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Baobab – Frucht mit grosser Zukunft?

Baobab, die Frucht des Affenbrotbaums, ist ausgesprochen gesund und stösst in der Lebensmittelindustrie auf grosses Interesse. Der ­Marktforscher Mintel hat sie deshalb zur «Superfrucht 2009» erkoren.

von Alimenta Import

Der Affenbrotbaum oder Baobab (adanosia digitata) wächst unter anderem in Südafrika. Früchte, Blätter, Samen, Rinde und Wurzeln werden aufgrund ihres hohen nutritiven Gehalts seit Generationen von der einheimischen Bevölkerung genutzt.
Im Antrag an die EU, Novel-Food-Status für den Baobab zu erhalten, beschränkt sich Phytotrade Africa auf die Früchte dieses bis zu 28 Meter hohen Baums. Dies im Gedanken an die Erhaltung der Art, da die Früchte umweltgerecht und nachhaltig geerntet werden können. Die Bauern, welche Phytotrade beliefern, müssen sich an strenge Regeln halten. Phytotrade Africa wendet HACCP an. Die Produkte werden unter «fair trade» gehandelt.

Einfacher und mechanischer Prozess

Das Fruchtmark wird in einem einfachen Prozess gewonnen. Die Früchte werden geerntet, die harten Schalen geknackt, das Fruchtmark von den Samen und der Schale getrennt. Dieses wird gemahlen und in feine (3–600µm) und gröbere Teile getrennt und dann ab­gepackt. Um eine regelmässige Qualität zu ­erhalten, werden die Ernten verschiedener Herkunft gemischt.
Baobab-Fruchtmark kann in Smoothies, Getreidestengeln oder anderen Produkten ein­gesetzt werden. Leatherhead Food Interna­tional hat in einer Studie festgestellt, dass ­zwischen 5 und 10% des getrockneten Fruchtmarks in diese Produkte eingearbeitet werden können. Für Smoothies wurde ein optimaler Gehalt von 6 bis 8% definiert, in Getreideprodukte können 5 bis 10% inkorporiert werden. Für Baobab-Fruchtmark kann keine gesundheitsbezogene Nährwertangabe gemacht werden, auch wenn es einen hohen Anteil an hochwertigen Nährstoffen enthält und einen hohen Gehalt an Flavonoiden aufweist.
Der hohe Pektingehalt kann zu einer sehr ­hohen Viskosität und zu einer Trübung des Produktes führen und die Anwendung einschränken. Deshalb sieht Phytotrade vor, ein entpektinisiertes Pulver auf den Markt zu bringen. Weiter eignet sich Babobab-Fruchtmark für die Produktion von Süsswaren.

Ziel Fussball-WM in Südafrika
Phytotrade Africa geht nach dem Erlangen des Novel-Food-Status in der EU einen Schritt weiter: Das Dossier für die Erlangung des GRAS («Generally Recognized As Safe»-­Status) und somit der Eintritt in die USA ist vorbereitet. «Ziel ist, diesen Status vor der Fussballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika zu erreichen», sagt Cyril Lombard von Phytotrade. Der Handel mit der neuen «Superfrucht», in deren Vergleich Cranberries und Granatapfel vor Neid erblassen können, wie gewisse Medien bekannt gaben, ist eröffnet, und die Antwort der Lebensmittelindustrie nach Aussage des Marketingmanagers von Afriplex, William Smith, «phänomenal». Der Umsatz, den Afrika mit diesem neuen Exportprodukt erwarten kann, wird auf knapp eine Milliarde Dollar geschätzt.
Interessant sind insbesondere der hohe Gehalt an Vitamin C, Vitamin B2, Linolensäure und Kalzium. Die integrale antioxi­dative Kapazität (IAC) soll nach italienischen Studien zehn Mal höher liegen als diejenige von Orangenmark (Food Chemistry, Vol. 102). Baobab-Fruchtmark gilt als ausgezeichneter Geschmacksverstärker. Dem Fruchtmark werden prebiotische Eigenschaften ­zugeschrieben. Es soll die Verdauungsflora anregen. Das Fruchtmark hat einen leicht ­säuerlichen, mit der Grapefruit vergleichbaren Geschmack.

Traditionelle Anwendung
Dem Baobab-Fruchtmark werden zahlreiche traditionelle Anwendungen zugeschrieben. Das weissliche, nahrhafte Fruchtfleisch wird Affenbrot genannt. Das Mark wird etwa mit Wasser aufgeschwemmt, von den Samen getrennt und als Emulsion mit gemahlenem Mais vermischt oder oft auch mit Wasser ­gemischt als Süssgetränk genossen. Da das Fruchtmark einen hohen Kalziumgehalt hat, wird es besonders von Kindern und schwangeren Frauen eingenommen. Von den Blättern und Samen werden Saucen und Aromastoffe hergestellt. Die Anwendung von Baobab variiert je nach Völkerstamm. Eins scheint jedoch klar zu sein: Je schleimiger das Fruchtmark, desto ­weniger schmackhaft ist es, je länglicher die Frucht, desto besser das Mark. Das hat eine Studie mit über 400 Personen ergeben.

Wissenschaftliche Studien
Baobab-Milch (getrocknetes Fruchtmark, gemischt mit Wasser) enthält mehr Protein und Mineralstoffe (Eisen 17,8 mg; Kalzium 134,2 mg) als Muttermilch. Baobab-Samenöl ist eine ausgezeichnete Energiequelle. Sowohl Mark als auch Kerne enthalten viel Magnesium, Kalzium und Kalium, besagt eine Studie.
Quellenangaben: «Indigenous Knowledge and Process­ing of Adansonia Digitata L. Food Products in Benin»; Ecology of Food and Nutrition; F. J. et al; 2008. ­«Nutritive value of baobab milk (gubdi) and mixtures of baobab (Adansonia digitata L.) and hungry rice, acha (Digitaria exilis) flours»; Plant Foods for Human Nutrition; I.C. Obizoba & J.U. Anyika; 1994. «Folk Classification, Perception, and Preferences of Baobab products in West Africa: Consequences for Species Conservation and Improvement»; Economic Botany; A. E. Assogbadjo; 2008. «Chemical and Nutrient Analysis of Baobab (Adansonia digitata) Fruit and Seed Protein Solubility»; Plant Foods for Human Nutrition; Magdi A. Osm An; 2004. «Baobab Dried Fruit Pulp – An application for Novel Foods Approval in the EU as a food ingredient»; phytotrade Africa, 2008