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Campylobacter-Abwehr gemäss «Saldo» zu langsam

Diese Woche im «saldo»: Eine Stichprobe bei rohem Pouletfleisch ergab, dass 8 von 25 Proben den Krankheitserreger Campylobacter enthielten. Richtig garen ist daher ein Muss.

von Foodaktuell Importer

Pouletfleisch muss immer durchgegart werden. Auch bei gefrorenem Geflügel darf der Fleischsaft keinesfalls mit roh verzehrten Lebensmitteln in Berührung kommen.

Diese Woche im Kosnummagazin «saldo»: Campylobacter sind in den Geflügelbeständen weit verbreitet. Doch während Staaten wie Schweden und Dänemark strenge Gesetze über die gesamte Pouletfleisch-Produktionskette erliessen, um das Ausbreiten des Bakteriums zu bremsen, haben die Schweizer Behörden das Thema jahrelang vernachlässigt. Erst heute, aufgrund der neusten Resultate, hat das Bundesamt für Veterinärwesen eine Arbeitsplattform gegründet. Sie soll Campylobacter-Infektionen «bis in ein paar Jahren» eindämmen.

saldo wollte wissen, ob Pouletfleisch ausländischer Herkunft weniger mit Campylobacter verseucht ist als solches aus schweizerischer Produktion. Eingekauft und ins Labor gebracht wurde frisches und tiefgefrorenes Pouletfleisch, insgesamt 25 Proben, eingekauft bei Grossverteilern, Metzgereien und Discountern.

Vier von zehn Schweizer Poulets fielen in der Stichprobe durch

Resultat: Jedes dritte Produkt enthielt den Krankheitserreger. Schweizer Pouletfleisch schnitt in der saldo-Stichprobe durchschnittlich schlechter ab: 40 Prozent der Proben waren verseucht. Die Stichprobe zeigte zudem, dass vor allem frisches Pouletfleisch infiziert war. Dagegen enthielt tiefgekühltes Pouletfleisch deutlich seltener Campylobacter als frisches. Dabei spielte es keine Rolle, ob das Fleisch aus biologischer oder aus konventioneller Produktion stammte. Keine Campylobacter fanden sich bei Fleisch aus Brasilien, Frankreich und den Niederlanden. Tiefkühlen tötet Campylobacter nur teilweise ab.

Die meisten Anbieter zeigen sich von den Resultaten der saldo-Stichprobe nicht beeindruckt. Die Sprecher von Coop, Migros, Aldi und Spar verweisen auf die Verpackungsetiketten. Dort werde erklärt, wie man Pouletfleisch in der Küche hygienisch richtig behandle. Ernst nahm den Befund die Kilo-Metzg aus Winterthur: Sie sperrte den Verkauf der Produkte, bis die Resultate genauerer Untersuchungen vorliegen. «Sollten Campylobacter gefunden werden, so werden wir diesen Artikel sofort aus dem Verkehr ziehen», sagt Ralph Diggelmann, Geschäftsführer von Kilo-Metzg.

Geflügelmäster haben Salmonellen allmählich im Griff

Die saldo-Stichprobe bestätigte auch, dass das Geflügelfleisch kaum mehr Salmonellen enthält. Dieser Trend entspricht europäischen Zahlen. Während der Befall mit Campylobacter in den letzten fünf Jahren kontinuierlich zugenommen hat, haben die Geflügelmäster Salmonellen allmählich im Griff.

Über Campylobacter

Campylobacter sind Bakterien, die beim Menschen Darmerkrankungen mit Durchfall und Fieber verursachen. Oft heilt die Infektion von alleine aus, kann aber zu Gelenk- und Nervenentzündungen führen. Eine seltene, heimtückische Variante kann Hirnhautentzündungen, Entzündungen des Herzes und Aborte bei Schwangeren auslösen.

Rund 40 Prozent aller Schweizer Poulets sind mit dem Krankheitserreger Campylobacter verseucht: Das zeigen die Mitte letzten Dezember vom Bundesamt für Veterinärwesen bekannt gegebenen Zahlen. Schon im Jahr 2001 warnte saldo vor dem Lebensmittelvergifter Campylobacter (Ausgabe 14/01). 2005 berichtete saldo, dass bereits jedes vierte Huhn in der Schweiz angesteckt war. Zum Vergleich: In Norwegen waren laut einem EU-Bericht aus dem Jahr 2003 nur 5 Prozent der Hühner positiv und in Schweden 18 Prozent (siehe saldo 18/05).

Text: Auszug aus dem Artikel im saldo 1 / 2009. Bild: foodaktuell