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«Zeitpunkt für Wechsel ist gekommen»

Anton Schmutz wird bis Ende Mai die Geschäfte von Fromarte führen, um anschliessend die Stelle als Gastrosuisse-Direktor zu übernehmen. Er blickt auf 14 Jahre Verbandsarbeit im Dienst der Käser zurück.

von Alimenta Import

Alimenta: Weshalb haben Sie sich dazu entschieden, Fromarte zu verlassen?
Anton Schmutz: Bei meinen Gedankengängen darüber, wie die 15 Jahre bis zu meiner Pensionierung aussehen könnten, wurde mir klar, dass ich nicht 30 Jahre meines ­Lebens bei derselben Organisation arbeiten möchte. Nun, mit fast 50, ist der letzte Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen.

Welche Herausforderungen kommen auf Sie als Direktor von Gastrosuisse zu?
Da ich noch nicht zuständig bin für Gastrosuisse, äussere ich mich nicht über deren Geschäfte. Sicherlich werde ich auch dort die Hauptaufgaben des Leiters einer Organisation übernehmen; die Interessenver­tretung, die Öffentlichkeitsarbeit sowie das Anbieten von Dienstleistungen und Aus- und Weiterbildungen.

Mit welchen Zielen haben Sie vor 14 Jahren die Stelle als Fromarte-Direktor angetreten?
Da Fromarte als solches noch nicht exis­tier­te, war ich in erster Linie gefordert, den Verband und die dazugehörigen Strukturen aufzubauen. Dies sollte nach unternehmerischen Kriterien geschehen. Damals war der Wechsel von der «Planwirtschaft» in die «freie Marktwirtschaft» in unserer Branche in vollem Gang. Bewährte, bekannte Wege zu verlassen, um Neues zu erkunden, das gefällt mir. Damals wie heute.

Gibt es Ziele, die Sie mit Fromarte nicht erreicht haben?
Natürlich. Mich betrübt zum Beispiel, dass die Käser nicht in die Vermarktung von Käse eingestiegen sind. Zum Zeitpunkt der Aufhebung der Käseunion gab es private Käsehändler, aber auch die Käsehandelsbetriebe der Käser und Milchproduzenten. Da­mals wären die Voraussetzungen zum Erfolg ge­geben gewesen, hätten die Käser eine schlagkräftige Verkaufsorganisation gegründet.

Worin lägen die Vorteile eines schlagkräftigen Käsehandels in Käserhand?
In erster Linie hätten die Käser die Möglichkeit, ihre Produkte so auszuzeichnen, dass die Konsumenten auf den ersten Blick sehen: Dieser Käse ist aus gewerblicher ­Produktion. Und er ist aus silofreier Milch. Wenn die Leistungsmerkmale gewerblicher Käse nicht sichtbar sind, ist die gewerbliche Käseproduktion längerfristig gefährdet. Der Käsehandel würde auch profitieren, weil er es nicht schafft, international schlagkräftige Marken aufzubauen.

Die Liberalisierung des Käsemarktes war eines der wichtigsten Geschäfte der letzten 14 Jahre. Entspricht das Resultat Ihren Erwartungen?
Nein. Ich hatte nicht erwartet, dass sich die gewerblichen Milchverarbeiter so gut im freien Markt halten können. Zwar hatte ich nie Zweifel an der Qualität unserer Produkte. Aber zu Beginn des Prozesses wusste niemand mehr, welchen Wert der Käse eigent­lich hat. Nicht zuletzt wegen der ­Subventionen, die bis zu 5 Franken pro Kilo Käse ausmachen konnten.

Gibt es trotz allem Schwächen, die es auszumerzen gilt?
Eine davon habe ich erwähnt: Der ungenügende Marktauftritt. Dazu gehört auch, dass die Spezialitätenhersteller auf europäischen Messen präsenter sein müssten. Eine stärkere Unterstützung durch Fromarte ist denkbar. Bislang fehlen aber die entsprechenden Signale der Mitglieder. Eine weitere ist, dass die Käser kaum als Detailhändler wahrgenommen werden. In eine Bäckerei geht man, um Brot zu kaufen. Eine Käserei wird eher als Produktionsstätte von Käse wahrgenommen, nicht aber als Geschäft für Käsespezialitäten. Auch dabei möchte From­arte künftig mehr Unterstützung bieten.