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Coop wird Discounter

Die Nummer zwei im Detailhandel will bei über 600 Markenartikeln die Preise durchschnittlich um 12 Prozent senken.

von Alimenta Import

Ab heute Montag steigt Coop in den Harddiscount-Bereich ein. Laut Coop-Chef Loosli werden für «den grössten Preisabschlag aller Zeiten» an einem einzigen Tag 100 Millionen Franken aus der eigenen Kasse investiert. Damit beteilige Coop die Kunden am Markterfolg und gebe Effizienzsteigerungen weiter, sagte er an einer Medienkonferenz in Zürich. Weitere 100 Millionen Franken aus eigenen Mitteln wendet Coop für eine überdurchschnittliche Lohnsummenerhöhung um 3,25 Prozent zu Gunsten des eigenen Personals auf. Coop distanziere sich klar vom Denken der kurzfristigen Gewinnmaximierung. Coop-Marketingchef Jürg Peritz schloss vor den Medien nicht aus, dass es im Lauf des Jahres weitere Preissenkungen gibt: «Die Konkurrenz wird sicherlich nachziehen», sagte er. Coop werde 2009 sicher mehr als 100 Millionen Franken für Preissenkungen aufwenden. Seit 2004 habe Coop insgesamt bereits 815 Millionen Franken zur Verbilligung von 2870 Artikeln investiert.

Coop hat hohe Marge
«Viele Lieferanten werden keine Freude daran haben, was wir machen», sagte Loosli. Die Beschaffungskosten seien aber zu hoch. Laut Peritz sind harte Preisverhandlungen im Gang. Coop habe seit Jahresbeginn sämtliche Preisforderungen konsequent abgelehnt. Die Massnahmen bringen Coop zu den bisherigen vier Preislagen – Premium-Marken, Marken, Coop Qualité et Prix sowie Prix Garantie – eine fünfte, die Discountmarken. Dies richtet sich laut Peritz zunächst gegen den mehrheitlich der Migros gehörenden Denner, später aber auch gegen Lidl. Gemäss dem Markenartikelverband Promarca, habe der Grossverteiler aber durchaus noch Potential die Preise zu senken. Sei doch im europäischen Vergleich die Coop-Marge noch überdurchschnittlich, wurde auf Radio DRS 1 ein Promarca-Vertreter zitiert.

Eigenkapitalanteil bei 45 Prozent und für 2008 das beste Resultat
Die Investition von insgesamt 200 Millionen Franken für Kunden und Personal kann sich Coop laut Loosli leisten. Seit 2001 sei der Verschuldungsgrad trotz der Übernahmen von Waro, Carrefour Schweiz, EPA, Fust und Christ mehr als halbiert worden. Die Umsatzkurve sei um gegen 50 Prozent gestiegen. Der Eigenkapitalanteil liege bei etwa 45 Prozent. Für 2008 werde Coop «das beste Ergebnis in der Coop-Geschichte» vorlegen, kündigte Loosli an. Von einem Konsumrückgang sei bisher nichts zu spüren. Das vergangene Weihnachtsgeschäft sei besser ausgefallen als im Vorjahr. Die Umsatzzahlen für 2008 sollen Anfang Woche veröffentlicht werden. Für 2009 zeigte sich Loosli nicht sonderlich pessimistisch. ap/hps