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Campylobacter macht wieder Schlagzeilen

Schlagzeilen über «verseuchte» Schweizer Hühner zeigen, dass Publikumsmedien Campylobacter als neue Bedrohung ansehen – ein Irrtum gemäss Bundesamt für Veterinärwesen.

von Foodaktuell Importer


In den letzten Tagen wurden in Zeitungen Artikel mit Überschriften wie „Schweizer Hühner sind verseucht“, „Geflügelfleisch stark von Bakterien befallen“ oder „Die Bevölkerung isst sich krank“ veröffentlicht. «Die Beiträge zeigen, dass viele Campylobacter als neue Bedrohung ansehen», so Marcel Falk vom Bundesamt für Veterinärwesen BVET: Das ist falsch. Campylobacter hat weltweit, auch in der Schweiz, schon immer Menschen befallen und heftige Durchfälle ausgelöst. Da sein viel bekannteres Pendant, die Salmonellen, besonders in der Schweiz erfolgreich zurückgedrängt werden konnte, führt Campylobacter seit Jahren zu weitaus mehr Erkrankungen als Salmonellen.

Menschen stecken sich bei weitem nicht nur über den Kontakt oder Konsum von schlecht erhitztem Schweizer Poulet an. Weitaus mehr Menschen lesen Campylobacter auf Auslandreisen auf, andere durch Kontakt zu Haustieren. Campylobacter ist ein häufiger Darmbewohner in Tieren und macht gerade Hühner nicht krank.

Um die Situation im Auge zu behalten, bestimmten wir jeweils im Frühjahr den Campylobacter-Befall in Mastpouletherden – mit Werten bis zu 45 Prozent. 2008 nun massen wir Campylobacter jeden Monat und fanden wie erwartet einen ausgeprägten Anstieg in den Sommermonaten. Der Spitzenwert im August lag bei 90 Prozent. Jeden Sommer steigen die Campylobacter-Werte an. Ob sie jeden Sommer derart stark zunehmen, werden erst die Untersuchungen der kommenden Jahre zeigen.

Konsumierende können sich im Prinzip relativ einfach schützen: Pouletfleisch gut durchbraten und nach dem Berühren von rohem Fleisch die Hände gründlich waschen. Und dennoch ist die Situation nicht zufriedenstellend. Wir möchten den Campylobacter-Befall in Mastpouletställen durch vorbeugende Hygienemassnahmen senken.

Auch die hygienischen Massnahmen im Schlachthof gilt es zu prüfen. Fertige Konzepte gibt es dazu nicht. Auch nach der Arbeitssitzung vom 18. Dezember werden wir diese Konzepte nicht haben. Zu verhindern, dass Campylobacter in Mastpouletställe gelangt, ist nicht ganz einfach. Der Keim kann über unzählige Wege eingetragen werden. Man wird viele Lösungsansätze testen müssen und es braucht wohl einige Jahre, bis sich die Situation nachhaltig verbessert. (Quelle: BVET, Marcel Falk)

foodaktuell.ch berichtete in den Kurznews am 9.12.2008: Höherer Campylobacter-Befall bei Schweizer Hühnern

Der Durchfallerreger Campylobacter ist auf dem Vormarsch. Messungen bei Schweizer Geflügel zeigten eine drastische Zunahme der befallenen Hühner von etwa 40 Prozent im Mai auf bis zu 90 Prozent im August. Die Schwankung beim Hühner-Befall könnte saisonal bedingt sein, sagte Marcel Falk, Sprecher des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET), am Sonntag der Nachrichtenagentur SDA. Er bestätigte die Zahlen, welche die “SonntagsZeitung” in einem Bericht nennt. Bisher sei der Erregerbefall nur einmal jährlich – im Frühling – gemessen worden, im laufenden Jahr nun erstmals in kürzeren Abständen. Für den September sei bereits ein Rückgang auf 70 Prozent zu beobachten, sagte Falk.

Zur Beratung des weiteren Vorgehens hat das BVET auf den 18. Dezember Vertreter der kantonalen Gesundheitsbehörden sowie Lebensmittelspezialisten und Geflügelproduzenten nach Bern eingeladen. Man arbeite intensiv an einem Bekämpfungsprogramm, sagte Falk. Unklar sei weiter die Hauptursache des Geflügelbefalls. Bereits wurden die Hygienemassnahmen in Mastbetrieben verschärft. Ermahnt wird auch regelmässig die Bevölkerung, Geflügelfleisch immer gut durchzugaren; gefährlich sei rohes Fleisch.

Die meisten Personen steckten sich aber auf Auslandreisen an, heisst es aus dem BVET. Ausser über rohes Pouletfleisch sei eine Infektion auch über den Kontakt zu Hunden und Katzen möglich. Wer sich angesteckt hat, leidet zwei, drei Tage unter kräftigem Durchfall, auch unter Krämpfen und Fieber. Gefährlich werden kann eine solche Lebensmittelvergiftung für gesundheitlich angeschlagene Personen und ältere Menschen. (8.12.2008 LID)