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Käser kritisieren Milchbauern

Die Milchproduzenten steuern gemäss Fromarte den Milchmarkt in die Überschussverwertung wie vor Jahren die Käseunion. Der Bundesrat fördere marktfremdes Verhalten.

von Foodaktuell Importer

10’000 Tonnen Milchpulver und 4’000 Tonnen Butter liegen am Lager. Gemäss dem Käsereiverband Fromarte produzieren die Schweizer Bauern auf Halde – ein Milchsee beginnt sich zu bilden. (Bild: keine echte Milch)

Zehn Jahre nach dem Ende der Käseunion, Milliardendefiziten und Entsorgungsaktionen wird die Schweizerische Milchwirtschaft weiter durch die Überschussverwertung getrieben. Anstelle der staatlichen Stellen sind die Schweizer Milchproduzenten getreten, die mittels Zwangsabgaben die schlechte Milchverwertung finanzieren. Bei offenem Käsemarkt und freier Milchproduktion führt dies zu Marktanteilsverlusten beim Käse und zu immer grösseren Lagern bei Milchpulver und Butter.

Zurzeit liegen rund 10’000 Tonnen Pulver und 4’000 Tonnen Butter am Lager, während bis Ende Jahr mit den Käseimporten zusätzliche ausländische Milch im Umfang von 250 Schweizer Bauernbetrieben erwartet werden muss. Mit anderen Worten: die Schweizer Bauern produzieren auf die Halde, die ausländischen beliefern immer in grösserem Umfang den Schweizer Markt.

Gesteuert wird diese unerfreuliche Entwicklung durch einen deutlich zu hohen Milchfettpreis, der dank obligatorischen Abgaben gestützt wird. Damit ist die Produktion der Massenprodukte Butter und Milchpulver kurzfristig attraktiver als die Herstellung von Käse. Die Überlager bei den Massenprodukten müssen jetzt aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt im Ausland entsorgt werden. Die teuer bezahlte Schweizer Milch wird zu unter 40 Rp./kg auf dem Weltmarkt entsorgt. Bedauerlich ist, dass der Bundesrat diese Entwicklung mit obligatorischen Abgaben noch fördert.

Zurzeit wird von den Milchproduzenten ein neues Gesuch an den Bundesrat vorbereitet, das noch höhere Zwangsabgaben vorsieht. Mit einer Marktsegmentierung, sprich Umverteilung von den guten zu den schlechten Verwertungen, wollen die Produzenten in Zukunft den Milchmarkt steuern. Dieses Vorgehen erinnert an die staatliche Käseunion, wo am Schluss vollständig am Markt vorbei produziert wurde.

Der Käsefreihandel mit der EU und die Aufhebung der Milchkontingentierung wurden in den letzten Jahren vom Parlament beschlossen und sind heute respektive nächstes Jahr Tatsache. Wenn die Milchproduzenten nicht gewillt sind, sich dieser Herausforderung zu stellen, dann muss die Milchproduktion in der Schweiz um mindestens um ein Drittel reduziert werden. (Medienmitteilung Fromarte)

Milchproduzentenverband schiesst zurück

Die Dachorganisation der Schweizer Milchproduzenten (SMP) bezeichnet die Kommunikation des neu gegründeten Vereins Schweizer Milch (VSM) als inakzeptabel. Mit der Absicht, den Produzentenpreis um 20 Rappen zu senken und den Milchmarkt künftig ausserhalb des Einflussbereichs der SMP zu regeln, ziele die VSM zwar auf die SMP, treffe damit jedoch alle Milchproduzenten in ihrer Existenz, schreibt die SMP in einer Medienmitteilung. Im VSM sei das Zepter fest in der Hand der Verarbeiter, heisst es weiter.

Die Ankündigung von drastischen Preissenkungen als erste Botschaft könne nur so erklärt werden und sei Diktat der Industrie, die man aufs Schärfste zurückweise. Vom VSM-Präsidenten Alexander Briw verlangt die SMP, dass er sich für die Diffamierung der SMP entschuldige und seine Aussagen über bevorstehende Preissenkungen, bevor überhaupt verhandelt wurde, zurücknehme. Auch von den SMP-Vorstandsmitgliedern, deren Organisationen dem VSM beigetreten sind, erwartet die SMP eine Distanzierung von den Aussagen von Briw. Ferner lade man die vier grossen Verarbeiter zu Vorgesprächen über die Milchpreisverhandlungen ein.

Die SMP will weiter am Ziel festhalten, den Milchmarkt zu segmentieren, um Überschüsse billiger verkaufen zu können. Der Delegiertenversammlung vom 19. November schlägt der SMP-Vorstand vor, die Abgabe pro Kilogramm Milch von 0,5 Rappen auf einen Rappen zu verdoppeln, um mit einem neu zu gründenden Interventionsfonds Butterüberschüsse abbauen zu können. Der Interventionsfonds ist anstelle des heutigen Marktstützungsfonds geplant. (Quelle LID 11.11.2008)