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SMP kritisiert VSM-Milchpreisempfehlung

Der Verein Schweizer Milch empfiehlt eine Milchpreissenkung von 9 Rp/kg Milch. Die SMP kommt aber in ihrer Markteinschätzung zum Schluss, dass diese nicht höher als 6 Rp sein dürfte.

von Foodaktuell Importer


Der Verein Schweizer Milch (VSM), in dem sich die grossen Milchverarbeiter und eine Teil der Milchbauern zusammengeschlossen haben, empfiehlt für die Preisverhandlungen pe 1. Januar eine Milchpreissenkung um neun Rappen pro Kilo. Dies sei ein “erster Schritt”, um die internationale Konkurrenzfähigkeit von Schweizer Milchprodukten herzustellen, schreibt der VSM in einer Medienmitteilung. Sobald die Auswirkungen des Stützungsabbaus durch den Bund bekannt seien, soll eine weitere Überprüfung erfolgen.

Die Spitze des Dachverbandes der Schweizer Milchproduzenten (SMP) stellte dazu an einer Medienorientierung fest, offenbar habe der Druck der SMP und die klaren Beschlüsse der letzten Delegiertenversammlung eine Wirkung gehabt. Bei der Gründung des VSM hatte dessen Präsident Alexander Briw von einer Preissenkung von 15 bis 20 Rappen gesprochen.

Die SMP kommt in ihrer Markteinschätzung aber zum Schluss, dass die Preissenkung nicht höher als sechs Rappen sein dürfte. Schon diese für die Produzenten schmerzhafte Kürzung würde es erlauben, keine Marktanteile zu verlieren, erklärte SMP-Präsident Peter Gfeller. “Der Markt wird schlechter geredet, als er ist.” Die tatsächliche Preisdifferenz bei der verkästen Milch abzüglich der Verkäsungszulage liege bei sechs Rappen, und manche Produkte wie Trinkmilch oder Mozzarella seien in der Schweiz nach wie vor zum Teil billiger als im umliegenden Ausland.

Die SMP rief die Milchhandelsorganisationen erneut dazu auf, die an der Delegiertenversammlung beschlossene Marktsegmentierung umzusetzen. Für rund 90 Prozent der Milch gäbe es demnach eine Preissenkung von sechs Rappen, für zehn Prozent eine Senkung von über 15 Rappen. (LID 28. November 2008)

Nachstehend die beiden Medienmitteilungen im Original:

Medienmitteilung SMP: Nachdem die Industrie noch vor Wochenfrist verkündet hatte, der Produzentenpreis müsse zwischen 15 und 20 Rappen pro Kilogramm Milch
sinken, hat heute der Verein Schweizer Milch, in dem alle vier grossen
Verarbeiter Einsitz nehmen, empfohlen, den Milchpreis im einstelligen
Bereich um 9 Rappen pro Kilogramm zu senken. Offensichtlich hat der
seitens SMP erzeugte Druck und die klaren Beschlüsse an der Delegiertenversammlung erste Wirkung erzielt. Doch gemäss der Markteinschätzung der SMP dürfte die Preissenkung nicht höher als zirka 6 Rappen ausfallen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn die an der Delegiertenversammlung beschlossene Segmentierung von Menge und
Preis in Milchverkaufsorganisationen konsequent umgesetzt wird.

Nachdem die Industrie noch vor Wochenfrist verkündet hatte, der Produzentenpreis
müsse zwischen 15 und 20 Rappen pro Kilogramm Milch sinken, hat heute der Verein Schweizer Milch, in dem alle vier grossen Verarbeiter Einsitz nehmen, empfohlen, den Milchpreis im einstelligen Bereich um 9 Rappen pro Kilogramm zu senken.
Offensichtlich haben der seitens SMP erzeugte Druck und die klaren Beschlüsse an
der Delegiertenversammlung erste Wirkung erzielt.

9 Rappen Preissenkung bedeutet einen Einkommensverlust aller Milchproduzenten
von rund 300 Millionen Franken pro Jahr, oder 900 Franken pro Monat für einen
Durchschnittsbetrieb. Dies wird bei den bereits tiefen Durchschnittseinkommen der
Milchproduzenten den Existenzkampf weiter verschärfen. Nutzniesser dieser riesigen Umverteilung werden die Unternehmungen und in bescheidenem Mass auch
die Konsumentinnen und Konsumenten sein: Die Preissenkung macht pro Person
und Monat etwa 3 Franken aus.

Die SMP rechnet jedoch, gestützt auf eine fundierte Marktanalyse, dass lediglich
eine Preissenkung von ca. 6 Rappen notwendig ist. Vor dem Hintergrund des Stützungsabbaus des Bundes und der aktuellen Marktlage wäre dieser für die Produzenten schmerzhafte Schritt allerdings notwendig, um keine Marktanteile zu verlieren. Die SMP ruft ihre Organisationen dazu auf, sich bei den konkreten Verhandlungen
an der SMP-Empfehlung auszurichten. Dies erfordert allerdings eine konsequente Umsetzung der Beschlüsse der SMP-Delegiertenversammlung zur Segmentierung
von Milchmenge und Milchpreis in den Regionen. Sofern dies nicht gelingt, besteht
die Gefahr von Unterbietungen und damit deutlich höheren Preissenkungen.

Sämtliche Preissenkungen über das absolut Notwendige hinaus sind für die Produzenten äusserst schmerzhaft und auch sinnlos. Denn sowohl die Konsumentinnen
und Konsumenten, der Detailhandel als auch die Konsumentenorganisationen haben gerade in diesem Jahr gezeigt und betont, dass sie durchaus bereit sind, das
aktuelle Preisniveau für Milch und Milchprodukte zu bezahlen, weil die Qualität den
Preis wert ist und dieser zur dringend notwendigen Einkommensbildung der Milchproduzenten beiträgt. (Medienmitteilung SMP)

Ein erster Schritt Richtung Markt

Medienmitteilung Verein Schweizer Milch (VSM): Am 7. November 2008 haben Produzentenorganisationen und Unternehmen der Verarbeitungsindustrie
den Verein Schweizer Milch gegründet. Die paritätisch aufgebaute
Organisation vertritt rund zwei Drittel der produzierten und 90 Prozent der verarbeiteten
Milch in der Schweiz und hat die Erhaltung und Förderung der Milchproduktion zum Ziel.
Konkret sollen geeignete Instrumente für die optimale Vermarktung der Milch geschaffen
werden. Das bedeutet auch Perspektiven, Markttransparenz und Verlässlichkeit für die
Mitglieder sowie die Rechts- und Vertragssicherheit zwischen Produzenten und Verarbeitern
sicherzustellen.

In den letzten Monaten erlebte der Milchmarkt Schweiz heftige Turbulenzen sowohl beim
Preis wie auch bei den produzierten Mengen. In der Schweiz wurde der Milchpreis in zwei
Schritten innert Jahresfrist um 12 Rappen erhöht. Da sich das europäische Preisniveau nicht
den Erwartungen gemäss nach oben, sondern seit einigen Monaten wieder nach unten
entwickelte und heute deutlich unter Vorjahresniveau liegt, ergibt sich aktuell eine Preisdifferenz zu den europäischen Nachbarn von rund 30 Rappen pro Kilo Milch. Nicht zuletzt
aufgrund des hohen Preises stieg die Milchmenge in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr
um über 5% und die Lagerbestände für Magermilchpulver und Butter sind im laufenden Jahr
stark angewachsen. Mit der Liberalisierung der Märkte steht heute jedes zweite Kilo
Schweizer Milch direkt im internationalen Wettbewerb. Der Export von Käse ist seit einigen
Monaten rückläufig, während die Importe laufend ansteigen.

Der Verein Schweizer Milch (VSM) sieht in einer stufenweisen Senkung des Milchpreises ein
für die Produzenten und die Industrie akzeptablen Weg, um die internationale Konkurrenzfähigkeit
von Schweizer Milchprodukten herzustellen. Deshalb empfiehlt der paritätisch mit
Milchproduzenten und Verarbeitern zusammengesetzte Vorstand auf den 1. Januar 2009
eine Milchpreis-Senkung von 9 Rappen pro Kilogramm Milch. So kann den drohenden
Marktanteilsverlusten im Heimmarkt und im Export begegnet werden. Eine weitere
Überprüfung erfolgt, wenn auch die Auswirkungen des Stützungsabbaus per 1. Januar 2009
abschliessend bekannt sind. Auf spätestens 1. Mai 2009, dem Zeitpunkt des definitiven
Ausstiegs aus der Milchkontingentierung, plant der VSM die Einführung des neuen
Marktmodells und eines Richtpreisindex, der eine neue Grundlage schaffen soll.

Die paritätisch aufgebaute Organisation Verein Schweizer Milch hat die Erhaltung und
Förderung der Milchproduktion in der Schweiz zum Ziel. Konkret sollen geeignete
Instrumente geschaffen werden, um die optimale Vermarktung der Milch der Mitglieder zu
schaffen und darüber hinaus Perspektiven, Markttransparenz und Verlässlichkeit für die
Mitglieder sowie die Rechts- und Vertragssicherheit zwischen Produzenten und Verarbeitern
zu schaffen.

Das Konzept der VSM basiert auf zwei Säulen:

– Die erste Säule sind die Verträge für die Linienmilch zwischen Produzenten-
Organisationen und Verarbeitern. Sie sollen für eine Preis- und Mengensicherheit der
beiden Marktpartner sorgen. Der Milchpreis der vertraglich zugesicherten Milch
orientiert sich an einem Richtpreis, der vierteljährlich festgelegt wird.

– Eine zweite Säule soll den Absatz und den Preis der Milchmenge regeln, die nicht
vertraglich gebunden ist. Der Preis wird sich je nach Nachfrage unter oder über dem
Marktpreisniveau der Linienmilch bewegen. (Medienmitteilung VSM)