband hält dies für kurzsichtig. Wenn irgendwann die guten Mostapfelsorten knapp seien, seien die Mostereien plötzlich wieder froh um Mostbirnen, meint er.

In der Zentralschweiz bleiben Mostbirnen wichtig

Auch im Luzernischen hängt man noch etwas mehr an den Mostbirnen. Dort gibt es besonders viele Mostbirnenbäume. Allerdings hat sich die Zahl der Bäume in den letzten Jahren mit dem Feuerbrand halbiert, wie Beat Felder von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald sagt. Vor allem die beiden Sorten Gelbmöstler und Egnacher waren stark betroffen. Für die Zukunft setze man vor allem auf die “Wasserbirne”, die gegen den Feuerbrand relativ resistent sei. Denn beim Obstsaft frisch ab Presse, der in der Region sehr beliebt sei, sei eben der Birnensaft nach wie vor wichtig. (Quelle: LID / Roland Wyss-Aerni)