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Welcher Schutz an ­unseren Grenzen?

Während der Freihandel von Käse- und Käseprodukten stark mediatisiert wurde, wird die schrittweise Öffnung der Grenzen für andere Milchprodukte nicht thematisiert.

von Alimenta Import

Danone, um nur ein Beispiel zu nennen, pro­duziert seit August 2007 nicht mehr bei den Laiteries Réunies in Genf, sondern importiert aus verschiedenen europäischen Fabri­ken. Das ist aber nur möglich, wenn unsere Grenzen für diese Produkte geöffnet sind.
Insgesamt hat sich die Joghurteinfuhr in die Schweiz seit 2006 beinahe verdoppelt, und zwar von 3905 t auf über 7582 t im Jahr 2008. Gleichzeitig ist das Verhältnis Zollbelastung/Warenwert (Inzidenz) von 14,8% auf 8,1% gesunken. Bei anderen Produkten wie Kefir ist dieses Verhältnis sogar von 99,5% im Jahr 2006 auf 23,3% im Jahr 2008 gesunken. Für einige Produkte besteht ein Importkontingent, so etwa für Milchpulver (300 t).

Nach Paul Nobs, Direktor der Cremo, gibt es nur für Milch, Rahm und Butter abschreckende Zollbestimmungen. Das Phänomen der Grenzöffnung scheint irrever­sibel, und die Schweizer Milchverarbeiter müssen sich dieser Realität anpassen. Dessen sind sich auch Gilles Oberson, Direktor
der Migros-Tochter Elsa, und Albert Rösti, ­Direktor der Schweizer Milchproduzenten, bewusst. Migros-Pressesprecherin Monika Weibel weist darauf hin, dass der Anteil
an importierten Milchprodukten sehr klein ist. Diese machen nur rund 2% der Gesamt­importmenge der Migros aus. Betroffen sind 16 Artikel, insbesondere Desserts und Milchgetränke. Sie betont, dass der Import nur aufgrund des attraktiven Angebots in der Schweiz so gering ist, und erwartet mittel­fris­tig keine grossen Veränderungen. Albert Rösti teilt die gleiche Einschätzung der ­Situation: Auch er geht von keinen grossen Veränderungen bis ins Jahr 2011 aus.
Wird der Freihandel mit der EU eingeführt, dann könnte sich die Situation ändern, wobei die Erwartungen der verschiedenen befragten Personen stark divergieren. cl